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Wertvolle Sammlung

Die Briefmarken des "Nazi-Jägers"

Am Anfang diente Simon Wiesenthal das Briefmarkensammeln als Mittel gegen schlaflose Nächte. Dann wurde es zur Leidenschaft. Am Mittwoch wurde seine Sammlung versteigert – und erzielte einen beeindruckenden Erlös.
 

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Mit einem Gesamtzuschlag von fast 800.000 Euro war sie Sammlern aus aller Welt mehr als doppelt so viel wert als der Taxwert von 350.000 Euro. Rund 60 Bieter aus ganz Europa waren zu der Auktion in Wiesbaden angereist. Viele von ihnen vertraten gleich mehrere Sammler. Für sie standen jedoch nicht der prominente Philatelist Simon Wiesenthal im Mittelpunkt, sondern die zum Teil sehr seltenen Stücke aus osteuropäischen Ländern.

Der im September 2005 im Alter von 96 Jahren gestorbene Wiesenthal hatte sich vor allem auf Briefmarken aus seiner Heimat Galizien konzentriert, jener Gegend in der heutigen Ukraine, in der abwechselnd Polen, Russland oder Österreich-Ungarn herrschten. Ein weiterer Schwerpunkt waren Briefmarken aus Wiesenthal. Der Holocaust-Überlebende sammelte Briefmarken, die etwa im böhmischen Wiesenthal abgestempelt waren oder Postkarten aus dem gleichnamigen badischen Ort.
 

„Hitler hinter Gittern“ bringt 5.400 Euro

Zur Sammlung des als „Nazi-Jäger“ bekannt gewordenen Wiesenthal zählten auch Briefmarken aus der Zeit des Nationalsozialismus, die nach Kriegsende in Österreich verwendet wurden. Darunter diejenigen, die wegen des Streifenaufdrucks als „Hitler hinter Gittern“ bekannt waren. Sie wurden für 5.400 Euro versteigert.

Den höchsten Einzelpreis erzielte jedoch ein seltener Brief aus China, der für 41.000 Euro seinen neuen Besitzer fand. Spannende Bieterschlachten gab es auch für Briefe und Stempel aus Wiesenthals galizischer Heimat sowie aus Ungarn, Polen und Russland. Für die russische oder die polnische Wiesenthal-Sammlung bekamen zwei zahlungskräftige Briefmarkenfreunde mit 53.000 beziehungsweise 58.000 Euro den Zuschlag.
 

Vor der Wahl: Medikamente oder ein Hobby

Wiesenthal hatte zu Beginn der Fünfziger Jahre mit dem Briefmarkensammeln begonnen. Der osteuropäische Jude hatte zwölf Konzentrationslager überlebt und litt wegen der Erinnerung an das Erlebte unter Schlafstörungen. Als Wiesenthal daher einen Arzt aufsuchte, stellte der ihn vor die Wahl: Medikamente oder ein Hobby. Wiesenthal entschied sich für das Hobby, das zu einer Leidenschaft wurde.

Noch zu Lebzeiten hatte Wiesenthal das Wiesbadener Auktionshaus Köhler für die Versteigerung seiner Briefmarken ausgewählt. Der Respekt, mit dem das nach eigenen Angaben älteste Briefmarkenauktionshaus Deutschland die Versteigerung der Sammlung des US-amerikanischen Industriellen John R. Broker abgewickelt habe, sei dem begeisterten Philatelisten Wiesenthal aufgefallen, sagte Karl Louis von Köhler. Der Versteigerungserlös ging an Wiesenthals Tochter, die in den Vereinigten Staaten lebt.
 

Der „Nazi-Jäger“ Simon Wiesenthal

Simon Wiesenthal wurde weltweit als „Nazi-Jäger“ bekannt. Er spürte noch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Nazi-Verbrecher in aller Welt auf. Zudem baute Wiesenthal ein Dokumentationszentrum zur Sammlung von Unterlagen über das Schicksal von Juden und ihren Verfolgern während der NS-Herrschaft auf.

Angeblich hat das Briefmarkensammeln auch die Grundlage für Wiesenthals größten Coup bei der Suche nach den Verantwortlichen des Holocaust gelegt: Ein anderer Sammler soll Wiesenthal einen Brief aus Argentinien gezeigt haben, an dem nicht nur die aufgeklebten Marken interessant waren. In dem Schreiben berichtete ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, er kenne den Aufenthaltsort Adolf Eichmanns in der Nähe von Buenos Aires.

Eichmann hatte als Leiter des „Judenreferats“ im nationalsozialistischen Reichssicherheitshauptamt maßgeblichen Anteil an der Ermordung der europäischen Juden. Einige Jahre nachdem Eichmanns Aufenthaltsort in Südamerika bekannt wurde, ergriff ihn der israelische Geheimdienst Mossad und brachte Eichmann 1960 nach Israel. Dort wurde er zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.
 
Redaktion: woje / jaar
Bild: © picture-alliance/dpa
Stand: 27.09.2006
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