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Symbolbild Männchen mit roten Kreuz (Bild:  colourbox.com)
 
Therapie
Von dem Augenblick an, in dem die Beschwerden auftreten, läuft die Uhr. Die verbleibende Zeit, um mit einem speziellen Medikament das Gerinnsel wieder aufzulösen (so genannte Thrombolyse) beträgt drei Stunden! In dieser Zeit muss der Patient in die Klinik kommen, muss dort mit CT oder MRT eine Blutung ausgeschlossen werden, müssen Blutgerinnung und andere Blutwerte kontrolliert werden, und muss der Arzt nachfragen, ob so genannte Kontraindikationen bestehen. Beispielsweise wenn der Betroffene vor kurzem operiert wurde, er einen Unfall hatte, angeborene Blutgerinnungsstörungen bestehen. Denn weil durch das Medikament die Blutgerinnung im gesamten Körper herab gesetzt wird, könnte beispielsweise kurz nach einer Operation eine Wunde wieder anfangen zu bluten.

Bei zu ausgedehnten Hirninfarkten oder wenn der Beschwerdebeginn nicht mehr genau zeitlich festgestellt werden kann, ist das Risiko für Komplikationen durch die Thrombolyse größer als der Nutzen für den Patienten. Es kommt dann überdurchschnittlich oft zu einer Hirnblutung mit schlechterer Prognose für den Patienten. Auch wenn die Lysetherapie nicht möglich ist, profitiert der Patient durch die intensive und engmaschige Überwachung und Therapie auf einer Stroke Unit. Ebenfalls wichtig sind frühe Rehabilitationsmaßnahmen mit Physio- und Ergotherapie, Logopädie etc. Bis zu zwei Jahre nach dem Schlaganfall sind neurologische Besserungen möglich, allerdings setzt das intensive Rehabilitationsmaßnahmen über diese Zeit voraus.

Weitere und neue Behandlungsmöglichkeiten
Unter Umständen muss der Betroffene künstlich beatmet werden, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Gehirns zu gewährleisten. Weil das Gehirn in der Folge oft anschwillt, wird der Hirndruck durch Medikamente gesenkt. Eine künstlich herbeigeführte Absenkung der Körpertemperatur kann vor allem die Folgeschäden im Gehirn (sekundäre Schäden, s. o.) verkleinern oder verhindern. Diese so genannte Hypothermie-Behandlung wird heute deshalb immer häufiger in den Stroke Units eingesetzt. In ausgewählten Fällen, bei Hirnödem, also starker Schwellung und damit Anstieg des Hirndruckes, kann das Gehirn durch eine Operation entlastet werden (so genannte Hemikraniektomie). Dabei wird der Schädelknochen der betroffenen Seite entfernt und so eine Druckentlastung des Gehirns erreicht. Der Knochen kann später wieder eingesetzt werden.
 
Was wird bei der Hypothermie-Behandlung gemacht?
Ab einer Körperkerntemperatur von 34°C arbeitet das Gehirn auf Sparflamme, eine milde Hypothermie (Körperkerntemperatur etwa 33°C) hat insbesondere bei Versorgungsmängeln im Gehirn einen schützenden Effekt auf die Nervenzellen. Deshalb wird die milde Hypothermie seit November 2005 beispielsweise weltweit von den Fachgesellschaften für Patienten nach Herzstillstand und Wiederbelebung empfohlen. Nahezu alle Untersuchungsergebnisse bestätigen den positiven Effekt der milden Hypothermie, die Hirnzellen erholten sich besser vom Sauerstoffmangel.

Ganz ähnliche Ergebnisse fanden die Wissenschaftler bei Patienten mit einem ausgedehnten Hirninfarkt. Im Vergleich erhöhte sich bei gekühlten Patienten die Überlebensrate bei bestimmten Formen des Schlaganfalles um 50 Prozent. Gekühlt wird mit Kältedecken, kalten Infusionen, Eisspülungen des Magens oder durch eine Kühlsonde, die in einer zentralen Vene platziert wird (bspw. über die Leistenvene in der unteren Hohlvene, sie enthält Ballons, in denen eine gekühlte Lösung zirkuliert, die Ballons kühlen das vorbei strömende Blut). Der Zielwert ist eine Körpertemperatur von 32 - 34 °C. Die Behandlung ist nur auf einer entsprechend ausgerüsteten Intensivstation möglich. Da das Kältezittern und die Bewusstseinsstörungen sehr unangenehm für den Patienten sind, wird der Patient dafür in ein "künstliches Koma" versetzt.

Autorin: Eva Maria Siefert
 

Schöner Urlaub - im Notfall gut versorgt

Wellen, Wind und Meer. Für Gerd K. ist es nicht selbstverständlich, wieder am Strand von Borkum spazieren zu gehen. Fast genau vor zwei Jahren schwebte er auf der Insel in Lebensgefahr. "Ich hatte Schwindel. Ich konnte oben und unten nicht mehr unterscheiden. Ich hatte einfach mein rechtes Bein und meinen rechten Arm nicht mehr richtig unter Kontrolle."

Das sind Anzeichen für einen schweren Schlaganfall. Doch der diensthabende Inselarzt erkennt die Gefahr nicht. Erst am dritten Tag wird er zu einer Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, auf das Festland geflogen.

Dr. Matthias Hoffmann behandelt in Husum oft Notfallpatienten von den Inseln. Für ihn ist die Geschichte von Gerd K. kein Einzelfall. "Das Problem auf den Inseln ist häufig, dass die Notärzte zum einen nicht über so viel Erfahrung verfügen können, weil die Anzahl der Notfälle geringer ist als auf dem Festland. Außerdem ist der Notarzt auf der Insel kein hauptberuflicher Notarzt ist, wie auf dem Festland, wo Fachärzte für Anästhesie und Notfallmedizin die Notversorgung übernehmen."

Deshalb wundert sich Dr. Matthias Hoffmann, warum sich einige Menschen trotz schwerer gesundheitlicher Probleme auf eine Insel trauen. Woran viele nämlich nicht denken: Im Notfall kann der Weg von der Insel in eine Spezialklinik lange dauern. Normalerweise wird ein Rettungshubschrauber gerufen. Doch die Luftretter können schnelle Hilfe nicht immer garantieren.

Christoph Maier, Pilot bei der Luftrettung, erklärt, dass der Hubschrauber nicht in jeder Situation fliegen kann, z. B. bei Nebel oder Eisregen. Wenn der Rettungshubschrauber nicht verfügbar ist, werden die Patienten mit einem Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger oder mit der Fähre zum Festland gebracht. Doch bei einigen Inseln ist diese Verbindung tideabhängig. Bei Ebbe kann sich eine Rettung verzögern.
 
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Redaktion: anfi
Letzte Aktualisierung: 27.07.2012, 8:43 Uhr
 
 

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