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Waschbär (Bild:  picture-alliance/dpa)

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Themen der Sendung vom 13. August

 

Possierliches Tierchen oder gefährlicher Räuber – Warum der Waschbär auf der Abschussliste steht

Seit einem Jahr darf der Waschbär in Hessen, wenn er im Frühjahr und Sommer seine Jungen aufzieht, nicht gejagt werden. Dagegen gehen die Jäger nun auf die Barrikaden. Sie fordern ein sofortiges Ende dieser Schonzeit und wollen den Waschbären unbedingt wieder ganzjährig schießen. Denn der süße, pelzige Raubsäuger sei mittlerweile eine Plage, gefährde die hessische Tierwelt, weil er seltene Tierarten einfach auffresse. Unterstützt werden die Jäger bei ihrer Forderung von SPD und FDP.

Vogelsberg-Landrat Manfred Görig (SPD) hatte bereits dazu aufgerufen, gefangene Waschbären im Umweltministerium abzuliefern, um Druck auf Ministerin Priska Hinz (Grüne) zu machen. Diese gab den Waschbären jetzt auch prompt zumindest in Teilen der Rhön wieder zum Abschuss frei – trotz Schonfrist. Die Begründung der Ministerin: Der Waschbär müsse gejagt werden, damit er sich nicht länger am Nachwuchs des Birkhuhns und anderer Tiere vergreife. Waschbären abzuschießen, mache alles nur noch schlimmer, sagen dagegen Experten. Sie vermehrten sich dann noch schneller. Dies belegten Studien. Waschbären würden zu Unrecht gemobbt. Den Jägern gehe es nur darum, die ungeliebte Jagdverordnung von Umweltministerin Priska Hinz Stimmung abzuschießen.
 

Übertriebener Brandschutz in Diedenbergen? – Bauaufsicht fordert das Zumauern von Fenstern

Ehepaar Müller aus Hofheim-Diedenbergen ist sauer. Ihr Haus ist dreihundert Jahre alt. Richard Müller wohnt schon sein ganzes Leben darin. Doch jetzt ist ihre Straße plötzlich ins Visier der Bauaufsicht geraten. Die sagt: Der Brandschutz reicht nicht aus, der Abstand der Nachbarhäuser zueinander sei geringer als die geforderten fünf Meter. Familie Müller soll deshalb die Fenster in der Wand zum Nachbarn schließen lassen. Fenster, die es hunderte Jahre in ihrem Fachwerkhaus gibt, ohne dass sie je beanstandet wurden. Unmöglich, finden die Rentner, denn es handelt sich dabei ausgerechnet um die Küchen- und Badezimmerfenster, da müsse man doch lüften können. Doch die Behörde bleibt hart und fordert, dass die Fenster entweder für mehrere tausend Euro ausgetauscht oder zugemauert werden. Das betrifft nicht nur die Müllers, sondern auch mehrere ihrer Nachbarn. Das wollen sich die Anwohner nicht gefallen lassen.

Mittlerweile ist der Fall sogar beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof anhängig. Je nachdem wie der entscheidet, könnte das auch Bedeutung für weitere Fachwerkhäuser in Hessen haben. Denn vielerorts wurden sie eng aneinander gebaut. defacto ist der Sache nachgegangen.
 

Jetzt reicht's – Keine Schiebehilfe für den Rollstuhl

Nach einem Schlaganfall sitzt Chong-Yeul Demuth aus Bad Soden-Salmünster im Rollstuhl. Die 65 Jährige ist linksseitig gelähmt. Ihr Mann Jürgen Demuth ist rund um die Uhr für sie da. Neben der Pflege und der Organisation des Haushaltes fährt Jürgen Demuth sie manchmal spazieren. Das fällt dem 70 Jährigen sehr schwer: Da ihr Haus an einem Hang liegt, muss er den schweren Rollstuhl bergauf schieben. Das ist ihm kaum möglich. Deshalb beantragt er bei seiner privaten Krankenversicherung eine sogenannte elektrische Schiebehilfe. Doch die Kasse lehnt ab. Begründung: Das sei nicht in seinem Tarif mitversichert. Jürgen Demuth bittet defacto um Hilfe.
 

Türkische Konsulate ziehen Pässe ein - Wie Erdogan-Kritiker schikaniert werden

Auch in Deutschland schikaniert der türkische Staat seine Kritiker. In der letzten Zeit werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Konsularbeamte die Pässe von Kurden, Aleviten oder Gülen-Anhängern einkassiert haben. So ist es auch Cem Özer ergangen. Der Familienvater hat einen Termin im türkischen Generalkonsulat, weil er seine Entlassung aus der türkischen Staatsbürgerschaft in die Wege leiten möchte. Die deutschen Behörden haben seinem Antrag auf Einbürgerung zugestimmt. Der Termin ist eigentlich eine reine Formsache. Doch es kommt ganz anders. Auf dem Konsulat wird ihm sein Pass abgenommen und einbehalten ohne Angabe von Gründen. Özer ahnt, dass es daran liegen könne, dass er als Sozialberater in Gülen-nahen Einrichtungen arbeitet. Er hat jetzt ein riesiges Problem. Er kann sich nicht mehr ausweisen, geschweige denn schriftlich belegen, dass ihm der Pass abgenommen wurde. Das ist aber die Voraussetzung dafür, dass ihn die deutschen Behörden einbürgern können.

Auch Deniz Aydin musste Schikanen über sich ergehen lassen: Er ist Deutscher und Alevit. Seine Familie stammt aus der Türkei. Vor einigen Wochen wollte er wie jedes Jahr seine Familie bei Istanbul besuchen. Doch daraus wurde nichts. Am Flughafen wurde er festgehalten, sein Handy konfisziert. Drei Tage saß er in einer Zelle, dann wurde er zurückgeschickt und hat nun lebenslanges Einreiseverbot in die Türkei. Die Begründung: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
 

Nachgehakt: Nach Aus für Kinderhaus Frank - Wie geht es den schwerstbehinderten Kindern?

Vor fünf Monaten haben wir über Paul Hellwig berichtet. Der mehrfach schwerstbehinderte Junge hatte im Kinderhaus Frank in Frankfurt-Sossenheim ein liebevolles Zuhause gefunden. Im Dezember kam dann plötzlich die Hiobsbotschaft: Das Kinderhaus soll schließen und das bereits im März. Der neue Träger versprach eine adäquate Ersatzunterkunft anzubieten. Eine alternative Unterkunft gab es zwar, doch seine Mutter Ellen Hellwig nahm Paul schon nach einem Monat wieder aus dem Heim. Sie hatte den Eindruck, dass Paul nicht gut versorgt ist, die Pfleger überfordert seien mit der neuen Situation. Das wollten wir genauer wissen und haben uns bei den Mitarbeitern umgehört.

Sendung: "defacto", hr-fernsehen, 13. August 2017, 18 Uhr
 

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Redaktion: juvo / sasa
Letzte Aktualisierung: 17.08.2017, 11:10 Uhr
 
 

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