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Flasche mit Gift-Aufkleber (Bild:  picture-alliance/dpa)

17.07.2013: alles wissen spezial

Gefährliche Gifte zu Hause

Schadstoffe in Lebensmittelverpackungen, Quecksilber in Energiesparlampen, giftiges Radongas im Wohnhaus oder Schimmelpilze in der Spülmaschine - Gifte umgeben uns überall. Wie gefährlich sind sie für unsere Gesundheit?
 

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17.07.2013, 21:00 Uhr
Ganz in unserer Nähe, mitten in unserem Alltag können Stoffe lauern, die uns und unserer Gesundheit schaden können. Das Problem ist, dass man viele Gifte weder sieht, riecht noch schmeckt.

Da ist es gut, zu wissen, wie man sich schützen kann. Thomas Ranft hat deshalb 20 Gifte beziehungsweise giftige Orte für Sie unter die Lupe genommen.
 

Platz 20: Schimmel in der Spülmaschine

In rund zwei Drittel aller deutschen Haushalte sorgt eine Spülmaschine für sauberes Geschirr. Doch in ihr können Schimmelpilze lauern. Laut einer internationalen Studie sollen in jedem zweiten Haushaltsspüler Schimmelkulturen entdeckt worden sein. Unter anderem solche, die man auch "Schwarze Hefen" nennt und die besonders gesundheitsgefährdend sein sollen. Schimmelpilze können bei Personen mit Vorerkrankungen Infektionen auslösen und sie können Gifte bilden, die für den Menschen gesundheitsgefährlich werden können. Zudem Schimmelpilze auch Allergien auslösen.

Pilze fühlen sich an den Gummidichtungen besonders wohl
Zusammen mit der Uni Gießen haben wir deshalb getestet, ob auch in Hessens Spülmaschinen bösartige Schimmelpilze wachsen. Insgesamt 12 Maschinen waren in unserer Stichprobe. Da sich die Pilze besonders an den Gummidichtungen wohl fühlen, nehmen wir hier abstriche und schicken sie zur Untersuchung ins Labor. Wie viele Spülmaschinen sind von den Schimmelpilzen befallen?
 

Information

Verbraucherzentrale Hessen e.V.
vertreten durch den geschäftsführenden Vorstand
Jutta Gelbrich
Große Friedberger Straße 13-17
60313 Frankfurt
Internet: www.verbraucher.de
Unser Testergebnis
In allen zwölf Proben finden die Forscher Schimmelpilze. Allerdings relativ wenige - und nur solche, die ohnehin in der Küche vorkommen. Deshalb kann man die Ergebnisse relativ gelassen sehen. Trotzdem sollte man aber im Rahmen einer guten Küchenhygiene auch die Spülmaschine nicht zu vergessen. Die Verbraucherzentralen empfehlen Spülmaschinenpulver oder Tabs mit Bleichmittel. Die sind besonders wirksam gegen Mikroorganismen. Außerdem sollte man die Maschine mindestens einmal im Monat auf höchster Temperatur laufen lassen.

Und: Gummiabdichtungen regelmäßig mit Haushalts- oder Essigreinigern abwischen. Dann bleibt die Maschine nicht nur sauber, sondern auch schimmelfrei.
 

Platz 19: Giftige Gase im Hallenbad

Auch hier würde kaum jemand giftige Stoffe erwarten: Schwimmen gilt ja als gesund, gut für Knochen und Gelenke. Und es stärkt die Lunge. Doch Forscher haben in Schwimmbädern einen problematischen Stoff entdeckt. Von "erhöhtem Asthma-Risiko" durch Chlor und sogar von "Gift" ist die Rede. Was ist da dran? Kann Schwimmen etwa krank machen?

Bei der chemischen Reaktion von Harnstoff und Chlor bildet sich ein giftiges Gas
Im Verdacht die Gesundheit zu schädigen, steht bisher vor allem das Gas "Tri-Chlor-Amin". Es entsteht im Wasser bei der chemischen Reaktion von Chlor mit Harnstoff. Eingeatmet gelangt es direkt in die Lungenzellen. Das Gas riecht. Es ist der typische Hallenbadgeruch, den jeder mit Chlor in Verbindung bringt.
 

Information

Umweltbundesamt
Wörlitzer Platz 1
06844 Dessau-Roßlau
Mail: info@umweltbundesamt.de
Internet: www.umweltbundesamt.de
Aber wie hoch ist die Konzentration des Gases in deutschen Schwimmbädern? Das messen regelmäßig Wissenschaftler im Auftrag des Umweltbundesamtes. Offizielle Grenzwerte für Tri-Chlor-Amin gibt es noch nicht, die Forscher orientieren sich deshalb an Richtwerten.

Entwarnung für deutsche Schwimmbäder
Im internationalen Vergleich kommen deutsche Bäder insgesamt gut weg, hierzulande darf relativ wenig gechlort werden. "Die Messungen in der Hallenbadluft zeigen, dass sie sich eigentlich alle um diesen Wert bewegen, bei dem man keine Reizwirkungen zu erwarten hat, sodass bei einer DIN-gerechten Führung des Bades, d. h. eine ausreichende Lüftung, man nicht von einem Gefährdungspotential ausgehen muss.", betont Dr. Tamara Gummt vom Umweltbundesamt. Es sieht also so aus, als könnten Badegäste in Deutschland aufatmen.
 

Platz 18: Gift in Baumwollunterwäsche

Auch in Kleidung wird regelmäßig Gift gefunden - ob in Synthetikfasern oder Baumwollstoffen: Von Halogen-organische Verbindungen, giftigen Farbstoffen oder etwa Formaldehyd ist da die Rede. Sind solche Stoffe auch in unserer Unterwäsche, also direkt auf der Haut an unseren sensibelsten Stellen?

Das wollen wir genau wissen und geben einen Test in Auftrag. Dafür kaufen wir bei verschiedenen Kaufhäusern und Discountern sechs Damen- und sechs Herren-Slips. Wir wählen Baumwollwäsche in dunklen Farben, denn vor allem Farbstoffe enthalten häufig schädliche Substanzen. Jede Unterhose muss verschiedene Analyseverfahren durchlaufen:
 
Verfahren Nr.1: der Schnuppertest
Kann man gefährliche Substanzen riechen? "Sehr intensive Gerüche weisen zum Beispiel auf Naphthalin oder Aromaten hin oder auf chlorierte Verbindungen. Einige von diesen Verbindungen stehen im Verdacht krebserregend zu sein, dazu gehört zum Beispiel das Naphthalin, einige können auch allergisierend sein oder andere Gesundheitsschäden hervorrufen," sagt die Chemie-Ingenieurin Ulrike Siemers vom Umweltinstitut Bremen.
 
Verfahren Nr. 2: die chemische Untersuchung
Nach dem Schnuppertest folgen chemische Untersuchungen. Das Ergebnis: insgesamt erfreulich. Nur eine Unterhose, die eine eines Discounters fiel negativ auf. Sie enthielt krebserregende Stoffe - so genannte aromatische Amine. Zwanzig Milligramm pro Kilogramm Wäsche. Das ist bedenklich viel.

Trotzdem: Ob billig oder teuer, eine Garantie für Schadstofffreiheit gibt es leider nicht. Am sichersten ist aber Öko-Wäsche. Und wichtig, die Kleidung vor dem ersten Tragen unbedingt waschen.
 

Platz 17: Gift in der Energiesparlampe

Sie ist eigentlich der neue Umweltliebling: die Energiesparlampe. Denn sie spart sehr viel Strom - bis zu 80% im Vergleich zur Glühbirne. Allerdings brauchen Energiesparlampen Quecksilber, um Licht zu erzeugen. Zwar sind nur winzige Mengen nötig, aber die sind leider hochgiftig. Im Normalfall ist das kein Problem, denn das Quecksilber ist fest verschlossen in der Lampe. Aber was passiert, wenn eine solche Lampe kaputt geht? Wie gefährlich ist das für uns? Denn fest steht: Quecksilber ist ein Gift, das im Körper gesundheitsschädigend wirkt. Es kann insbesondere Gesundheitsschäden im Gehirnbereich auslösen und das ist vor allem in der Entwicklungsphase, also bei Kleinkindern, höchst problematisch.
 

Information

Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST
Bienroder Weg 54 E
38108 Braunschweig
Telefon: 0531 21550
Fax: 0531 2155900
Mail: info@ist.fraunhofer.de
Internet: www.ist.fraunhofer.de
Fraunhofer Institut testet Energiesparlampen auf Gesundheitsgefahren
Im Fraunhofer-Institut in Braunschweig werden Energiesparlampen auf mögliche Gesundheitsgefahren getestet. Die Wissenschaftler wollen wissen: wie hoch ist die Belastung im schlimmsten Fall, also dann wenn niemand die Scherben wegräumt. Das Ergebnis: Ohne ausreichende Lüftung können in der Raumluft bis zu zwei Tage lang gesundheitlich relevante Quecksilberkonzentrationen auftreten.
 
Bei Lampenbruch Fenster auf und den Raum verlassen!
Daher gilt die Empfehlung: Zunächst gut lüften, Heizung und Klimaanlage aus, den Raum für 15 Minuten verlassen. Erst dann bei geöffnetem Fenster den Lampenbruch entfernen. Keinen Besen oder Staubsauger verwenden - stattdessen die Glassplitter mit Karton zusammenkehren. Mit feuchten Papiertüchern wischen und die Reste in ein luftdicht verschließbares Gefäß tun. Das muss zum Recyclinghof, der Karton kann in den Hausmüll.

Eine absolute Sicherheit vor Lampenbruch gibt es leider nicht. Helfen kann aber eine Lampe mit Bruchschutz. Durch ihre Schutzummantelung geht der quecksilberhaltige Teil der Lampe nicht so leicht kaputt.
 

Platz 16: Das unterirdische Giftlager in Herfa-Neurode

Im Steinsalz, tief unter der Erde, lagern 2,6 Millionen Tonnen vergifteter Müll: Herfa-Neurode in Nordhessen ist die weltweit erste und bislang größte Untertagedeponie für Sondermüll: Quecksilber, Dioxin, Furan, Arsen... fast drei Millionen Tonnen. Giftmüll lagern hier, genug um die ganze Menschheit umzubringen.

Wenn neue Giftfässer hier eintreffen beginnt eine gespenstische Fahrt durch die Finsternis, noch weiter nach unten, 800 Meter tief. Am Zielort angekommen, verschwinden die Behälter hinter einer Ziegelmauer. Doch wie sicher ist der giftige Abfall hier unten?
 
Bundsandstein, Ton und Steinsalz als sichere Barrieren
Mächtige Schichten aus Bundsandstein, Ton und Steinsalz sind natürliche Barrieren. Gerade der Ton bildet die notwendigen wasserundurchlässigen Schichten. Auch das Salzgebirge gilt als sehr dicht und - nach menschlichem Ermessen - erdbebensicher. Von dem eingelagerten Giftmüll werden Proben genommen und hier hinterlegt - über 70.000 sind es inzwischen. Zum Beispiel: Chromhaltiger Galvanikschlamm, "Kieselrot" voller Dioxin, einst ausgestreut auf Sport- und Spielplätzen, Pflanzenschutzmittel, ursprünglich nach Rumänien verschoben oder Quecksilberverseuchtes Erdreich aus der Ex-DDR.

Hochgiftige Stoffe, die die Industriegesellschaft hervorgebracht hat. Und hier landet nicht nur unser Sondermüll, auch der aus anderen Ländern - aus Europa, sogar einiger aus den USA - zu unserem Schutz in 800 Meter Tiefe.
 

Platz 15: Schimmelige Mehltransporter

Mehl ist unser wichtigstes Grundnahrungsmittel, es steckt in Brot, Brötchen und vielen anderen Lebensmitteln, die wir täglich essen. Doch genau hier könnte krankmachendes Schimmelgift lauern. "Ekel in Weiß" titelte Ende 2010 die Berliner Zeitung. Im Artikel geht es um Schimmelbeläge in Mehltransportern und den Vorwurf, dass sie nur unzureichend gereinigt wurden. Was ist da dran?

Wir treffen jemanden, der sich damit auskennt: Einen Tankwagen-Reiniger. Er hat einen ekelerregenden Fall für uns auf Video dokumentiert. Um nicht zwischen die Fronten zu geraten, will er aber anonym bleiben.
 
"Diese schwarze Schimmelschicht sieht ziemlich eklig aus"
Bei "alles wissen" erzählt er uns: "Der Silo ist weiß, man sieht da ist Mehl drin, die Problematik taucht erst nach der ersten Reinigung auf. Dann wird das Fahrzeug kontrolliert und dann sieht man ja auf den Bildern, was sich da für ein Schimmelbelag gebildet hat." Und der klebt an den Silowänden und sieht ekelerregend aus: "Dunkelgrün bis Schwarz. Schwarz ist dann die obere Schicht, dunkelgrün, türkis, die untere Schicht. durch diese Karos (Der Wasserstrahl des Hochdruckreinigers hat rechteckige Karos freigelegt, so dass man den Schimmel sehr gut sehen kann.) sieht man diese schwarze Schicht von diesem Schimmel. Sieht ziemlich eklig aus."

Schimmelablagerungen können sich bilden, weil das frisch gemahlene, noch warme Mehl - wenn es in den Silowagen gepumpt wird - Wasser enthält. Das Wasser verdunstet und kondensiert an den kalten Metallwänden. Erst ist es nur ein harmloser Belag, dann entwickelt sich Schimmel.
 

Information

Professur für Milchwissenschaften
Leiter: Prof. Dr. Dr. habil. Ewald Usleber
Ludwigstraße 21
35390 Giessen
Telefon: 0641 9938950
Fax: 0641 9938959
Mail: milchwissenschaften@vetmed.uni-giessen.de
Internet: www.uni-giessen.de
Ist das nur eklig oder lauert hier eine Gesundheitsgefahr?
Wir bekommen eine Probe der Schimmelschicht aus dem gefilmten Mehl-LKW und wollen wissen: ist das nur eklig oder lauert hier vielleicht eine Gesundheitsgefahr für uns Verbraucher? Um das zu untersuchen fahren wir an die Universität Gießen. Professor Ewald Usleber ist hier Schimmelpilzexperte. Und sein erster Blick auf unsere Probe verheißt nichts Gutes: "Von einem Mehlcharakter kann man bei einer solchen Probe schon mal nicht mehr sprechen."
 
Massives hygienisches Problem und Gesundheitsrisiko
Dann zeigen wir dem Schimmelexperten unser Video: Professor Usleber ist geschockt: "Man erkennt deutlich diese massiven schwarzen Krusten und Verfärbungen, die auf Grund der teilweise runden Darstellung mit ziemlicher Sicherheit Schimmelpilze darstellen. (...) So massiv, wie sich das in diesem Video gezeigt hat, ist es garantiert ein Problem und zwar gleich ein Zweifaches. Ein massives hygienisches Problem, das wird nach meiner persönlichen Einschätzung den Begriff "Ekelerregend" ziemlich gut beschreiben. Ich möchte kein Mehl aus so einem Behältnis essen. Zum anderen hat man auch noch das Gesundheitsrisiko. Diese Schimmelpilze sind teilweise in der Lage Toxine, also Gifte zu bilden."

Und diese Gifte werden noch nicht mal beim Backen zerstört, denn sie sind hitzeresistent!
 
Unklar ob und wenn ja, wie viel Toxin ins Mehl gelangt
Pilze, wie sie auf gemahlenem Mehl auftauchen entsprechen denen bei verschimmeltem Brot. Doch es gibt ein Problem: genau diese Art Mehlschimmel aus LKWs untersucht bislang niemand. Deshalb weiß auch niemand, ob und wenn ja, wie viel Schimmelgift möglicherweise aus den Silowagen ins Brot gelangt.

Dazu Prof. Usleber: "Wenn hohe Toxinmengen da sind, dann kann man mit Organschäden, Schädigungen des Immunsystems oder neurologischen Schäden unter Umständen rechnen. Aber es ist ganz schwierig hier eine absolute Aussage zu treffen. Das hängt von vielen Faktoren ab."

Denn sicherlich ist nicht jeder Mehltransporter mit Schimmel verseucht. Andererseits kennt aber auch niemand die Anzahl der Ekel-LKW genau.
 
Regelmäßig reinigen löst das Problem sofort
Nur eines ist klar: regelmäßiges und sorgfältiges Reinigen verhindert Schimmel. 85 Grad heißes Wasser plus 80 Bar Hochdruck sorgt für die nötige Hygiene. Doch das kostet Geld: Pro Spülgang bis zu 250 Euro. In anderen Lebensmittelbereichen wird einmal pro Woche gespült. Bei Mehlfahrzeugen hingegen reinigt jede Mühle nach eigenem Ermessen. Gesetzliche Vorgaben gibt es nicht.
 
"Wir haben kein Hygiene-Problem"
Wir besuchen die Saalemühle in Alsleben, ein Familienbetrieb in dem man solche Vorwürfe sehr ernst nimmt, wenn man sie auch für übertrieben hält. "Wir haben kein Hygiene-Problem" sagt uns Michael Gutting, der leitende Geschäftsführer der Saalemühle. Natürlich reinige man hier regelmäßig. Schließlich würden die Mühlen allein von ihrem Image leben. Mehl gelte als weißes, sauberes Nahrungsmittel, da passe Schimmel sicher nicht ins Konzept. 100.000 Euro Reinigungskosten wende man deshalb jährlich auf. Das sorge für Sicherheit unterm Silodeckel.

Und auch hier wollen wir die Ekel-Bilder aus der Reinigungsfirma zeigen. Anwesend beim Drehtermin ist auch der Geschäftsführer des Deutschen Mühlenverbands, Dr. Peter Haarbeck. Michael Gutting von der Saalemühle ist sichtlich beeindruckt: "Ob's noch mehr ist, kann ich nicht beurteilen, aber das ist auf alle Fälle nicht ok."
 
Peter Haarbeck vom Deutscher Mühlenverband erklärt uns, dass solche Bilder nur Einzelfälle widergäben: "Wir haben derzeit keine Hinweise, dass es tatsächlich ein flächendeckendes Problem gibt und das ist uns ganz wichtig festzuhalten."

Doch unser Tankwagen-Reiniger kennt das aus seinem Betrieb leider ganz anders: "Bei uns ist es halt so, dass mehrere unterschiedliche Fahrzeuge und auch Speditionen und auch Mühlen hier bei uns reinigen. Das Bild ist eigentlich immer das gleiche." Das heißt, wenn die Fahrzeuge bei ihnen in den Betrieb kämen seien Schimmelbeläge nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
 
Da steht Aussage gegen Aussage. Wir wenden uns an das Hessische Verbraucherschutzministerium. Hier kennt man das Problem, spricht aber von Einzelfällen und beruhigt in Sachen Gesundheitsgefahr.

Man schreibt uns: "Aufgrund des Verhältnisses zwischen Menge an kontaminierter Anhaftung und Menge an Füllgut (...) wird aber davon ausgegangen, dass die gegebenenfalls eingebrachten Mengen nicht zu einer unmittelbaren Gefährdung der Gesundheit des Verbrauchers führen. Ungeachtet davon, ist (...) eine entsprechende Verunreinigung und Kontamination nicht zu akzeptieren und als ekelerregend zu bewerten."
 
Das saubere Mehl-Image steht auf dem Spiel
Bisher weiß niemand genau, wie groß das Schimmel-Problem wirklich ist. Fest steht aber: Das saubere Mehl-Image steht auf dem Spiel. Michael Gutting von der Saalemühle kann nicht glauben, dass es tatsächlich ein größeres Hygieneproblem gibt. Er kann sich nicht vorstellen, dass Betriebe zu Lasten der Hygiene Kosten einsparen. Denn das Image der Branche sei viel zu wertvoll: "Wenn wir einen Imageschaden haben, riskieren wir unsere Existenz. Wir werden wegen diesen hier auftretenden Kosten für das Reinigen und Spülen nicht unsere Existenz aufs Spiel setzen."

Bleibt zu hoffen dass alle Mühlenbetreiber so denken. Für unseren Geschmack wären aber klarere gesetzliche Regeln und mehr Transparenz die bessere Lösung. Bisher kann davon aber nicht die Rede sein.
 

Platz 14: Dioxin in Lebensmitteln

Leider hört man immer wieder von Dioxinen, die unsere Nahrungsmittel vergiften. Vor allem tierische Lebensmittel sind betroffen. Aber wie kommen sie da rein? Und wie gefährlich sind diese Stoffe überhaupt?

"Dioxine und PCB sind schon in geringen Mengen toxikologisch relevant, in großen Mengen können sie Krebs erregen. Sie wirken sich auf den Hormonhaushalt aus, sie können immuntoxische und auch neurotoxische Wirkungen entfachen und deshalb gilt es natürlich die Belastung des Menschen möglichst gering zu halten," sagt der Lebensmittelchemiker Prof. Peter Fürst.
 
Dioxine entstehen bei Industrie- und Verbrennungsprozessen
Über Luft und Abwasser gelangen sie in die Umwelt. Sie lagern sich zum Beispiel im Sediment von Flüssen ab oder auf Pflanzen und die werden von Tieren gefressen. Damit ist am Ende auch das Fleisch - vor allem die Leber der Tiere belastet.

Die krebserregenden Stoffe stecken in geringen Mengen immer in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch. Laut Weltgesundheitsorganisation gilt das zwar als unbedenklich, doch was, wenn wir immer mehr dieser Krebs-Gifte aufnehmen? Unser Körper kann Dioxine nur schwer und sehr langsam abbauen und reichert sie in Leber und Fettgewebe an. Weil Dioxine so gefährlich sind, gibt es für jedes Lebensmittel sehr strenge Grenzwerte. Nur wenn sie eingehalten werden, können wir bedenkenlos schlemmen.
 
Platz 13: Gefahr Feinstaub
Wer auf der Friedberger Landstraße in Frankfurt, der Fünffensterstraße in Kassel oder der Hügelstraße in Darmstadt wohnt, ist einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt. Das Problem: Studien haben ergeben, Feinstaub verringert die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa zehn Monate.
 
Was ist Feinstaub?
Feinstaub besteht aus flüssigen und festen Teilchen, nur Bruchteile von Millimetern groß. Bei bestimmten Wetterlagen zeigen sie sich als "Dunstglocke" über der Region. Neben Industrie und Heizungsanlagen stoßen vor allem Dieselfahrzeuge die Partikel in die Luft.

Doch was genau ist so schädlich am Feinstaub? Vereinfacht dargestellt schweben Feinstaubteilchen mit Rußeinschlüssen und Rußpartikeln in der Luft und wir atmen sie ein. Im Atemtrakt verbinden sie sich mit Feuchtigkeit, die unlöslichen Rußpartikel bleiben und lagern sich ab.

Je feiner die Partikel, desto leichter dringen sie ins Lungengewebe ein, ultrafeine sogar bis in die Lungenbläschen. Von dort gelangen sie in die Blutbahn bis hin zum Herz und zum Gehirn.
 
Gesundheitliche Folgen von Feinstaub
Im schlimmsten Fall kann es so zu Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufproblemen und Lungenkrebs kommen. Außerdem wird Feinstaub für das Entstehen von Allergien verantwortlich gemacht.

Eine Gegenmaßnahme: Umweltzonen: Je nach Schadstoffausstoß bekommen Autos gar keine, eine rote, gelbe oder grüne Plakette. Mancherorts sind nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette erlaubt. Für wirklich saubere Luft heißt es aber wohl: Raus aus der Stadt und ab aufs Land.
 

Platz 12: Gift in Lebensmittelverpackungen

Dass in Lebensmittelverpackungen eine Giftquelle lauert, würde so schnell niemand vermuten. Forschungsergebnisse zeigen: In Recyclingkartons stecken Mineralöle, die auf das Lebensmittel übergehen. Aber wie gefährlich ist das und wie kommen die Mineralöle in die Kartons?

Mineralöle können durch Recycling-Papier in die Verpackungen gelangen. Vor allem die Druckfarbe aus Zeitungen enthält den Stoff. Zudem sind auch die Verpackungskartons selbst teilweise mit mineralölhaltiger Farbe bedruckt. In einer umfassenden Versuchsreihe fand der Schweizer Wissenschaftler Konrad Grob heraus, dass etwa vier Tropfen Mineralöl in jedem Karton stecken. Aber nur ein Tropfen bleibt in der Verpackung der Rest - also drei Tropfen - befindet sich im Lebensmittel. Und das ist dass ist das was der Konsument mit isst, auch wenn er es nicht sieht.
 
Was ist so schädlich an Mineralöl?
Mineralöl enthält gesättigte und aromatische Kohlenwasserstoffe, die zum Teil Krebs erregen und das Erbgut schädigen können. Die Mineralöle reichern sich im Körper an. Und wir können uns fast nicht davor schützen: Denn Mineralöl gelangt nicht nur in Lebensmittel, die direkt in Recyclingkartons verpackt sind, es kann auch aus dem Transport- oder Lagerungskarton durch fast alle Verpackungen bis in die Lebensmittel vordringen.

Aber wieso werden dann solche giftigen Farben eingesetzt? Laut des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger ist sie nicht ohne weiteres zu ersetzen - aus technischen Gründen. Aber was kann man tun, um sich zu schützen? Verbraucher können auf Verpackungen mit undurchlässigen Innenbeuteln achten - etwa aus Materialien wie PET und Aluminium. Sie sorgen dafür, dass die Mineralöle aus den Recyclingkartons nicht auf die Lebensmittel übergehen und damit können wir unser Essen unbesorgt genießen.
 

Platz 11: Gift in Raumsprays und Lufterfrischern

Diesen Giftstoffe holen wir uns ganz freiwillig ins Haus: Über Raumsprays und sogenannte Lufterfrischer. Denn Zitronenduft oder Meeresbrise sollen gesundheitsschädlich sein, Kopfschmerzen und Allergien auslösen. Stimmt das? Und: Was ist eigentlich in solchen Produkten drin, was atmen wir mit der Raumluft ein?

Der Umweltanalytiker Andreas Winkens hat achtzehn Lufterfrischer im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes untersucht: "Duftstoffe im privaten Innenraum nehmen immer mehr zu. Die Darreichungsformen sind sehr unterschiedlich. Man weiß noch relativ wenig darüber. Aus diesem Grund muss hier getestet werden." Winkens sucht nach Stoffen wie Formaldehyd, krebserregendem Benzol und Aromastoffen wie Limonen, die Allergien auslösen können. Und er wird bei seiner Untersuchung fündig: Zwar nicht beim Formaldehyd, aber 80% der Proben weisen stark erhöhte Limonen-Konzentrationen auf. Und in einer Probe steckt sogar das krebserregende Benzol.
 
Allergien durch Duftstoffe
Vor allem die allergieauslösenden Substanzen bereiten Experten Sorge. Aber reagieren wirklich so viele Menschen auf Duftstoffe allergisch? Wir fragen Claudia Traidl-Hoffmann. Sie arbeitet und forscht am Münchner Zentrum für Allergien und Umwelt: "Duftstoffallergien gehören zu den häufigsten Kontaktallergien also die entstehen nach dem Kontakt mit der Haut, neben der Nickelallergie."

Können Allergiker die schädlichen Stoffe nicht einfach meiden? Auf der Haut zwar schon, in der Luft aber leider nicht. Denn vielerorts wird heute künstlich beduftet. Lufterfrischer enthalten außerdem oft eine hohe Anzahl unterschiedlicher Stoffe. Ob sie im Zusammenwirken schädlich sind, weiß bisher niemand.
 
Besser Lüften
Dabei wird die Luftqualität nicht einmal verbessert. Oft überdecken die Duftstoffe einfach eine schlechte Qualität der Raumluft und belasten sie zusätzlich. Besser also: die vermeintlichen Lufterfrischer weglassen. Um unangenehme Düfte zu Hause los zu werden, heißt die beste Lösung immer noch: ausgiebig Lüften!
 

Platz 10: Gift in der Margarine?

Bei vielen kommt Margarine statt Butter aufs Brot, weil sie glauben, dass die gesünder sei, denn Margarine enthält viele ungesättigte Fettsäuren. Doch hinter diesen Fettsäuren verbirgt sich eine unsichtbare Gefahr: der Schadstoff Glycidol-Fettsäureester! Erst seit kurzem existieren überhaupt Analysemethoden, um ihn nachzuweisen. In einer Untersuchung fand Ökotest den Stoff in 16 von 19 Margarinen. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich?
 
Was sind Glycidol-Fettsäureester?
Glycidol-Fettsäureester ist eine chemische Verbindung, die bei der Margarine-Herstellung entsteht, genauer bei der Raffination. Dieses Verfahren wird seit Jahrzehnten genutzt, um aus dem pflanzlichen Rohmaterial genießbare Speisefette herzustellen. Unter anderem werden dabei unangenehme oder bittere Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernt. Dazu werden die Fette starker Hitze von bis zu 250 Grad Celsius und hohem Wasserdruck ausgesetzt. Die eigentlich harmlosen Fettmoleküle verändern sich chemisch und werden zum Schadstoff Glycidol-Fettsäureester.
Und genau dieser Stoff könnte sich bei der Verdauung im menschlichen Körper aufspalten und krebserregendes Glycidol freisetzen.
 
Sollten wir also besser ganz auf Margarine verzichten?
Unser Rat: Greifen Sie - bis die Hersteller das Problem des Fettschadstoffs gelöst haben - zu Halbfettmargarine! Darin steckt zwar mehr Wasser, aber dafür eindeutig weniger Glycidol-Fettsäureester!
 

Platz 9: Gefahr Nanopartikel?

Sie sind winzig klein und finden immer öfter den Weg in unseren Alltag: Nano-Partikel - zum Beispiel über die Verpackung von Weintrauben, die sollen so länger frisch bleiben. Sogenanntes Nanosilber wirkt antibakteriell und steckt in zahlreichen Alltagsprodukten und Nanomilch verfärbt sich rot, wenn sie schlecht wird - bisher allerdings nur im Labor. Das ist praktisch, aber auch problematisch.
 
Wie wirken Nano-Partikel im Körper?
Denn wie Nano-Partikel im Körper wirken, ist kaum erforscht. Deshalb sieht auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Nano-Produkte äußerst kritisch. "Man weiß aus dem Tierversuch, dass bestimmte Nano-Materialien Zellschädigungen verursachen können und man muss sich jetzt vorstellen, Nano-Material ist wahnsinnig klein, viel, viel kleiner zum Beispiel als der Durchschnitt eines menschlichen Haares, also wirklich unsichtbar klein und diese winzig kleinen Partikel, die können also sehr gut in den Körper eindringen, können in einzelne Zellen eindringen und da also dann Schädigungen verursachen", sagt Jurek Vengels vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
 
Viele Stoffe sind in bisher üblicher Größe ungefährlich. Auf Nanogröße geschrumpft, können sie jedoch ihre Eigenschaften verändern und giftig werden. Über die Nahrung, die Haut oder durch bloßes Einatmen gelangen Nanopartikel in den Körper und können in die Organe eindringen - bis in einzelne Zellen.

Und was passiert dort? Laborversuche haben gezeigt, dass Nanopartikel in der Zelle sogar die Erbsubstanz schädigen können. Immerhin: das Europäische Parlament hat mittlerweile eine Kennzeichnungspflicht für Nanomaterial in Kosmetika und Lebensmitteln beschlossen. Wünschenswert für uns Verbraucher wäre aber eine generelle Kennzeichnungspflicht, damit wir jederzeit wissen, was in unserem Einkaufswagen landet.
 

Platz 8: Farbstoffe in Lebensmitteln

Nanopartikel sind längst nicht die einzigen problematischen Stoffe, die unseren Lebensmitteln zugesetzt werden. So kommen etwa auch künstliche Farbstoffe zum Einsatz. Sie tauchen als E-Nummern auf der Verpackung auf. Speziell die sogenannten Azofarbstoffe stehen in der Kritik. Das sind aus Erdöl hergestellte Färbemittel, die in der Lebensmittelindustrie fast allgegenwärtig sind.

Allergien, Neurodermitis, Krebs: Azofarbstoffe stehen in Verdacht, diese Krankheiten zu befördern - auch die Hyperaktivitätsstörung ADHS bei Kindern wird mit ihnen in Zusammenhang gebracht. Besser wäre es daher, auf diese Farbstoffe zu verzichten. An der Universität Stuttgart Hohenheim suchen Forscher nach alternativen Farbstoffen.
 
Sind Bio-Farbstoffe eine Alternative?
Ein heißer Kandidat für die Lieferung von Bio-Farbstoffen ist die Drachenfrucht. Früchte wie sie können oft ein ganzes Spektrum von Gelb-, Orange- und Rottönen liefern, ohne den Geschmack der Lebensmittel zu beeinträchtigen. Die Achillesferse der Bio-Farbstoffe ist ihre Stabilität. Nach wenigen Tagen unter UV-Licht verlieren sie deutlich an Intensität und Leuchtkraft.

Im direkten Vergleich ist der Qualitätsverlust nicht zu übersehen. Hier muss nachgebessert werden. Trotzdem haben die alternativen Farben in der Lebensmittelindustrie ein Riesenpotential. Da sind sich die Stuttgarter Wissenschaftler sicher. "Was wir tun, wird natürlich mit wachen Augen verfolgt. Die Industrie hat Probleme mit Azofarbstoffen. Und es ist deshalb kein Wunder, dass sie daran interessiert ist, zu sehen, was wir tun. Und man möchte natürlich, wo immer möglich, diese synthetischen Farbstoffe ersetzen. Und dafür sind die von uns untersuchten natürlichen Alternativen die ideale Möglichkeit", berichtet der Lebensmitteltechnologe Prof. Reinhold Carle von der Universität Hohenheim.
 

Platz 7: Plastikhormon "Bisphenol A" Getränkedosen

Das nächste Gift steckt in Konserven- und Getränkedosen, in hartem Kunststoff und Verpackungen: "Bisphenol A". Das Problem: Der umstrittene Industriestoff gelangt offenbar auch in unsere Lebensmittel. Dieser Chemikalie auszuweichen ist nahezu unmöglich, sie wird überall dort eingesetzt, wo hochwertige Kunststoffverbindungen gebraucht werden. Doch genau das kann im Zusammenhang mit Lebensmitteln gefährlich werden, glauben einige Wissenschaftler. "Bisphenol A gehört in Lebensmittel und in Materialien die mit Lebensmitteln Berührung haben, nicht hinein", sagt Dr. Heribert Wefers vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
 
Wie wirkt Bisphenol A im Körper?
Bisphenol A wirkt wie ein Hormon auf den menschlichen Körper, vergleichbar mit dem weiblichen Östrogen. Deshalb könnte es auch Einfluss auf Gehirn, Herz und Fortpflanzungsorgane haben. Außerdem steht es in Verdacht, Fettzellen zum Wachsen anzuregen, also: dick zu machen. In Tierversuchen kam es schon in geringer Konzentration zu Missbildungen und Fruchtbarkeitsschäden.
Doch wie gefährlich ist dieser Stoff für uns? Langzeitstudien dazu gibt es nicht. Fest steht: Mittlerweile ist Bisphenol A im menschlichen Blut nachweisbar - und zwar bei fast jedem Menschen.
 
Was tun?
Wir können uns der Alltagschemikalie also kaum noch entziehen. Man kann nur versuchen, die Aufnahme zu reduzieren. Indem man etwa auf Konserven verzichtet, mehr frische Lebensmittel einkauft und statt Getränkedosen Glasflachen verwendet.
 

Platz 6: Baldrian, Johanniskraut und Co.: Gefahr Naturheilmittel

Naturheilmittel sollen Krankheiten heilen und sie sind beliebt. Denn es gibt sie meist ohne Rezept. Viele denken: Was aus der Natur kommt, kann keinen Schaden anrichten. Doch das stimmt nicht. Viele der Mittel wirken, das heißt sie lindern und heilen zwar, aber sie können auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Gefahr droht etwa, wenn Naturpräparate falsch dosiert oder zu lange eingenommen werden.
 
Beispiel Baldrian: eigentlich ein bewährtes Mittel bei Nervosität und Schlafproblemen. Doch bei Überdosierung kann Baldrian zu Nierenproblemen, Bauchschmerzen und zittrigen Händen führen und Schlafprobleme sogar noch verschlimmern. Bierhefe hilft bei Hautproblemen. Wer aber meint "viel hilft viel" muss mit drastischen Nebenwirkungen rechnen, wie plötzlichen Migräneanfällen. Das allseits beliebte Johanniskraut steht unter Verdacht, bei falscher Einnahme extreme Nebenwirkungen zu entwickeln. Angefangen bei dauernder Müdigkeit, bis hin zu Halluzinationen und Psychosen.
 
Ginkgo-Baum
Die markanten Blätter des Ginkgo-Baums.

Auch Ginkgo-Präparate sind problematisch. Wird Ginkgo über längere Zeit zusammen mit bestimmten Schmerz- oder Rheumamitteln eingenommen, kann es zu spontanen Blutungen und Gerinnungsstörungen kommen. Außerdem kann Ginkgo den Abbau anderer Medikamente in der Leber verhindern. Im Extremfall droht totales Leberversagen! Also Vorsicht: Auch viele Naturpräparate sind Medikamente. Dem Rat "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" sollte man unbedingt folgen.
 

Platz 5: Radon - Gefährliches Giftgas im Haus

Es gibt Gifte, die lauern an ganz idyllischen Orten - zum Beispiel in Lindenfels im Odenwald. Die Rede ist von Radon, einem radioaktiven Gas. Man riecht es nicht und man spürt es nicht. Genau das macht es so gefährlich. Radon bildet sich im Boden, entweicht aus dem Erdreich, dringt durch undichtes Mauerwerk in den Keller ein. Von dort steigt es über das Treppenhaus ins Wohnzimmer, wird eingeatmet, dringt in die Lungen und kann Krebs erregen.
 
Wie wird Radon gemessen?
Der Geologe Ralf Klingel ist Radonsachverständiger und macht Jagd auf das Gift. Er hat schon mehr als 15.000 Radonmessungen in ganz Deutschland durchgeführt. Heute macht er die Stichprobe bei einem Haus in Lindenfels. Lauert auch hier das radioaktive Gift? Ein Radon-Messgerät kommt ins Wohnzimmer, eins in den Keller. Eine Woche lang wird gemessen, wie radonhaltig die Luft ist. Wie viel radioaktives Gift atmet der Hausbewohner Tag für Tag ein?
 
Schon ab 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft steigt das Lungenkrebsrisiko deutlich. Damit ist Radon - nach dem Rauchen - der zweitgrößte Risikofaktor für Lungenkrebs. Was zeigen die Messungen in Lindenfels im Odenwald? Eine Woche später. Überschreiten die Radonwerte den kritischen Wert 100?

Im Keller misst der Experte 1.360 Becquerel pro Kubikmeter Luft, mehr als das 13-fache! Im Wohnzimmer: 730. Sehr hohe Werte. Das Haus ist kein Einzelfall, in allen Teilen der Bundesrepublik gäbe es Häuser, in denen Radonwerte von mehreren Tausend Becquerel gemessen werden, sagt uns der Sachverständige Ralf Klingel. "Wir kennen persönlich aus unserem Umfeld Menschen, die an Lungenkrebs erkrankt sind, wo wahrscheinlich Radon die Ursache war. Wenn die Menschen gewusst hätten, dass Radon ein Problem ist, hätten sie sich darum gekümmert."
 
Wie kann man Radonausgasung vermeiden?
Worauf kann man achten, um die Gefahr durch Radon möglichst gering zu halten? Gerade in Risikogebieten gilt: bei Neubauten vorbeugend Radonfolien im Keller einziehen. Bei Altbauten sollte man Eintrittspfade für Radon schließen, Kellertüren abdichten und vor allem: häufig und intensiv lüften!
 

Platz 4: Algengifte können Muscheln belasten

Das nächste Gift kommt aus dem Meer. Wir schreiben das Jahr 1995: In den Niederlanden erkranken mehrere Menschen an einem bis dahin völlig unbekannten Nervengift. Sie alle hatten Muscheln gegessen. "Da war also großes Rätselraten, wo kommt die Erkrankung her? Wir haben keine der bekannten Gifte gefunden. Und relativ schnell stellte sich dann raus, dass wir eine ganz neue Substanzklasse an Toxin hier vorliegen haben", berichtet der Meeresbiologe Dr. Urban Tillmann vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven.
 
Woher kommt das Gift?
Doch woher stammt das Gift? Am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven suchen die Wissenschaftler nach dem Übeltäter. 2009 dann der Durchbruch: Mit modernster Technik kann Dr. Urban Tillmann eine winzige giftige Alge isolieren und später im Labor vermehren. Er nennt sie Azadinium spinosum und er ist überzeugt, sie wird kein Einzelfall bleiben. Immer wieder tauchen unbekannte Algengifte in Muscheln auf.
 
Zusätzlich besteht die Gefahr, dass bekannte Algen-Arten plötzlich neue oder andere Gifte produzieren. Gifte, die sich nicht abspülen und beim Kochen nicht zerstören lassen. Sie können beim Menschen Schwindel, Durchfall und Erbrechen auslösen oder im schlimmsten Fall Nerven- und Muskelzellen zerstören und lebensbedrohliche Atemlähmungen auslösen. Für die Muschel sind sie unschädlich.

Zum Glück werden Muscheln streng überwacht. Dafür ist es aber wichtig, dass Wissenschaftler ständig neue Algen und deren Gifte erforschen. Nur so bleiben die Lebensmittelwächter auf dem neuesten Stand und können Muschelliebhaber zuverlässig vor Vergiftungen schützen.
 

Platz 3: Kugelfisch - Mahlzeit mit Nervenkitzel

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"Fugu - Delikatesse mit Risiko"
von Udo Polmer
www.dradio.de
Dieser Fisch sieht grimmig aus - und er hat es in sich: der Kugelfisch - japanisch Fugu. In seinen Innereien steckt genug hochgiftiges Tetrodotoxin, um mehrere hundert Menschen zu töten. Dennoch: In Japan ist er eine Delikatesse. Wer sie aber vergiftungsfrei genießen möchte, sollte Ausschau nach einem geübten Koch halten, denn schon der kleinste Fehler bei der Zubereitung kann tödlich enden. Für Köche gibt es deshalb eine strenge staatliche Prüfung. Man muss nämlich wissen, welche Teile des Fischs giftig sind.

Koch muss sein Handwerk verstehen
Der Koch muss sein Handwerk beherrschen und äußerst vorsichtig zu Werke gehen. Wenn die Augen oder die Innereien beim Ausnehmen beschädigt werden, kann ihr Gift mit dem Muskelfleisch in Berührung kommen. Sollte der Koch im Innereiengewirr auch nur eine Kleinigkeit vergessen, wäre das ebenfalls tödlich.
 
"Die Vergiftung ist besonders tückisch, weil sie erst nach etwa einer Stunde eintritt und den Organismus lähmt. Man kann also nicht einmal mehr auf sich aufmerksam machen oder dem Notruf mitteilen, was man gegessen hat", erklärt Teruyuki Kojima, ein Koch der regelmäßig Kugelfische zubereitet. Deshalb werden die giftigen Teile sorgfältig auf ihre Vollständigkeit überprüft und im Sondermüll entsorgt. Schon ein bis zwei Milligramm Tetrodotoxin können für einen erwachsenen Menschen tödlich sein - und es gibt kein Gegenmittel.

Vermutlich produziert der Kugelfisch das Gift jedoch gar nicht selbst, sondern nimmt es über die Nahrung zu sich und reichert es im Körper an. Einen echten Feinschmecker stört das nicht. Er vertraut auf das Geschick des Kochs und genießt das Muskelfleisch roh - allerdings in kleinen Mengen. Aber aufs Sattessen kommt es beim Kugelfisch vermutlich ja auch gar nicht an.
 

Platz 2: Bärlauch sammel: Achtung Verwechselungsgefahr!

Der nächste Fall beginnt scheinbar harmlos. Frühjahr 2002: Eine Frau aus Süddeutschland sammelt Bärlauch, das beliebte Wildkraut mit dem Knoblaucharoma. "Also was man auf keinen Fall machen sollte ist ein reines Pflanzen sammeln rein nach Bildern aus dem Internet oder anderen Beschreibungen, wenn man sich nicht wirklich mit den Pflanzen auskennt", sagt der Arzt und Giftexperte Dr. Oliver Sauer. Denn Pflanzen kann man leicht verwechseln, den Bärlauch zum Beispiel mit der Herbstzeitlose und die ist giftig.

Bärlauch
Bärlauch, der wilde Verwandte des Knoblauch.


Auch die Frau aus Süddeutschland erkennt den Unterschied damals nicht. So geraten einige der gefährlichen Pflanzen in ihren Korb. Zuhause verarbeitet sie etliche der geschmacksneutralen Herbstzeitlosenblätter in einer Bärlauch-Suppe. Man könnte meinen das Kochen schwäche die Wirkung des gefährlichen Giftes. Doch ganz im Gegenteil, es löst sich dadurch noch besser aus der Pflanze.
 
Wie wirkt das Gift der Herbstzeitlosen im Körper?
"Oft fängt es damit an, dass es so im Mundbereich ein bisschen brennt oder die Zunge etwas brennt und Schmerzen im Mund und Halsbereich auftreten. Dann kommen eben im Magen-Darm-Beschwerden dazu, oft kommt es dann sogar zu schweren Durchfällen, die durchaus blutig sein können", erklärt Dr. Oliver Sauer. Der Körper der Frau aus Süddeutschland reagiert spät auf das Gift. Die Mahlzeit ist längst verdaut. Das tödliche Colchicin ist bereits in der Blutbahn - so kann sie es nicht mehr los werden.

"Das Gift der Herbstzeitlose hat so eine toxische Potenz, dass man sagen muss, allein wenn der Verdacht besteht, der begründete Verdacht besteht, dass davon was eingenommen worden ist, sollte man sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, beziehungsweise ins Krankenhaus gehen und da muss man dann eben weiteres sicher stellen und Maßnahmen ergreifen, um weitere Symptome zu verhindern", empfiehlt Sauer eindringlich.
 
Der Patientin in unsrem Fall blieb nur der Weg auf die Intensivstation. Ihr Fall zeigt, wie gefährlich das Gift ist: "Diese Patientin ist dann im weiteren, oder hat dann im weiteren Verlauf noch sehr viel schwerere Symptome entwickelt, sie hatte wirklich Kreislaufbeschwerden gehabt, und sie ist dann ins Koma gefallen und ist schlussendlich an dieser Vergiftung gestorben", berichtet uns Dr. Oliver Sauer. Die Herbstzeitlose: Eine Verwechslung ist gefährlich.

Der Rat vom Experten
Dr. Oliver Sauer rät deshalb Laien vom Bärlauch-Sammeln ab. Denn man muss sehr genau hinschauen. "Bei den Herbstzeitlosen, die Blätter kommen praktisch direkt, ohne Stil aus den Wurzelknollen heraus und damit praktisch aus der Erde herausgewachsen. Im Gegensatz dazu, beim Bärlauch, kommen die Blätter an einem Stil aus dem Boden herausgewachsen." Der knoblauchartige Geruch ist ein sicheres Erkennungszeichen für den Bärlauch. Doch wenn, zum Beispiel an Waldrändern Herbstzeitlose und Bärlauch nebeneinander stehen, sind sogar auch Profis oft unsicher.
 

Platz 1: Vorsicht beim Pilzesammeln!

Im Herbst streift Karin Geiger gerne durch den Bayerischen Wald - auf der Suche nach Pilzen. Und sie ist sicher: In ihrem Korb landet nur was sie ganz genau kennt: Steinpilze, Birkenpilze oder Rotkappen und die schmackhaften Stockschwämmchen. Dass die einen gefährlichen Doppelgänger haben, ahnt sie nicht. "Ich bin von klein auf - direkt am Waldrand aufgewachsen - und immer in die Pilze gegangen. Wir haben die immer genommen, also ich war mir hundertprozentig sicher - da hat's überhaupt keinen Zweifel gegeben", erzählt Karin Geiger.
 
Erste Symptome erst zwölf Stunden später
Die Ausbeute an diesem Tag ist gut - Karin Geiger hat besonders viele der vermeintlichen "Stockschwämmchen" gefunden. Zum Abendessen macht sie daraus eine Pilzpfanne - eine beinahe mörderische Mahlzeit. Doch das bemerkt sie erst zwölf Stunden später. "Gegessen hab ich es ja abends, so gegen 20:00 Uhr und dann war alles in Ordnung. Ich bin am nächsten Tag zur Arbeit, um 6:00 Uhr angefangen - hab nichts bemerkt. Und um 8:00 Uhr die erste Pause und a bisserl was getrunken und da wurde es mir sofort schlecht. Hab mich dann übergeben müssen - und dann ging's gleich weiter mit Durchfall und das hörte nicht mehr auf."
 
Statt Stockschwämmchen hat Karin Geiger Gift-Häublinge erwischt. Die enthalten dasselbe Gift wie der Knollenblätterpilz. Mit schweren Vergiftungserscheinungen wird sie ins Münchner Klinikum Rechts der Isar eingeliefert. Ihre Leberwerte verschlechtern sich, die Entgiftung schlägt nicht an. Karin Geiger schwebt in Lebensgefahr. Sie braucht eine neue Leber. Eine Transplantation rettet sie.

Früher starb an dieser Art der Pilzvergiftung noch jeder fünfte Patient! Karin Geiger hatte Glück, doch seit der Transplantation ist sie arbeitsunfähig, hat mit ihrem Spenderorgan oft Probleme.
 
Welcher Pilz steckt hinter einer Vergiftung?
Das wird im toxikologischen Labor untersucht. Gut ist wenn Pilzabfälle oder Essensreste vorliegen. Dann gelingt es den Experten meist schnell, die Ursache zu ermitteln.
Ein großes Problem, wenn Laien sammeln ist, dass sich oft hartnäckig veraltetes Wissen hält. Einige Giftpilze galten früher irrtümlicher Weise sogar als essbar: der "Kahle Krempling" zum Beispiel. Er kann tödliche Allergien auslösen. Doch lange wurden Todesfälle nicht mit ihm in Zusammenhang gebracht.

Kein Einzelfall: Vorsicht also bei älteren Fachbüchern! Denn darin können Giftpilze noch als leckere Speisepilze beschrieben sein. Und es drohen weitere Gefahren: Zuwanderer-Pilze. Durch den Klimawandel wachsen neue, wärme liebende Arten neben altbekannten Exemplaren. Zum Beispiel ein kleiner Trichterling. Der sieht manchen Speisepilzen ähnlich. Er ist aus Nordafrika eingewandert, erst mal nach Spanien, dann nach Italien - inzwischen ist er schon in Österreich bei Wien gefunden worden und er hat mit das schlimmste Vergiftungsbild, das man sich vorstellen kann - bis zu einem halben Jahr Dauerschmerzen, die so stark sind, dass man an den Schmerzen sterben kann.
 
Jedes Jahr kommt es in der Pilzsaison zu zahlreichen Vergiftungen. Oft mit fatalen Langzeit-Folgen. Karin Geiger wagt sich mittlerweile wieder ans Sammeln - doch nun beschränkt sie sich auf fünf Pilzarten, von denen es ganz sicher keine tödlichen Doppelgänger gibt.
 

Information

Giftinformationszentrum der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen
Klinische Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
Giftnotruf: 06131 19240
Mail: mail@giftinfo.uni-mainz.de
Internet: www.giftinfo.uni-mainz.de
Tipp bei Vergiftungsgefahr:
Wenn Sie befürchten, dass Sie sich vergiftet haben, sollten Sie direkt einen Arzt aufsuchen oder die Giftnotrufzentrale anrufen.

Zusammengestellt von: Carsten Schollmann
 
Redaktion: maho / nago
Letzte Aktualisierung: 18.07.2013, 10:01 Uhr
 
 

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Sendezeit

Mittwoch, 21:00 Uhr
 

Moderator

 

So geht's

Gewinnspiel

Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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