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Unwetter

Lahn-Dill-Kreis im Ausnahmezustand

Schwere Unwetter haben in Teilen Mittelhessens für ein Chaos gesorgt. Besonders betroffen war Dillenburg, wo am Montag Schulen geschlossen und Intensivpatienten des Krankenhauses in Sicherheit gebracht werden mussten. Die Dill stieg in kurzer Zeit von 15 Zentimetern auf 2,74 Meter an.
 

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Nach dem heftigen Regen am Sonntagabend waren die Dill sowie ihre Nebenflüsse Schelde, Dietzhölze und Aar über die Ufer getreten. Nach Behördenangaben kletterte der Wasserstand der Dill innerhalb weniger Stunden auf den höchsten Stand aller Zeiten. Die Perf, ein Nebenfluss der Lahn, führte hundert Mal mehr Wasser als üblich. Der Deutsche Wetterdienst maß in Dillenburg bis Mitternacht 103 Liter Regen pro Quadratmeter – normalerweise seien es im ganzen September etwa 60 Liter.

Die Straßen in Dillenburg und im benachbarten Haiger, sowie die Bundesstraßen 253 und 255 standen bis zu einem halben Meter unter Wasser, etliche Autos schwammen davon, eine Brücke wurde weggerissen. Im Lahn-Dill-Kreis mussten rund 1.000 Keller ausgepumpt werden, auch im Marburger Hinterland waren Einsatzkräfte mit dem Auspumpen dutzender Keller beschäftigt. „Die Menschen sind von den Wassermassen völlig überrascht worden“, sagte Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz.
 

Land unter in Mittelhessen (18.9.2006) 

 
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Leitungswasser soll abgekocht werden

Schwere Unwetter im Lahn-Dill-Kreis (© hessenschau, 18.09.2006)
Besonders schwer traf es die Dillenburger Stadtteile Nieder- und Oberscheld. Diese waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und auch am Montag lange Zeit „noch schwer zugänglich“, wie die Einsatzzentrale des Lahn-Dill-Kreises mitteilte. In beiden Stadtteilen kam es zu Erdrutschen in Wohngebieten. Zudem wurde durch die starken Regenfälle das Trinkwasser verunreinigt. Die Stadtverwaltung rief die Bürger Nieder- und Oberschelds sowie Nanzenbachs dazu auf, Leitungswasser vor dem Trinken mindestens zehn Minuten abzukochen.

Der Sachschaden geht in die Millionenhöhe. Allein in den Dillenburger Lahn-Dill-Kliniken richtete das Hochwasser nach Angaben von Kreisbrandinspektor Rupert Heege einen Schaden in siebenstelliger Höhe an. Im Erdgeschoss des Krankenhauses stand das Wasser fast zwei Meter hoch. „Es wird wohl mehrere Wochen dauern, bis unsere Klinik wieder ihren kompletten Betrieb aufnehmen kann“, sagte Geschäftsführer Richard Kreutzer. In der Nacht war der Ostflügel der Klinik, in dem die Intensivstation untergebracht ist, evakuiert worden. Zwei Patienten wurden in andere Krankenhäuser verlegt, fünf bezogen andere Zimmer in dem Haus.
 

Blitzeinschläge lösen Brände aus

Bis unters Dach versanken zahlreiche Autos in den Fluten. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Bis unters Dach versanken zahlreiche Autos in den Fluten.
Überschwemmt wurde auch ein Dillenburger Industriegebiet, wo sich das Wasser in einigen Betrieben auf einer Höhe von mehr als 50 Zentimetern sammelte. Betroffen war unter anderem das Werk des Edelstahlherstellers Thyssen Krupp Nirosta, in dem 800 Menschen arbeiten. Die Maschinen waren nach Angaben des Unternehmens bereits in der Nacht zum Montag vorsorglich abgeschaltet worden. Wann der Betrieb wieder voll aufgenommen werden kann, war zunächst unklar. Die Feuerwehr schätzte, dass die Abpumparbeiten in den Werkanlagen bis zu zwei Tage dauern könnten.

Nach Blitzeinschlägen kam es zudem zu fünf Gebäudebränden im Lahn-Dill-Kreis. Die Flammen in Haiger, Eschenburg und Dillenburg wurden jedoch laut Feuerwehr schnell gelöscht. Verletzt wurde bei den Feuern niemand. Das Unwetter hatte am Sonntagabend gegen 19 Uhr begonnen und etwa vier Stunden lang angedauert. In der Nacht zum Montag beruhigte sich die Lage und die Aufräumarbeiten konnten beginnen. Rund 2.000 Einsatzkräfte waren im Einsatz.
 

Landesregierung sagt Hilfe zu

Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) sagte den betroffenen Gebieten Hilfe zu. „Das Land Hessen wird helfen, wie konkret ist noch nicht zu sagen.“ Es müsse zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht werden, sagte der Minister, der sich zuvor per Hubschrauber ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet gemacht hatte.
 
Redaktion: rame / end
Bilder: © picture-alliance/dpa (2)
Stand: 18.09.2006
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