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Erbach-Michelstadt

Städte-Hochzeit geplatzt

Die Fusion der beiden Odenwald-Städte Erbach und Michelstadt ist gescheitert. In einem Bürgerentscheid stimmte eine klare Mehrheit am Sonntag gegen den geplanten Zusammenschluss.
 

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11.11.2007, 12:12 Uhr
Einhellig lehnten die Bürger beider Städte die Fusion zum 1. Januar 2009 ab. Nach dem vorläufigen Endergebnis votierten in Michelstadt 54,9 Prozent der Wähler gegen den Zusammenschluss. 45,1 Prozent waren dafür. In der Kreisstadt Erbach lehnten 52,2 Prozent der Wähler den Plan ab, 47,8 Prozent folgten ihrem Bürgermeister. Die Wahlbeteiligung lag bei 53 Prozent in Michelstadt und 49,4 Prozent in Erbach. Damit ist ein in Hessen bislang einmaliger Plan zur freiwilligen Vereinigung zweier Städte am Willen der Bürger gescheitert.

Die Bürgermeister Harald Buschmann (CDU, Erbach) und Reinhold Ruhr (Überparteiliche Wählergemeinschaft ÜWG, Michelstadt) hatten beide Stadtparlamente im Sommer von ihrem Fusionsplan überzeugen können. Im Juli billigten die Stadtverordneten von Michelstadt den Vorstoß einstimmig. Auch die Erbacher Stadtverordneten stimmten dem Plan mit 18 Ja- und 11 Nein-Stimmen zu. Ziele der freiwilligen Städte-Ehe waren vor allem Kosteneinsparungen und das größere politische Gewicht einer Stadt mit dann 31.000 Einwohnern. Dies verhinderten nun die Bürger.
 

Bürgerinitiative begrüßt Ergebnis

Den Bürgerentscheid hatten Initiativen erwirkt, die vor allem den engen Zeitrahmen bis 2009 kritisieren. Die Fusion der Nachbarn sollte aber nicht grundsätzlich verhindert werden, sagte die Michelstädter Initiatorin des Bürgerentscheids, Patricia van Meulebroeck, am Sonntag. "Wir stellen uns vor allem gegen den Zeitplan und dagegen, dass keine Daten und Fakten vorgelegt wurden." Bislang sei kein Nachweis erbracht worden, dass ein Zusammenschluss dem Wohl der Gemeinden diene. Van Meulebroeck sagte, sie sei froh, dass sich die Bürger beider Städte gegen das Projekt ausgesprochen hätten.
 
Video: Judith Lannert, Landtagsabgeordnete der CDU, zur gescheiterten Fusion. 2:52 Min
(© Hessischer Rundfunk 2007, 19.11.2007)
Erbachs Bürgermeister Buschmann machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. "Mit Angst kann man die Leute doch mehr beeindrucken als mit optimistischem, positivem Denken." Er glaube nicht, dass in absehbarer Zukunft ein neuer Versuch zum Zusammenschluss gestartet werde. "Solche Chancen kommen normalerweise nur alle paar Jahrzehnte." Auch sein Mitstreiter Ruhr war enttäuscht. "Die erhofften Synergien der Fusion werden sich jetzt nicht einstellen. Das bezahlen unsere Kinder", so Ruhr.
 
Redaktion: kim / kahu
Letzte Aktualisierung: 8.08.2008, 14:32 Uhr
 
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