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Interview mit Karl Garff

Quetschlaut und Kachtoffelsuppe

Karl Garff (Bild:  hr)
Der Kasseler Kabarettist Karl Garff spielt den Butler James
"Wir wollten eine eigenständige Fassung schaffen", erklärt Karl Garff, "denn das Original ist ohnehin so genial, dass man es nicht nachmachen kann." Der Kasseler Kabarettist hat den Text des berühmten Sketches ins Nordhessische übertragen – mit sehr eigener Note. Der hr hat den Kultsketch im hr-Studio Kassel aufgezeichnet und zeigt ihn an Silvester im hr-fernsehen.
 
Miriam Schaefer: Wie haben Sie spontan reagiert, als Sie vom "Dinner for One auf Nordhessisch" hörten?

Karl Garff: Darauf, dass ich die Hauptrolle selbst spielen sollte, war ich erst gar nicht eingestellt, damit habe ich mich erst später angefreundet (lacht). Sofort gereizt hat mich aber die Textarbeit, denn mir war klar, dass man die Vorlage nicht einfach übersetzen kann. Deshalb wollte ich aus den Pfeilern der Erinnerung eine hiesige Version schreiben, wollte eigene Akzente setzen, etwas Neues schaffen.
 

Was war dabei die größte Herausforderung?

Karl Garff: Anspruchsvoll war, die Balance zu halten zwischen dem, was die Menschen erinnern, also der bekannten Struktur, und den nordhessischen Eigenheiten. Außerdem musste auch das Verhältnis zwischen der Dialektaussprache des Butlers und der Welt von Fräulein Sophie stimmen. Denn nach meinem Verständnis spricht sie kein Nordhessisch, sie zitiert es höchstens oder verwendet bewusst einzelne Worte. Es galt, eine doppelte Balance zu finden – daran haben wir gemeinsam mit dem Team bis zur letzten Minute gearbeitet.
 

Wie viel Neues enthält Ihre Variante?

Butler James serviert "einheimische Speisen". (Bild:  hr)
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Butler James serviert "einheimische Speisen".
Neu sind die Speisen, wie "Weckewerk mit wunnerbar gewürztem Gehacktem und fein zertrümmerten Schwartenanteil"! oder "Kachtoffelsuppe mit Schmand und Speckstückerchen", sowie die Getränke. So serviert der Butler einen "Baunataler Schweißtröpfchen Gabinett" und "Herkules Sekt". Außerdem ziehen sich einzelne Signalwörter als Running Gags durch das Stück, "mahmähdoch" beispielsweise. Das sind Ausdrücke, die die Menschen hier auch wirklich benutzen, denn den Dialekt spricht kaum noch jemand in Reinkultur.
 

Was macht diese Mundart denn aus?

Eigentlich ist Nordhessisch kein klassischer Dialekt, es gibt keinen fest definierten Sprachraum, wie man ihn vom Südhessischen oder Badischen kennt. Beim Nordhessischen sind die Grenzen verschwommen. Es ist dieser Tonfall, der alles Gesprochene wie ein roter Faden durchzieht: Ich nenne ihn den "nordhessischen Quetschlaut". An ihm erkennt man sofort, ob jemand aus dem Landkreis Kassel kommt...
 
Die Rolle des Butlers zeichnet sich durch Präzision und den richtigen Zeitpunkt aus. (Bild:  hr)
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Die Rolle des Butlers zeichnet sich durch Präzision und den richtigen Zeitpunkt aus.
Freddie Frinton verfügte über eine legendäre Körperbeherrschung. Hatten Sie Berührungsängste bei dieser Rolle?

Ja, ich hatte großen Respekt. Nicht, weil die Schauspielerei für mich neu wäre, da habe ich bereits etliche Erfahrungen gesammelt. Aber von Haus aus bin ich Kabarettist, mein Spielraum auf der Bühne umfasst zwei bis drei Quadratmeter. Die Rolle des Butlers aber lebt von der Bewegung, vom richtigen Zeitpunkt, es gibt wahnsinnig viel zu beachten: Wann muss man stolpern, wann darf man nicht? Wer bekommt wann was serviert?

Dies mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit zu spielen, musste ich erst trainieren. Ohne unseren Regisseur Heinz Kraehkamp hätte ich das nicht geschafft. Er ist ja selbst Schauspieler, hat sogar eine Stuntmen-Ausbildung, und hat mir unheimlich viel Bewegungsdetails beigebracht.
 

Wie viel hat der Butler von Ihnen?

Ein Großteil des Textes ist von mir, er hat meine Mimik und natürlich meinen "Quetschlaut"… Wir haben intensiv an der Rolle gearbeitet, ich habe viele wertvolle Anregungen bekommen, die ich aufgegriffen habe, bei einigen Ideen habe ich meinen Kopf durchgesetzt – insgesamt steckt viel von mir in der Figur.

Dass das Stück überhaupt so funktioniert hat, habe ich neben Heinz Kraehkamp auch dem Redakteur Bernd Meyerholz, meiner Kollegin Eva-Maria Keller und natürlich Hubertus Meyer-Burckhardt zu verdanken. Er hat das Publikum in seiner Einleitung wunderbar "aufgewärmt" und etwaige Skrupel gegenüber dieser Neufassung ausgeräumt.
 

Und warum lohnt es sich auch für Nicht-Nordhessen, das Stück zu schauen?

Weil ich überzeugt bin, dass uns ein schöner, komödiantischer Sketch gelungen ist, der in allen Breiten verständlich ist und den alle mit Vergnügen sehen werden.


Das Interview führte Miriam Schaefer.
 
Redaktion: maho
Bilder: © hr (3)
Letzte Aktualisierung: 27.12.2011, 14:02 Uhr
 
 

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Tipp

Dinner for One - Alles zum Kult-Sketch

Umfangreiches Special des NDR zum Silvester-Klassiker. [NDR]
 

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Karl Graff bei "hallo hessen"

Er ist der Autor von "Dinner for one auf Nordhessisch" und spielt auch die Rolle des Butlers. [mehr]
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