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Proteste gegen Gen-Gerste

Festnahmen auf dem Mini-Feld

Die Fläche bei Gießen ist kaum größer als ein gewöhnlicher Balkon und sorgt trotzdem für Riesenwirbel. Die Proteste gegen die bundesweit erstmals im Freiland gesäte Gen-Gerste reißen nicht ab. Am Freitag wurden sechs Personen bei dem Versuch festgenommen, das Areal zu zerstören.
 

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Das Areal fällt sofort auf wegen seiner eigenartigen Einteilung: 25 Meter breit ist der äußere Rand aus frisch eingesätem Weißklee, dann folgt ein 5 Meter breiter, leerer Streifen. In der Mitte der 400 Quadratmeter großen Fläche wächst ein kleines Gerstenfeld heran, gegen Vögel mit einem grünen Plastiknetz geschützt. Der äußere Rand der Gerste wiederum umgibt das eigentliche Objekt der Forscher vom Institut für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten) und Angewandte Zoologie der Gießener Universität - 9,6 Quadratmeter mit 5.000 gentechnisch veränderten Pflanzen. Es ist in Deutschland das erste Mal, dass sogenannte transgene Gerste im Freiland wächst.
 

Gentechnik-Gegner festgenommen

Seit der Aussaat reißen die Proteste von Gentechnik-Gegnern nicht ab. Am Freitag hat die Polizei sechs Personen festgenommen, die versucht hatten, das Feld zerstören. Sie hätten einige Pflanzen heraus gerissen, hieß es.

Zu Pfingsten sind weitere Demonstrationen, eine Mahnwache und erneut die Zerstörung des Feldes angekündigt. Gegner werfen Institutsleiter Karl-Heinz Kogel vor, mit seiner Forschung zur Legitimation von Gentechnik in Deutschland beizutragen. Dafür hat Kogel kein Verständnis: Der Versuch sei Teil der Biosicherheitsforschung. "Das zu zerstören ist widersinnig."
 

Hühnerfutter und Bierherstellung

Ende April war die transgene Gerste ausgesät worden. Zwei verschiedene Sorten hat Kogel ausgesät: Ein Teil der Pflanzen hat ein fremdes Gen, das sie unempfindlich gegen schädliche Pilze machen soll. Der andere Teil der Pflanzen hat ein zusätzliches Gen eines Bakteriums, das die Qualität der Gerste als Hühnerfutter und bei der Bierherstellung verbessern soll.
 

Keine Gefahr durch Ausbreitung

Information

Bis Mitte August müssen die Gießener Pflanzen durchhalten, dann werden sie aus der Erde genommen, um die Wurzeln zu untersuchen. Der Rest der Pflanzen wird vernichtet. Mit ersten Ergebnissen ist im Herbst zu rechnen.
Kogel will mit dem auf drei Jahre angelegten Versuch herausfinden, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen schädliche Auswirkungen auf das Bodenleben haben. Vor allem interessiert die Forscher, ob nützliche Bodenpilze wie die praktisch überall vorkommenden Mykorrhiza verändert oder zerstört werden. Auf die Proteste, die das Projekt von Anfang an begleitet haben, reagiert Kogel mit Information. Das Versuchsfeld ist gekennzeichnet, Besucher werden bereitwillig hingeführt.

Dass sich die transgene Gerste über das Versuchsfeld hinaus verbreitet, halten die Wissenschaftler für ausgeschlossen. Gerste sei ein "Selbstbestäuber", das heißt, eine Pflanze werde nur von ihrem eigenen Pollen befruchtet.
 
Redaktion: stre / evto
Bild: © dpa
Stand: 02.06.2006
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