Therapie
Von dem Augenblick an, in dem die Beschwerden auftreten, läuft die Uhr. Die verbleibende Zeit, um mit einem speziellen Medikament das Gerinnsel wieder aufzulösen (so genannte Thrombolyse) beträgt drei Stunden! In dieser Zeit muss der Patient in die Klinik kommen, muss dort mit CT oder MRT eine Blutung ausgeschlossen werden, müssen Blutgerinnung und andere Blutwerte kontrolliert werden, und muss der Arzt nachfragen, ob so genannte Kontraindikationen bestehen. Beispielsweise wenn der Betroffene vor kurzem operiert wurde, er einen Unfall hatte, angeborene Blutgerinnungsstörungen bestehen. Denn weil durch das Medikament die Blutgerinnung im gesamten Körper herab gesetzt wird, könnte beispielsweise kurz nach einer Operation eine Wunde wieder anfangen zu bluten.
Bei zu ausgedehnten Hirninfarkten oder wenn der Beschwerdebeginn nicht mehr genau zeitlich festgestellt werden kann, ist das Risiko für Komplikationen durch die Thrombolyse größer als der Nutzen für den Patienten. Es kommt dann überdurchschnittlich oft zu einer Hirnblutung mit schlechterer Prognose für den Patienten. Auch wenn die Lysetherapie nicht möglich ist, profitiert der Patient durch die intensive und engmaschige Überwachung und Therapie auf einer Stroke Unit. Ebenfalls wichtig sind frühe Rehabilitationsmaßnahmen mit Physio- und Ergotherapie, Logopädie etc. Bis zu zwei Jahre nach dem Schlaganfall sind neurologische Besserungen möglich, allerdings setzt das intensive Rehabilitationsmaßnahmen über diese Zeit voraus.
Weitere und neue Behandlungsmöglichkeiten
Unter Umständen muss der Betroffene künstlich beatmet werden, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Gehirns zu gewährleisten. Weil das Gehirn in der Folge oft anschwillt, wird der Hirndruck durch Medikamente gesenkt. Eine künstlich herbeigeführte Absenkung der Körpertemperatur kann vor allem die Folgeschäden im Gehirn (sekundäre Schäden, s. o.) verkleinern oder verhindern. Diese so genannte Hypothermie-Behandlung wird heute deshalb immer häufiger in den Stroke Units eingesetzt. In ausgewählten Fällen, bei Hirnödem, also starker Schwellung und damit Anstieg des Hirndruckes, kann das Gehirn durch eine Operation entlastet werden (so genannte Hemikraniektomie). Dabei wird der Schädelknochen der betroffenen Seite entfernt und so eine Druckentlastung des Gehirns erreicht. Der Knochen kann später wieder eingesetzt werden.