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Nachgestellte Szene. (Bild: hr/NDR/docstation)
Nachgestellte Szene.

Dokumentation

Wenn Frauen morden (3) - Das "Blaubeer-Mariechen"

Dienstag, 30. Dezember 2014, 22:45 Uhr
Eine Frau mittleren Alters geht 1983 in Mönchengladbach zur Polizei. Den Kriminalbeamten erzählt sie, sie sei gerade dabei, sich von ihrem Mann zu trennen, und die Schwiegermutter habe ihr gedroht, es könne ihr so ergehen wie ihren Männern. Die habe die Schwiegermutter wahrscheinlich vergiftet.
 
Die Kriminalbeamten denken zunächst, die Frau wolle nur ihre Familienstreitigkeiten mit Hilfe der Polizei austragen, denn die Geschichte scheint reichlich unglaubwürdig. Allerdings ist da auch die Rede von einer gefälschten Unterschrift des letzten Ehemanns bei der Bank, und das kann man einfach nachprüfen. Eine Untersuchung der Unterschrift ergibt: Sie ist tatsächlich gefälscht.

Nur sehr widerstrebend stimmt der Staatsanwalt einer Exhumierung des Toten zu, und tatsächlich findet der Toxikologe im Magen der Leiche Reste von Thiophosphorsäure, des Wirkstoffs in dem bekannten Pflanzengift E 605. Die Verdächtige wird vorgeladen, eine biedere alte Frau, bekannt als gute Mutter von sechs Kindern. Nach längerem Verhör gesteht sie, zwei Ehemänner und einen Lebensgefährten mit Gift umgebracht zu haben.
 
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Neun Tage später legt sie überraschend nach und macht reinen Tisch: Anfang der sechziger Jahre hat sie schon ihren Vater mit vergiftetem Blaubeer-Pudding umgebracht, als der tyrannische Mann zum Pflegefall wurde und ihr Familienleben bedrohte. Genauso erging es später einer alleinstehenden Tante, die die Mörderin in die Familie aufgenommen hatte. Als die Frau pflegebedürftig wurde, musste sie sterben.

Die beiden Ehemänner und der Lebenspartner waren penibel und herrschsüchtig, drohten sich sexuell an den Kindern oder Enkeln zu vergehen oder waren kurz davor, die von der Täterin begangenen Unterschlagungen aufzudecken. Das verschwundene Geld war den Kindern der Täterin zugute gekommen.

Der Fall erregt großes Aufsehen. Im Sommer 1983 steht das "Blaubeer-Mariechen" in Mönchengladbach vor Gericht und wird zu lebenslänglich mit Feststellung schwerer Schuld verurteilt.

Ein Film von Ute Bönnen und Gerald Endres.
 
Redaktion: maho
Letzte Aktualisierung: 15.12.2014, 16:53 Uhr
 
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