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Antonia Rosalie Oppenheimer, geborene Mayer, und  Leopold Oppenheimer. Fotos aus den Kennkarten. (Bild: HR/Stadtarchiv Lorsch)
Antonia Rosalie Oppenheimer, geborene Mayer, und Leopold Oppenheimer. Fotos aus den Kennkarten.

6. Februar bis 14. Mai 2017

Ausstellung im Museumszentrum Lorsch

Für die Präsentation in Lorsch wurde die Ausstellung wie an jedem ihrer bisherigen Standorte mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Thematisiert wird die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in der Region, unter anderem am Beispiel der Familie Oppenheimer aus Lorsch.
 

Die Geschichte der Familie Oppenheimer aus Lorsch

Bauzeichnung: Umbauplan für das Haus der Familie Oppenheimer in der Karlstr. 1 vom 17. Mai 1913. Der ausführende Architekt war Heinrich Drexler.  (Bild: HR/Stadtarchiv Lorsch)
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Umbauplan für das Haus der Familie Oppenheimer in der Karlstr. 1 vom 17. Mai 1913. Der ausführende Architekt war Heinrich Drexler.

Information

Ausstellung

Museumszentrum Lorsch
Nibelungenstraße 35
64653 Lorsch

Montag, 6. Februar bis Sonntag, 14. Mai 2017

Öffnungszeiten:
Di - So 10-17 Uhr

Eintritt: frei
Gruppenführungen:
50 Euro pro Gruppe

Anmelde- und Informationstelefon:
06251 707 99 28
Leopold Oppenheimer wurde am 27.8.1873 in Fränkisch-Crumbach geboren. Er war schon fast 39 Jahre alt, als er Antonia Rosalie Mayer, genannt Toni, heiratete. Sie stammte aus Ober-Olm bei Mainz, wo sie am 4.3.1880 geboren worden war. Das junge Paar lebte in Lorsch in der Karlstr. 1 und erweiterte das ursprünglich sehr kleine Haus im Jahr 1913, als der erste Sohn Ernst geboren wurde. Ihm folgten Richard (geboren am 3.7.1914) und Alfred (geboren am 11.8.1917).

Leopold Oppenheimer verdiente seinen Lebensunterhalt als Hausierer. Im Erdgeschoss des Hauses hatte er einen kleinen, schaufensterlosen Laden eingerichtet. Die Waren lagerten in Regalen, die an den Wänden entlang aufgestellt worden waren. Leopold Oppenheimer handelte mit Textilwaren, Häuten und Fellen und war vor allem in der Umgebung von Lorsch – in Zell, Unter-Hambach, Kirchhausen und Hüttenfeld – mit Pferd und Wagen unterwegs. Toni Oppenheimer half mit im Geschäft, und nach dem Abschluss seiner Lehre stieg auch Sohn Richard in den gut gehenden Handel ein.
 
Leopold Oppenheimer. Foto aus der Kennkarte (Bild: HR/Stadtarchiv Lorsch)
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Leopold Oppenheimer. Foto aus der Kennkarte
Die Familie wirtschaftete klug: Grundnahrungsmittel baute sie im eigenen Garten an; Manufakturwaren kauften die Oppenheimers im Großhandel gemeinsam mit der Familie des Schwagers Alfred Mayer ein, sodass besonders günstige Einkaufspreise erzielt wurden. So hatte die Familie langsam ein kleines Vermögen erspart.
 

"Keine Veranlassung zur Inschutzhaftnahme"

Die Kennkarte von Antonia Rosalie Oppenheimer, geborene Mayer, aus Lorsch (Bild: HR/Stadtarchiv Lorsch)
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Die Kennkarte von Antonia Rosalie Oppenheimer, geborene Mayer, aus Lorsch
Ein Schlaglicht auf die Verhältnisse in Lorsch zur Zeit der "Machtübernahme" der Nationalsozialisten wirft ein Vorgang aus dem Frühjahr 1934: Am 18. April erschien der Arbeiter A. K. bei der Polizei und forderte die Gendarmen auf, Leopold Oppenheimer zu verhaften; O. habe sich gemein gegen seinen, K.s, Arbeitgeber verhalten "und sich hierbei einer politischen Äußerung bedient". Die Polizisten gingen der Sache nach und befanden, es bestehe "keine Veranlassung zur Inschutzhaftnahme des Oppenheimer". Der Handel der Familie ging in diesen Jahren infolge der Boykottmaßnahmen stark zurück, ab 1937 war kein Gewinn mehr zu verzeichnen. Die Oppenheimers mussten nun von ihren Ersparnissen leben.
 

"Feindliche Haltung des Judentums"

Dokument: Die Vereinigten Bauunternehmer Lorsch rechneten noch vor Weihnachten 1938 den Abbruch der Synagoge ordentlich mit der Gemeinde ab. (Bild: HR/Stadtarchiv Lorsch)
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Die Vereinigten Bauunternehmer Lorsch rechneten noch vor Weihnachten 1938 den Abbruch der Synagoge ordentlich mit der Gemeinde ab.
In der Pogromnacht 1938 wurde die Lorscher Synagoge vollständig zerstört. Den Schutt, der von der Synagoge übriggeblieben war, beseitigten im Auftrag der Stadt die "Vereinigten Bauunternehmer Lorsch". Die Rechnung wurde Leopold Oppenheimer zugestellt, der sie bezahlen musste. Das entsprach der nationalsozialistischen Politik: Die jüdische Bevölkerung musste für die ihr in der Pogromnacht zugefügten Schäden selbst aufkommen. Für "die feindliche Haltung des Judentums gegenüber dem deutschen Volk" wurden Jüdinnen und Juden zudem zu einer sogenannten "Sühneleistung", der "Judenvermögensabgabe", herangezogen, die dem "Reich" insgesamt eine Milliarde Reichsmark einbringen sollte. Wie sich anhand der Akten rekonstruieren lässt, zahlte das Ehepaar Oppenheimer rund 6.000 RM für die Judenvermögensabgabe. Die Süddeutsche Bank Bensheim überwies für die Abgabe im Jahr 1939 zu Gunsten des Reichsfinanzministeriums viermal Wertpapiere aus dem Depot der Eheleute an die Preußische Staatsbank (Seehandlung).

Auch der Erlös aus dem Zwangsverkauf eines Grundstücks in Höhe von 1.189 RM wurde für die Bezahlung der Judenvermögensabgabe des Ehepaares verwandt. Im selben Jahr wurde das Paar gezwungen, seinen Schmuck abzuliefern. Die Söhne bezifferten den Wert im Rahmen des "Wiedergutmachungsverfahrens" auf 1.200 RM.
 

Flucht der Söhne, Deportation der Eltern

Dokument: Aus dem Mietenbuch des Finanzamtes Heppenheim zur Karlstraße 1 in Lorsch. In den Zeilen drei und vier ist notiert: "19.11.42 Verkauf von Hausrat" im Wert von 157 und 654 Reichsmark.  (Bild: HR/Hessisches Staatsarchiv Darmstadt)
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Aus dem Mietenbuch des Finanzamtes Heppenheim zur Karlstraße 1 in Lorsch. In den Zeilen drei und vier ist notiert: "19.11.42 Verkauf von Hausrat" im Wert von 157 und 654 Reichsmark.
Ernst, Richard und Alfred Oppenheimer gelang die Flucht aus Deutschland. Sie haben nicht erleben müssen, dass ihr Elternhaus in der Karlstr. 1 zum "Judenhaus" wurde: Hier lebten die Jüdinnen und Juden, die in Lorsch geblieben waren, zwangsweise auf engstem Raum zusammen. 1942 wurden sie deportiert. Das verbliebene Bankguthaben der Familie Oppenheimer "verfiel" dem Reich; in ihr Haus, das nun vom Finanzamt verwaltet wurde, zogen Mieter ein. Die zurückgelassene Habe der letzten Lorscher Juden wurde vom Finanzamt am 19. November 1942 verkauft: Das "Reich" nahm 811 RM ein. An Miete flossen ihm bis zum Kriegsende monatlich rund 85 RM zu.

Leopold und Antonia Rosalie Oppenheimer wurden 1944 in Auschwitz umgebracht.
 

Keine Erstattung in der Nachkriegszeit

Als Alfred Oppenheimer – auch im Namen seiner Brüder – 1950 "Wiedergutmachung" für das seiner Familie angetane Unrecht verlangte, forderte er auch die Erstattung des Betrages, den seine Eltern für das Wegräumen des Schutts der Synagoge bezahlt hatten. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Behörde schrieb: "Die jüdische Gemeinde war Eigentümerin der niedergebrannten Synagoge. Sie wurde deshalb aus dem Gesichtspunkt der Zustandshaftung heraus verpflichtet, für die Enttrümmerung des Synagogengeländes Sorge zu tragen. [...] Den Antragstellern bleibt es unbenommen, sich wegen der anteiligen Kostentragung ihres Vaters an der jüdischen Gemeinde Lorsch schadlos zu halten."

Die regionale Präsentation der Ausstellung in Lorsch wird unterstützt von: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e.V., Auerbacher Synagogenverein e.V., DGB-Ortsverein Bensheim, Evangelisches Dekanat Bergstraße, Forum Kultur Heppenheim e.V., Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V., Goethe-Gymnasium Bensheim, Heimat- und Kulturverein Lorsch e.V., Heppenheimer Geschichtsverein e.V., Landkreis Bergstraße, Martin-Buber-Haus, Sparkasse Bensheim, Sparkasse Starkenburg, Stadt Heppenheim, Stadt Lorsch, Stadtarchiv Heppenheim, Stolpersteine Heppenheim e.V. – Erinnern für die Zukunft

 

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Redaktion: nb
Letzte Aktualisierung: 17.11.2016, 16:15 Uhr
 
 

Information

Legalisierter Raub

Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks. Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministe- riums für Wissenschaft und Kunst.
 

Vorschau

Abschluss in Frankfurt

Die Ausstellung wird - nach 16 Jahren Wanderschaft durch Hessen - zum letzten Mal in Frankfurt präsentiert. Ausstellungsbeginn ist im Februar 2018, Ort ist das bis dahin wiedereröffnete Historische Museum.
 

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