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02.03.2017/hr

„Deutsch ist eine jüdische Sprache“

Gedichte jüdischer Lyrikerinnen und Poeten

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Bildnis Hilde Domin von Ursula Stock (2006)

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Abdruck: honorarfrei
 
Der „Leseschwarm“, das sind sechs Bürgerinnen und Bürger aus Lorsch: Renate Heidler, Heidrun Scheyhing, Alice Schnitzer, Elmar Ullrich, Ursula Ullrich und Walter Wolfgarten. Seit fünf Jahren rezitieren sie an wechselnden Orten und mit großem Zuspruch Gedichte im öffentlichen Raum. Mit dem Programmtitel „Deutsch ist eine jüdische Sprache“ widmet sich die engagierte Gruppe dieses Mal jüdischen Autorinnen und Autoren. Am Mittwoch, 29. März, um 19 Uhr werden unter anderem Gedichte von Mascha Kaléko (1907-1975), Hilde Domin (1909 - 2006) und Rose Ausländer (1901-1988) vorgetragen. Der Eintritt ist frei.

Gemeinsam mit ihrem Freund Erwin Walter Palm reiste Hilde Domin während ihres Studiums nach Italien, wo die beiden 1936 in Rom heirateten. Eine Rückkehr nach Deutschland war seit der „Machtübernahme“ 1933 nicht mehr möglich. Als sich auch in Italien die faschistische Gesetzgebung verschärfte, flohen die jungen Eheleute über England und Kanada in die Dominikanische Republik ins Exil. Nach 22 Jahren kehrte Domin mit ihrem Mann zurück nach Deutschland, wo 1959 ihr erster Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ erschien – es folgten viele weitere. Mit ihrer Lyrik wurde Hilde Domin zu einer der bedeutendsten Nachkriegsautorinnen; sie erhielt zahlreiche Literaturpreise und Auszeichnungen.

Anders als Domin publizierte Mascha Kaléko bereits vor der „Machtergreifung“ erste Gedichte in deutschen Zeitungen. Das „Lyrische Stenogrammheft“ und „Das kleine Lesebuch für Große“, ihre zwei bekanntesten Sammelbände, erschienen kurz darauf 1933 und 1934. Trotz des Erfolgs verließ auch Kaléko Deutschland, als sich die Lage für jüdische Bürger immer weiter zuspitzte. Gemeinsam mit ihrem Mann lebte sie in New York, später in Jerusalem. Mascha Kaléko, die zu den bedeutendsten Autoren der Weimarer Republik zählt, starb 1975 in Zürich.

Die aus Czernowitz stammende Rose Ausländer lebte bereits seit dem Beginn der Zwanzigerjahre in den USA, wo sie mit einigem Erfolg als Schriftstellerin arbeitete. Doch kehrte sie immer wieder in ihre Heimat zurück, das letzte Mal 1939, um ihre schwer erkrankte Mutter zu pflegen. Im Juli 1941, nachdem Ausländer bereits wegen des Verdachts auf Spionage vier Monate vom russischen Inlandsgeheimdienst inhaftiert worden war, besetzten die mit Deutschland verbündeten rumänischen Truppen das Gebiet. Rose Ausländer überlebte das Ghetto von Czernowitz, wo sie 1944 von der Roten Armee befreit wurde.

Die Veranstaltung des Leseschwarms findet statt im Rahmen des Begleitprogramms der Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“, die der Hessische Rundfunk und das Fritz Bauer Institut auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins Lorsch bis zum 14. Mai im Museumszentrum Lorsch präsentieren. Die Ausstellung, deren Entstehung von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wurde, ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Das Anmelde- und Informationstelefon ist unter der Telefonnummer 06251 7079928 erreichbar. Alternativ sind Anmeldungen auch per E-Mail unter a.roos@geo-naturpark.de möglich. Gruppenführungen können zum Preis von 50 Euro gebucht werden.

Zahlreiche Partner unterstützen das Begleitprogramm sowie die regionale Präsentation der Ausstellung im Museumszentrum Lorsch: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge, Auerbacher Synagogenverein, DGB-Ortsverein Bensheim, Evangelisches Dekanat Bergstraße, Forum Kultur Heppenheim e.V., Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger Bensheim, Goethe-Gymnasium Bensheim, Heimat- und Kulturverein Lorsch, Heppenheimer Geschichtsverein e.V., Landkreis Bergstraße, Martin-Buber-Haus, Sparkasse Bensheim, Sparkasse Starkenburg, Stadt Heppenheim, Stadt Lorsch, Stadtarchiv Heppenheim, Stolpersteine Heppenheim e.V. – Erinnern für die Zukunft

Kontakt:

Hessischer Rundfunk
Kommunikation / Ausstellungen
Dr. Bettina Leder-Hindemith
Handy: 0173 / 6557351
E-Mail: Bettina.Leder-Hindemith@hr.de

Ansprechpartner:
Kultur- und Tourismusamt Lorsch
Gabi Dewald
Telefon: 06251 5967-501
E-Mail: g.dewald@lorsch.de

Begleitprogramm und weitere Informationen:
www.fritz-bauer-institut.de
www.legalisierter-raub.hr.de
www.kulturverein-lorsch.de

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