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Karussell (Bild:  colourbox.com)
 

Schwindel hat viele Ursachen

Lagerungsschwindel
Er zählt zu den häufigsten Schwindelerkrankungen, der typischerweise nur dann auftritt, wenn man den Kopf bewegt, vor allem bei schnellen Kopfbewegungen. Er tritt häufiger mit zunehmendem Alter auf, denn er wird durch bewegliche Gewebeteilchen im hinteren Bogengang des Gleichgewichtsorgans verursacht. Ärzte sprechen dann oft auch von Steinchen oder Kristallen, die im Bogengang herum kullern, und so die Wahrnehmung stören. Oft verspüren die Betroffenen gleichzeitig auch Übelkeit und Erbrechen.

Wegweisend für einen Lagerungsschwindel sind:
  • Schwindel setzt mit einigen Sekunden Verzögerung nach einer Kopfbewegung ein

  • Setzt der Schwindel ein, und man hält den Kopf dann ruhig, sollte er nach ca. 30 Sek wieder abgeklungen sein (dann haben sich die Gewebeteilchen wieder am Boden abgesetzt)

  • Ruckartige Augenbewegungen während der Schwindelattacke (so genannter Nystagmus, sieht ähnlich aus, als würde man aus einem fahrenden Zug schauen)


Der Lagerungsschwindel ist eine gutartige und gut behandelbare Erkrankung. Der Arzt zeigt dem Betroffenen ganz bestimmte Lagerungsübungen, deren Ziel es ist, die Gewebeteilchen, also die "kullernden Kristalle", aus dem Bogengang zu entfernen. Die so genannte Wurftechnik (im Fachausdruck Epley-Manöver) ist die einzige Möglichkeit zur Behandlung, Tabletten oder Infusionen können nur die Schwindelsymptome lindern, nicht aber die Ursache (die kullernden Gewebeteilchen) beseitigen. Der Lagerungsschwindel kann immer wieder auftreten, denn die Gewebeteilchen bleiben ja im Bogengang und können immer wieder in die mit Sinneszellen ausgestatteten Bereiche rollen. Deshalb erlernt der Patient auch die Technik und sollte bestimmte Übungen auch in den schwindelfreien Zeiten weiter durchführen.
 
Zentraler Lageschwindel
Hier liegt das Problem nicht im Gleichgewichtsorgan, sondern im Gleichgewichtszentrum des Hirnstamms oder im Kleinhirn. Beispielsweise als Folge von Hirnblutungen, eines Schlaganfalles, eines Tumors oder einer Multiplen Sklerose. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuronitis vestibularis)
Akut einsetzender, sehr unangenehmer und heftiger Dauerdrehschwindel, der über Tage anhält. Zusätzlich Übelkeit und Erbrechen, Schweißausbrüche, das Gesicht des Betroffenen ist bleich, er fühlt sich richtig krank. Sehr unsicherer Gang mit Fallneigung zur betroffenen Seite. Verursacht wird die Krankheit durch eine Verletzung oder Entzündung des Gleichgewichtsnervs, beispielsweise durch Herpes-, Grippe- oder Masernviren. Oder durch eine Durchblutungsstörung des Innenohrs. Gelegentlich kann die Entzündung aber auch als Folge einer ganz banalen Erkältung der oberen Atemwege auftreten. In der Regel bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage und klingen meist nach zwei bis drei Wochen vollständig ab. Die Therapie mit Kortison kann den Heilungsverlauf beschleunigen. Zusätzlich sollte ein Gleichgewichtstraining begonnen werden.
 

Kontakt

Adressen:

Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 14
10117 Berlin
Tel.: 030/ 531 437 930
Fax: 030/ 531 437 939
Mail: info@dgn.org
Internet: www.dgn.org

Deutsche Klinik für Diagnostik
Schwindelambulanz d. Abteilung Neurologie
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden
Mail: neuro@dkd-wiesbaden.de
Internet: www.dkd-wiesbaden.de

Schwindelambulanz der Neurologischen
Klinik der Johannes Gutenberg Universität Mainz
Langenbeckstraße 1 (Gebäude 701)
55101 Mainz
Tel.: 06131/ 17 31 10
Internet: www-klinik.uni-mainz.de/Neurologie

Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Postfach 210351
42353 Wuppertal
Tel.: 0202/ 24 65 2-0 (Zentrale)
Fax: 0202/ 24 65 2-20
Mail: dtl@tinnitus-liga.de
Internet: www.tinnitus-liga.de
Menière´sches Syndrom
Sammelbegriff für spontane Drehschwindelattacken, die von einer Hörminderung, einem Tinnitus und Völlegefühl im Ohr begleitet werden. Beim eigentlichen Morbus Menière liegt eine Vermehrung der Flüssigkeit im Innenohr vor (so genannter endolymphatischer Hydrops, betroffen sind Bogengänge und Hörschnecke). In den meisten Fällen bleibt unklar, warum die Zellen übermäßig viel Lymphe produzieren, ansonsten kann die Krankheit nach Verletzungen oder Operationen des Innenohrs auftreten. Oder nach Virusinfektionen wie Masern oder Mumps und selten als Spätfolge einer Syphilis. Eine einheitliche Behandlung gibt es derzeit nicht, neben Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen im akuten Anfall kommen Kortison, aber auch entwässernde Substanzen zum Einsatz. Wer erkrankt ist, sollte Koffein, Zigaretten und Aspirin meiden, und weniger Salz beim Kochen verwenden.

Schwindel und Ohnmacht durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Neben zu niedrigem und zu hohem Blutdruck können Herzrhythmusstörungen die Ursache von Ohnmachtsanfällen (so genannten Synkopen) sein. Häufig ist auch eine Sinusknotenerkrankung (so genanntes Sick-Sinus-Syndrom). Betroffen sind meist Menschen über 50, bei denen der Taktgeber des Herzens, der Sinusknoten im rechten Herzvorhof, nicht mehr richtig arbeitet. Dadurch ist die Weiterleitung der elektrischen Herzerregung gestört, es kommt zu Pausen in der Herzaktion, das Herz "setzt aus". Nachweisen lassen sich diese Pausen im Ruhe- oder Belastungs-EKG, in manchen Fällen ist eine intensivere kardiologische Diagnostik nötig. Der Patient ist vor allem gefährdet, bei einer solchen Ohnmacht zu stürzen und sich dabei erheblich zu verletzen. Deshalb wird dann meist ein Schrittmacher eingesetzt, der im Falle einer Pause in der Herzaktion einspringt und die Lücke überbrückt, wodurch das Gehirn immer ausreichend durchblutet wird.
 
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Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 29.06.2012, 8:12 Uhr
 
 

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