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Alles Wissen, Pizza, Kohlenhydrate (Bild:  colourbox.com)
Statt Pizza lieber Obst, Gemüse, Nüsse mageres Fleisch und Fisch essen.

Kostspielige Kohlenhydrate

Weg mit den Kohlenhydraten – Essen für Diabetiker

Duschen, Heizung, Medikamente - Vieles hat sich seit der Steinzeit für den Menschen verbessert. Zwei Dinge haben unsere Vorfahren allerdings besser gemacht: Ernährung und Bewegung. Viel Obst, Gemüse und mageres Fleisch, viel Bewegung, wenig Kohlehydrate. Mit einer solchen Lebensart kann die Zivilisationskrankheit Diabetes eingedämmt werden.
 

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25.07.2012, 21:00 Uhr
Video: Weg mit den Kohlenhydraten - Essen für Diabetiker 7:50 Min
(© hr | alles wissen, 25.07.2012)

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Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus ist auf dem Vormarsch. In Deutschland sind rund 8 Millionen Menschen davon betroffen. Ca. 90 Prozent leiden dabei an Diabetes Typ 2, früher auch als Altersdiabetes bezeichnet. Doch inzwischen sind immer mehr jüngere Menschen von dieser Erkrankung betroffen.

Auch Helmut Richter leidet seit 10 Jahren an Diabetes Typ 2. Seit ca. 5 Jahren muss der 54-jährige Insulin spritzen, mit steigender Dosierung und zunehmenden Beschwerden. Er beschloss, sein Leben zu ändern, die Wende sollte eine Kur bringen. Dort wurde ihm Bewegung verordnet und eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten.

Nach drei Tagen wurde das Insulin abgesetzt, Helmut Richter war fassungslos:
"Ich konnte das anfangs gar nicht glauben, dass das funktioniert, ich hab gedacht, ich sterbe."
 

Leben ohne Insulin?

alles wissen, gemüse  (Bild:  colourbox.com)
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Ein Lob an das Gemüse: Paprika & Co. halten fit und schlank.
Wie kann das sein, dass er nun ohne Insulin leben kann? Sind es etwa die Kohlenhydrate, die krank machen? Sind sie tatsächlich schlecht für Diabetiker? Was sind eigentlich Kohlenhydrate?
Die Grundbausteine der Kohlenhydrate sind einfache Zucker. Stärke, wie sie etwa konzentriert in Brot und Kartoffeln vorkommt, wird im Körper zu Traubenzucker abgebaut.
Die Fachgesellschaften für Diabetes empfehlen einen Anteil dieser zuckerhaltigen Lebensmittel an der Ernährung zwischen 45 und 60 Prozent. Doch inzwischen mehren sich Zweifel an dieser Empfehlung. Ausgelöst unter anderem durch eine neue Richtung in der Medizin – der Evolutionsmedizin. Deren Vordenker in Deutschland, der frühere Vorstand der Charité in Berlin, geht davon aus, dass wir uns nicht zu weit von unserer ursprünglichen Natur entfernen dürfen: "Wir müssen uns klar machen, dass die Hominiden vor mehr als 20 Millionen Jahren entstanden sind. Das was wir an Ernährungsgewohnheiten und an Mechanismen der Verarbeitung von Nahrung im Magen-Darm Kanal haben, ist ganz alt. Unsere Biologie ist so alt, wie die Evolution der Menschen alt ist."
Unsere Vorfahren haben sich zu einem weit geringeren Anteil von Kohlenhydraten ernährt als wir heute. In Afrika, der Wiege der Menschheit, wurde gegessen, was gesammelt und erjagt werden konnte – etwa Früchte und Fleisch. Erst vor etwa 10 000 Jahren änderte sich der Speiseplan - mit Beginn des Getreideanbaus. Das ist für die Evolution eine kurze Zeit. Genetisch gesehen sind wir noch Jäger und Sammler.
 

Was passiert, wenn wir Kohlenhydrate essen?

 (Bild:  picture-alliance/dpa)
Kohlenhydrat-reiche Nahrung, wie Pommes Frites, lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen.
Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Die Bauchspeicheldrüse schüttet das Hormon Insulin aus. Es dockt an die Oberfläche von Muskel- und anderen Zellen an. Dadurch kann der Zucker in die Zelle gelangen und bei Bewegung verbraucht werden. Bei Diabetes Kranken funktioniert das jedoch nicht. Beim Diabetes Typ I produziert die Bauchspeicheldrüse durch eine angeborene Störung kein oder nur sehr wenig Insulin.

Bei Diabetes Typ II, der fast ausschließlich bei Übergewichtigen auftritt, werden die Andockstellen für Insulin unempfindlicher. Immer mehr Insulin wird ausgeschüttet - trotzdem gelangt immer weniger Zucker in die Zellen. Der Zucker bleibt im Blut und schädigt den Körper. Häufig bildet die Bauchspeicheldrüse so lange Insulin, bis sie erschöpft aufgibt. Das Insulin muss nun von außen zugeführt werden.
Helmut Richter musste zuletzt bis zu 100 Einheiten Insulin spritzen. Das ist das Dreifache von dem, was die Bauchspeicheldrüse eines gesunden Menschen an Insulin produziert.
Der behandelnde Arzt in der Rehaklinik Überruh in Isny, Dr. Peter Heilmeyer, kennt viele solcher Fälle. Denn: Auch das von Diabetikern gespritzte Insulin führt dazu, dass die Zellen immer unempfindlicher werden. Und nicht nur das: "Es kommt immer dazu, dass höhere Dosen gebraucht werden. Und höhere Dosen von Insulin bedeuten verstärkte Gerinnungsneigung und höhere Entzündungsneigung. Und diese beiden Faktoren führen zu Gefäßverschlüssen. Herzinfarkt und Schlaganfall sind typische Komplikationen beim Diabetes. Ebenso wie Verschlüsse an anderen Arterien, die dann z. B. zu Beinamputationen führen."

Um das zu verhindern, setzt man in der Rehaklinik Überruh auf eine Ernährung, die auf konzentrierte Kohlenhydrate weitgehend verzichtet, entsprechend der sogenannten LOGI-Methode. Ein bisschen, wie in der Steinzeit, mit einigen Anpassungen an die moderne Zivilisation.

Wichtig bei dieser Ernährung sind neben viel Obst und Gemüse, hochwertige Öle, Fleisch, fetter Fisch, Nüsse und Milchprodukte. Denn Fett und Eiweiß ersetzen einen Großteil der Kohlenhydrate. Diese haben dann nur noch einen Anteil an der Nahrung von 20 bis 30 Prozent.
 

Was passiert, wenn wir wenig Kohlenhydrate essen?

Eine zweite Meinung ist gefragt, daher wird Prof. Andreas Pfeiffer von der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité in Berlin zu Rate gezogen.
Zwar stimmt er zu, dass sich die Blutzuckerwerte bei weniger Kohlenhydraten verbessern. Er gibt aber zu bedenken: "Dann stellt sich noch die Frage, ob das langfristig gesund ist, wenig Kohlenhydrate zu essen? Also ist das gut für die Gefäße? Ist das gut für das Herz? Hat man damit weniger Herzinfarkte? Und die Diabeteskomplikationen, also die Probleme an Augen, Nerven, Nieren, die es häufig gibt, lassen die sich mindern? Das sind Fragen, die lassen sich tatsächlich nur beantworten, wenn man Menschen über zwanzig, dreißig, vierzig Jahre, also bis zum Tod beobachtet. Und solche Zahlen fehlen uns. Wir haben da keine guten Daten."

Die gibt es für die kohlenhydratreichere Ernährung aber auch nicht in großem Umfang. Wie kam es dann zu der Empfehlung, viele Kohlenhydrate zu essen? Prof. Pfeiffer: "Die Ernährungsempfehlungen haben sich über die Jahre entwickelt. Sie waren anfangs geprägt von der Angst vor hohen Cholesterinwerten. Man hat damals entdeckt, dass Kohlenhydrate zu einem niedrigeren Cholesterin führen. Mittlerweile hat man viel dazugelernt. Und man ist deshalb von den ursprünglich sehr kohlenhydratreichen Ernährungsformen wieder weggekommen."

Neuere Empfehlungen für Diabetiker bewegen sich im Bereich zwischen 40 und 55 Prozent Anteil der Kohlenhydrate an der Ernährung. Ein Grund: So können Diabetiker auch ihre gewohnte Nahrung essen – ohne sich grundlegend umzustellen. Denn das fällt vielen schwer.
 

Steinzeit für Zivilisationsgeschädigte

 (Bild:  picture-alliance/dpa)
Steinzeitmenschen waren als Jäger und Sammler ständig in Bewegung.
So viel ist aber klar: Unsere „normale“ heutige Ernährung und auch Lebensweise entspricht so gar nicht der ursprünglichen. Daher kann bei Zivilisationskrankheiten der Blick auf unsere Ursprünge nicht schaden, so der Evolutionsmediziner Prof. Ganten: "Bei unseren Vorfahren war die Nahrungssuche und die Bereitstellung der Nahrung für die großen Familien eine der Hauptaufgaben der Betätigung. Das war harte Arbeit, da musste vor den großen Tieren weggelaufen werden und hinter den kleinen Tieren lange Strecken hinterher gelaufen werden, um sie zu erjagen."

Die Kombination aus Bewegung und ursprünglicherer Ernährung ist dann auch das Erfolgsrezept in der Rehaklinik Überruh. Dr. Heilmeyer: "Etwa bei der Hälfte unserer Patienten können wir nach etwa drei Tagen das Insulin komplett absetzen. Die andere Hälfte braucht nur noch ein Langzeitinsulin in einer deutlich niedrigeren Dosis als vorher."

Bewegung ist für Diabetespatienten unglaublich wichtig. Schon moderater Sport und eine geringe Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm verbessern Wohlbefinden und Blutwerte. Sport anstelle früher langer Wege beim Sammeln oder der anstrengenden Jagd. Ein bisschen Steinzeit mit großer Wirkung.
Helmut Richter fühlt sich fit wie seit langem nicht mehr. Er hat sich inzwischen an die kohlenhydratarme Kost gewöhnt und will nicht aufgeben: "Die bisherigen Erfolge motivieren mich zweifelsohne, das auch zu Hause weiter zu machen. Allein die Ergebnisse, dass ich kein Insulin mehr zu mir nehmen muss, die Medikamente sich reduzieren, ist Motivation, die mir völlig ausreicht."

Angenehmer Nebeneffekt: Weniger Kohlenhydrate lassen auch die überflüssigen Pfunde schmelzen, das Leben ist wieder leichter.
 
Redaktion: mina / maho
Letzte Aktualisierung: 26.07.2012, 10:12 Uhr
 
 

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Sendezeit

Mittwoch, 21:00 Uhr
 

Vorschau

Video: Wasser aus Wasserspendern im Test 14 Sek
(hr | Trailer, 19.06.2013)

 

So geht's

Gewinnspiel

Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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