In Stadtallendorf hat ein Kommunalpolitiker der Republikaner den "Ehrenbrief des Landes Hessen" erhalten. Vorgeschlagen hatte ihn der dortige Landrat - Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unterschrieb die Auszeichnung.
Manfred Thierau hat die Ehrenurkunden des Landes Hessen und des Landkreises Marburg-Biedenkopf säuberlich gerahmt und im Wohnzimmer aufgehängt. Schließlich bekommt man ja nicht alle Tage eine Auszeichnung des Ministerpräsidenten für die "Verdienste um die Gemeinschaft". Gold-Medaille und Anstecknadel gab es gleich mit dazu. "Ich bin schon stolz auf die Ehrung", sagt Thierau, der seit 13 Jahren für die Republikaner im Stadtparlament sitzt. Die Auszeichnung würdige sein langjähriges kommunalpolitisches Engagement. "Ich will mich da auch bei Ministerpräsident Roland Koch bedanken", sagt er.
Ausgezeichnet: Manfred Thierau
Ehrenbrief des Landes Hessen
"Bürgerinnen und Bürger, die sich in den Hessischen Gemeinden und Landkreisen um die demokratische, soziale und kulturelle Gestaltung unserer Gesellschaft verdient gemacht haben, wird im Namen und im Auftrag des Hessischen Ministerpräsidenten der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen (...)"
Der Ehrenbrief wird von der Landesregierung an Menschen verliehen, die sich um die "demokratische, soziale oder kulturelle Gestaltung unserer Gesellschaft verdient gemacht haben", heißt es beim Innenministerium. Und wie kann ein führendes Mitglied der Republikaner eine solche Auszeichnung erhalten? Immerhin stuft der Verfassungschutz die Partei als rechtsextrem ein. "Die Landräte und Oberbürgermeister nehmen die Auszeichnung vor", erklärt Regierungssprecher Dirk Metz (CDU). Die Landesregierung werde erst im nachhinein informiert, sagt er. Bei rund 1.500 Auszeichnungen könne nicht jeder Fall im Einzelnen geprüft werden.
Der Schuldige ist also der Landrat. Der sitzt im Kreis Marburg-Biedenkopf, zu dem Stadtallendorf gehört und heißt Robert Fischbach. Der Christdemokrat ist allerdings zur Zeit in Urlaub und konnte uns deshalb keine Auskunft geben. Sein Sprecher teilte lediglich mit, alle Kommunalpolitiker bekämen den Ehrenbrief, sie müssten nur lange genug in einem Parlament sitzen. Das nun wiederum hält der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies für absurd. "Ein bisschen mehr Kontrolle wäre schon nicht schlecht", sagt er. Es könne doch nicht sein, dass die Republikaner für ihre rechtsextremistische Politik auch noch Ehrenbriefe bekämen.
Für die Republikaner ein Stein des Anstoßes: Türkische Geschäfte in Stadtallendorf
SPD: "Schwer zu ertragende politische Statements"
Manfred Thierau kann den ganzen Wirbel nicht verstehen. Er sieht sich auch nicht als Extremist. Im Gegenteil: In Stadtallendorf seien die Republikaner schon lange akzeptiert. "Insbesondere mit der CDU ist eine Zusammenarbeit möglich", sagt er. Mit der SPD dagegen sieht er wenig Berührungspunkte. Umgekehrt ist es ähnlich. "Die Republikaner zeigen hier keine Initiative", sagt Werner Hesse, der für die Sozialdemokraten im Stadtparlament sitzt. Die Republikaner beschränkten sich nur darauf "schwer zu ertragende politische Statements abzugeben", sagt Hesse.
Das sieht Thierau natürlich ganz anders. Aus seiner kritischen Haltung gegenüber Ausländern macht er aber keinen Hehl. In Stadtallendorf liegt der Ausländeranteil bei 27 Prozent. Fruchtbarer Boden für die Republikaner. "Wie Sie sehen können, hat sich diese Einkaufsstraße zu einem Ghetto entwickelt", sagt er beim Gang durch Stadtallendorf. "Ich kann es nicht gut heißen, wenn sich hier ein türkisches Geschäft nach dem anderen ansiedelt", meint er.
Thomas Spies weiß, dass viele Protestwähler genauso denken. 7,1 Prozent erhielten die Republikaner bei der letzten Kommunalwahl. Aber: "Es gibt doch einen breiten Konsens in der Gesellschaft was auszeichnungswürdig ist und was nicht. Und das ist es nicht", sagt er.
Das hessenschau-Team besucht in dieser Woche das Dolle Dorf Lehnhausen. Der Ort gehört zu Gemünden (Wohra) im Landkreis Waldeck-Frankenberg.
[Dolles Dorf]