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25.03.2009

Die Dreharbeiten in der Serengeti

„Da ist ein Löwe in der Küche“

Filmemacher Vita und Rolf Köster (Bild: R. Köster)
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Tierfilmer Vita und Rolf Köster
Rolf und Vita Köster aus Heidenrod verbringen viel Zeit in Afrika und halten mit ihren Kameras Momente fest, die sie mit Wildtieren und der Natur erleben. Das ist nicht immer ungefährlich, haben sie hr-online erzählt.
 

hr-online: Warum sind Sie dazu gekommen, Tierfilme zu drehen?

Rolf Köster: Die Idee ist gewachsen und kam nicht von Heute auf morgen. Wir waren oft in Afrika und haben unsere Liebe zu dem Kontinent entdeckt. Afrika ist wie ein Droge – entweder bleibt man oder man geht nie mehr wieder hin. Im südlichen Afrika gibt es viele Wildtiere. Dort trifft man in vielen Bereichen noch auf eine komplette und intakte Natur. Das ist die Faszination: Das Zusammenspiel der Natur, der Tiere und der Elemente. Wenn man einem Löwen aus drei, vier Metern Entfernung aus einem offenen Auto in die Augen schauen kann, ist das schon faszinierend. Und gefilmt haben wir schon ein Leben lang, meine Frau ist aus einer professionellen Fotografen- Familie und so hat sich das mit den Tierfilmen ergeben.
 

In welchem Zeitraum ist „Die größte Tierwanderung der Welt – Mit den Gnus durch die Serengeti“ entstanden?

Rolf Köster: Wir waren 13 Wochen unterwegs und wir hatten ca. 60 Stunden Filmmaterial zusammen bekommen. Wir waren an drei verschiedenen Stellen in der Serengeti. Die Gnus wandern ja etwa 800 Kilometer pro Jahr, immer dem Regen nach. Und sie müssen durch Flüsse hindurch und dort passiert natürlich einiges. Da haben wir uns speziell aufgehalten. Aber wir sind auch hinterhergefahren. Dort wo sie ihre Jungen bekommen sind wir ihnen auch gefolgt. Gnus sind unglaublich scheu und wir hatten großes Glück, auch Geburten zu sehen.

War es schwierig, nah an die Herde ran zu kommen?

Rolf Köster: Wir haben uns nicht ran gepirscht, sondern die Gnus sind zu uns gekommen. Das ist einfach eine Frage der Zeit. Wir haben uns hingestellt und zuerst sind die Gnus geflüchtet. Sie sind dann aber wieder gekommen. Und weil wir Zeit hatten, haben sie sich an uns gewöhnt.
 

Die Gnus durchqueren einen Fluß (Bild: R. Köster)
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Die Gnus durchqueren einen Fluß
Woher wussten Sie denn, wann die Gnus an einer bestimmten Stelle auftauchen?

Vita Köster: Das ist eigentlich jahrelange Erfahrung. Wir fahren ja schon lange nach Afrika und beobachten dort Tiere. Da lernt man natürlich auch das Verhalten der Tiere kennen. Wir haben einfach realisiert, dass man stundenlang irgendwo stehen kann und es passiert nichts. Und auf einmal geht so richtig der Teufel los, dann tauchen alle möglichen Tiere auf. Die haben sich dann an das Auto und uns gewöhnt. Da muss man ganz leise sein. Und dann kommen sie. Diese Schnittstellen, an denen wir auf die Tiere warten, sind zum Teil alte Tierwanderwege. Die benutzen sie natürlich nicht nach Plan. Also weiß man vorher nie, ob sie an der Stelle vorbeikommen oder nicht. Aber unser Guide hatte eben eine unheimlich Nase. Der sieht in der Ferne irgendwelche Staubwolken, der bemerkt die Windrichtung und er weiß: Die müssen jetzt irgendwann zum Trinken und da hatten wir richtig Glück gehabt, dass wir an den richtigen Stellen standen.

Wie haben sie die Nahaufnahmen gedreht?

Rolf Köster : Erst mal haben wir ein sehr gutes Teleobjektiv. Das holt die Tiere schon recht nah heran. Wenn sie 100, 120 Meter weit weg stehen, holt das die Tiere so nah heran, als wenn sie fünf, sechs Meter von Ihnen entfernt stehen würden. Nach Geburten bleiben die Mütter zum Beispiel bei ihren Kälbern und dann kommt man, wenn man sich vernünftig bewegt und nicht hektisch oder schnell ist, sehr nah an die Tiere heran. So auf 50 Meter.
 

Am Schnittplatz in Heidenrod (Bild:  hr-online)
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Am Schnittplatz in Heidenrod
Wie sah ein typischer Drehtag aus?

Rolf Köster: Um vier, halb fünf sind wir aufgestanden - noch vor dem Sonnenaufgang. Dann sind wir 15, 20 Kilometer mit dem Auto über Schotterpisten und Wiesen gefahren und haben die Natur beobachtet – Was tut sich? Wo sind diese weit sichtbaren Staubwolken? Dort nähern sich dann Herden und da mussten wir dann hin. Das war so ein tägliches Abtasten, wo die Tiere sind.

Vita Köster: Es ist morgens oft sehr kalt, um die Null Grad. Ich habe dann alles angezogen, was ich mit hatte, so dass nur das Gesicht raus geguckt hat. Und dann im Laufe des Vormittags hat man dann 30, 35 Grad und man zieht sich nach und nach wieder aus. Nebenbei hat man natürlich auch mal Hunger und braucht ein bisschen Energie. Und da war es oft so, dass wir ein Lunchpaket mitgenommen hatten. Und gerade, wenn wir das im Auto so´n bisschen ausgebreitet hatten, dann sahen wir auf einmal die Staubwolke, wie die sich verändert hatte. Dann sagte der Guide: „Wir müssen los. Wir müssen vor denen da sein“. Und dann wurde ruck zuck alles wieder in die Kiste reingeworfen und es ging im Rasetempo woanders hin, um vor den Gnus da zu sein.

Rolf Köster: Ab sechs Uhr Abends ist es dann dunkel. Dann wurde gegrillt, die Kamera geputzt, Filmmaterial angeguckt und dann ging´s um acht Uhr wieder ins Bett ins Zelt.
 

Noch ruhen sich die Löwenbrüder aus (Bild: R. Köster)
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Noch ruhen sich die Löwenbrüder aus
Gab es gefährliche Momente?

Rolf Köster: Ich erinnere mich sehr gut an eine Nacht, als wir am Lagerfeuer saßen und ein Koch kam und sagte: „There is a Lion in the kitchen“ – „Da ist ein Löwe in der Küche“. Wir waren dann natürlich ein bisschen unruhig - es war ja dunkel. Dann waren tatsächlich in der Nacht zwei Löwen direkt an unserem Zelt. Wir haben sie atmen gehört. Direkt neben unserem Zelt. Für mich war das eine ganz harte Situation.

Vita Köster: Die atmen ja dann sehr schwer und man liegt da in seinem Bettchen und nur die Zeltwand ist dazwischen. Und dann hat sich einer dieser Löwenbrüder entfernt und sie haben sich unterhalten. Das geht durch Mark und Bein. Es ging dann hin und her, bis der zweite Löwe an unserem Zelt aufstand und davon trottete. Das war schon sehr aufregend.

Rolf Köster: Mein Frau wollte den Ton aufnehmen und ich hab nur geflüstert: „Du bleibst liegen, du bleibst ganz ruhig im Bett liegen“. Weil keiner weiß, was die sich einfallen lassen. Das ist das Problem.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie Tiere gefilmt haben, die in Not waren oder sogar zu Opfern von Feinden wurden?

Vita Köster: Man hat eigentlich immer das Bedürfnis einzugreifen, aber es ist ein Gesetz des Nationalparks, dass man nicht eingreifen darf. Und man wüsste ja auch gar nicht, wie man helfen sollte. Weil es ja keinen Zoo oder Tierarzt gibt, wo man das Tier eventuell hinbringen könnte. Also muss man es einfach in der Natur belassen.
Es gibt Situationen, in denen die Guides schon mal helfen, da darf dann aber kein Ranger in der Nähe sein. Und zwar bleiben die Gnus manchmal im Schlamm der Flüsse stecken und sie würden über Tage hinweg qualvoll sterben. Deshalb organisieren die Guides irgendwo einen LKW und Stricke und ziehen die Gnus da raus. Ansonsten darf man nicht eingreifen, wenn zum Beispiel ein Kälbchen zurück bleibt. Da schafft die Kamera eine Distanz. Ich schalte hinter der Kamera ab und filme einfach. Ich sehe die Szenen zwar ablaufen, aber ich schaffe es, mich da raus zu halten. Ich fange aber zeitweise an zu zittern und bin sehr aufgeregt. Es ist schon sehr emotional. Was ganz viel ausmacht sind natürlich die Hilfeschreie dieser kleinen Wesen. Und ab und zu fließen bei mir auch Tränen.

Rolf Köster: Obwohl man sagen muss, im Laufe der Wochen gewöhnt man sich an diese Szenen. Man muss immer davon ausgehen, dass das eine Einrichtung der Natur ist. Und die Natur ist halt perfekt und der Mensch macht sie eher schlechter als besser mit all den Maßnahmen. Und deswegen sollte man sie sich selbst überlassen.

Das Gespräch führte Franziska Klemm.
 
Redaktion: frkl
Bilder: © hr-online (1), © R. Köster (3)
Letzte Aktualisierung: 26.03.2009, 17:34 Uhr
 

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Tipp

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Hier finden Sie aktuelle Projekte und Infos über Rolf und Vita Köster: www.roro-film.de.
 
 
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