Alles dreht sich, man glaubt zu fallen und der Magen rumort wie während einer Schiffstour bei stürmischer See: Schwindelgeplagte müssen oft jahrelang auf eine Diagnose oder gar eine wirksame Hilfe warten.
Dr. med. Sebastian von Stuckrad-Barre, Facharzt für Neurologie
Wer von Schwindelattacken betroffen ist, reagiert oft stark verunsichert und traut sich kaum noch aus dem Haus. Die Ursachen für Schwindel sind vielfältig. Sehstörungen, Erkrankungen des Innenohres oder des Herz-Kreislauf-Systems, Stoffwechsel-Erkrankungen oder psychische Belastungen sind nur einige der möglichen Auslöser. Wichtig ist die genaue Diagnose, denn jede Schwindelart verlangt nach der für sie passenden Behandlungsmethode.
Monika W. aus Oberursel ist "Fassenachterin" mit Leib und Seele - ohne ihren Einsatz müssten Freunde und Familie auf wunderschöne selbstgeschneiderte Kostüme verzichten. 2012 aber war ihr nicht nach ausgelassenem Feiern zumute, denn ausgerechnet am Faschingssamstag fängt plötzlich alles an sich zu drehen, ihr wird übel, sie muss sich übergeben. Am nächsten Tag ist der Spuk wieder vorbei, die 50-Jährige vergisst den Vorfall.
Mit Notarzt in die Klinik
Drei Tage später dann jedoch der Rückfall, dieses Mal ist der Schwindel noch viel schlimmer. "Ich bin aus dem Schlaf erwacht, weil mir sehr, sehr übel war und die ganze Welt sich gedreht hat, ich konnte den Kopf überhaupt nicht mehr bewegen und ich hab richtig Panik gehabt." Ihr geht es so schlecht, dass Ehemann Hans umgehend den Notarzt alarmiert, der nimmt Monika W. mit in das Klinikum Frankfurt Höchst. Hier wird sie auf den Kopf gestellt; nachdem die Ärzte Herzinfarkt und Schlaganfall als Ursache ausgeschlossen haben, diagnostizieren sie Dreh- und Lagerungsschwindel. Sie bekommt Kortisontabletten und muss acht Tage im Krankenhaus bleiben. Verursacht wird der durch Gewebeteilchen, so genannte "Kristalle" in den Bogengängen, die das Gleichgewichtsorgan irritieren. Mithilfe einer so genannten "Wurftechnik", einem bestimmten Bewegungsablauf, sollen die Gewebeteilchen wieder aus dem Bogengang kullern. Diese so genannte "Wurftechnik" erlernt sie im Krankenhaus, dazu stehen tägliche Gleichgewichtsübungen auf dem Programm. Doch der Erfolg bleibt aus, der Schwindel hingegen bleibt. Die 50-Jährige muss sich überall festhalten, ist kaum in der Lage alleine laufen. Arbeiten kann die Ordnungsbeamtin nicht, selbst der Familienalltag ist nicht zu bewältigen. Wochen, sogar Monate gehen ins Land, der Schwindel wird nicht besser. Monika W. fällt in ein tiefes Loch, wird fast depressiv, zieht sich immer mehr zurück.
Wenn der Schwindel bleibt - Hilfe in der Schwindelambulanz
Schließlich überweist sie ein Neurologe an einen Spezialisten in der Schwindelambulanz der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) in Wiesbaden. Nach sieben Monaten Dauerschwindel und unzähligen Krankschreibungen sitzt Monika W. beim Schwindelexperten Sebastian von Stuckrad-Barre im Arztzimmer. Auch hier wird sie erst einmal ausführlich untersucht. Schon bei den Tests zur Augenbewegung zeigt sich ein Ungleichgewicht im Nervensystem. Und bei der so genannten "Elektronystagmographie(ENG)", bei der die Augenbewegungen bei Lagewechseln gemessen werden, stellt der Experte eine Inbalance zwischen der rechten und linken Seite im Innenohr fest. Nach den Tests ist klar, dass die 50-Jährige einen akuten Gleichgewichtsausfall der rechten Seite im Innenohr erlitten hat. Deshalb leidet Monika W. noch immer unter einer erheblichen Gang-und Balance-Störung. Leider helfen dagegen keine Pillen, so Dr. Sebastian von Stuckrad-Barre "Die Therapiestrategie ist eigentlich, dass der Patient und das Gehirn des Patienten lernen, ohne das Gleichgewichtsorgan eine gleiche Balanceleistung hinzukriegen." Für die 50-Jährige aus Oberursel heißt das, von nun an täglich trainieren, zwei- bis dreimal pro Woche mit der Krankengymnastin, vor allem aber die erlernten Übungen regelmäßig zu Hause wiederholen.
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