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Mann hält Schüssel mit Chips auf dem Schoss (Bild:  colourbox.com)

Umstrittene Gesundheitspolitik

Steuer auf ungesunde Lebensmittel

Ein Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen empfiehlt, dass reiche Industrieländer eine Steuer auf ungesunde Lebensmittel einführen könnten, um vor ihrem Kauf abzuschrecken.

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6.06.2012, 21:00 Uhr
Video: Steuer auf ungesunde Lebensmittel 5:27 Min
(© hr | alles wissen, 06.06.2012)
Sollte der Staat bald abkassieren für Lebensmittel wie Butter Zucker und Salz? Das wird zumindest diskutiert, wenn auch sehr kontrovers. Ein entschiedener Befürworter für Steuern auf als ungesund geltende Lebensmittel ist Prof. Dr. Thomas Danne: "Wir haben mit der Fettsteuer oder mit der Einschränkung zuckerhaltiger Getränke ein wirksames Mittel in der Hand, um Kinder und Erwachsene zu einem gesünderen Lebensstil zu erziehen," erklärt der Diabetologe und Leiter des Kinderkrankenhauses auf der Bult Hannover im Interview.

Der Vorschlag ist ernst gemeint. Steuern auf ungesunde Lebensmittel - das fordert sogar die Weltgesundheitsorganisation. Aber was halten die Verbraucher davon?
 

2 Euro Aufschlag

Mit versteckter Kamera wollen wir das in einem hessischen Supermarkt testen. Wir führen quasi über Nacht eine neue Steuer ein. Süß, salzig oder fettig, das kostet heute extra. Auf Plakaten informieren wir die Kunden über unsere erfundene Steuer ganz genau.

Wegen einer angeblichen "Übergangszeit," in der die Neuauspreisung "ungesunder" Lebensmittel noch nicht vollzogen sei, fordern wir pauschal 2 Euro Aufschlag auf "Ungesundes". Das macht "Kassiererin Kathrin". Sie ist eigentlich Schauspielerin und schlägt sofort zu, wenn Kunden zu süß, zu salzig oder zu fettig einkaufen.
 

Beispiele Frankreich und Dänemark

Unser Feldversuch beginnt, während die versteckten Kameras laufen. Die ersten Reaktionen sind eindeutig ablehnend. "Was soll das denn sein, ungesunde Lebensmittel?" fragt eine Frau. "Das ist eine Frechheit", sagt eine andere und ein Mann moniert: "Das ist ganz schön viel!"

Ganz schön viel, aber keineswegs eine neue Erfindung von uns. Steuern auf ungesunde Lebensmittel, das gibt es schon, zum Beispiel in Frankreich. Dort wird bei süßen Getränken zur Kasse gebeten. Rund 35 Prozent teurer sind dort nun die Limonaden. Seltsamerweise wurden auch gleich die Preise für Light-Getränke erhöht.

Dänemark hat als erstes Land der Welt eine Fettsteuer eingeführt. Etwa 10 Prozent mehr zahlt man jetzt für Butter, Käse oder Wurst. Und das alles soll der Gesundheit dienen? Ja, sagt Steuer-Befürworter Thomas Danne: "Dänemark hat uns vorgemacht, dass man mit Einführung einer Fettsteuer tatsächlich den Konsum von Fett entsprechend der Preiserhöhung reduzieren kann."

Erste Auswirkungen der Fettsteuer lassen sich bereits messen: Für jedes Prozent Steuererhöhung werden dort 0,3 Prozent weniger fettreiche Produkte gekauft. Wollen wir so etwas auch in Deutschland?
 

"Unmögliche Bevormundung"

Die von uns mit versteckter Kamera beobachteten Kunden bewerten die neue Steuer überwiegend ablehnend: "Die wissen schon, wie sie an unser Geld kommen," sagt eine Frau und weiter: "Wer beurteilt denn, was ungesunde Lebensmittel sind?"

Ein Mann ist sichtlich erbost und erklärt, nachdem wir ihn aufgeklärt haben, dass alles nur ein Experiment sei: "Es muss Aufklärung betrieben werden, was jeder vernünftigerweise essen sollte, was gesund ist und was nicht. Aber das kann man einem mündigen Bürger nicht einfach vorschreiben." Eine aufgebrachte Kundin bringt auf den Punkt, was sehr viele äußern: "Das ist eine unmögliche Bevormundung!"

Thomas Danne hält dagegen: "Bevormundung haben wir ja in vielen Bereichen des Lebens. Es gibt 30-Kilometer-Zonen in Städten, da könnte man auch sagen: Es reicht völlig aus, wenn ich sage, hier ist ne Schule und jeder fährt langsam. Das gibt es leider nicht, wir sind leider so und auch ich zähle mich zu diesen Menschen, denen man gewisse Regeln vorgeben muss für das richtige Verhalten. Eine gewisse Leitlinie kann eine solche Steuer darstellen."

Doch hinkt der Vergleich nicht? Denn wer sich zu schnell im Straßenverkehr fährt, gefährdet vor allem andere. Doch trifft das auch auf den zu der zu viel isst? Für eine Frau in unserem Supermarkt wären die neuen Steuern ein ganz anderes Problem: "Das kann ich nicht, ich hab so viel Geld nicht, ich kriege eine ganz kleine Rente," sagt sie mit verzweifelter Stimme und legt die Flasche mit der süßen Limonade auf das Kassenband zurück. "Bitteschön!"

Dann zahlt sie ihren restlichen Einkauf. Sieht sie so aus, die künftige "Erziehung" durch Steuern? Wer sich "ungesund" ernähren will wird bestraft?

Eine junge Frau findet die Steueridee eigentlich gar nicht so schlecht, wie sie uns später im Interview erzählt: "Aber wer bestimmt eigentlich, dass das Eine gesund ist und das Andere nicht?"
 

Wie "böse" sind Fett, Zucker und Salz?

Sind Fett, Zucker oder Salz wirklich geeignet, um zu beurteilen wie gut oder schlecht ein Lebensmittel ist? Verlässliche Studien dazu fehlen bislang. Überrascht waren Fachleute aber über eine aktuelle Studie aus Großbritannien. Dort wollte man salzige Lebensmittel besteuern und salzarme fördern. Doch die Untersuchung zeigte: Auch zu wenig Salz ist ungesund. Das Risiko für Herzerkrankungen nahm bei Menschen die wenig Salz aßen genau so stark zu wie bei denen, die zu viel davon konsumierten.

Thomas Danne fordert trotzdem die Besteuerung von Fett, Zucker und Salz: "Wir wissen, dass Salz, Fett und Zucker als Geschmacksträger und Geschmacksverstärker sehr attraktiv sind, besonders bei der Fastfood-Industrie. Das führt aber dazu, dass wir sehr energiereiche, sehr dichte Lebensmittel in viel zu großer Menge zu uns nehmen und dann gleichzeitig noch mit viel süßer Limonade wegen dem hohen Salzgehalt hinunterspülen. Wir hoffen natürlich auch, dass wir mit einer solchen Fettsteuer zum Beispiel erreichen, dass die Menschen mehr zu Gemüse und Obst greifen."
 

Präventionssteuer könnte funktionieren

Hier im Supermarkt-Experiment konnten wir das natürlich noch nicht feststellen. Ob jetzt mehr Gemüse gekauft wird oder wie in Dänemark nur weniger Fett, wird sich erweisen. Klar ist aber das Ergebnis unseres Experiments. Eine Präventionssteuer würde schon funktionieren.

Denn auch wenn niemand der rund 20 Leute, die wir mit unserer fiktiven Steuer konfrontierten, damit zufrieden war, gezahlt haben sie alle - bis auf eine Kundin. Die war richtig sauer und gab ihren gesamten Einkauf zurück.

Autor: Wolfgang Zündel
 
Redaktion: almu / anwa
Letzte Aktualisierung: 6.06.2012, 22:19 Uhr

Ihr Beitrag

Was halten Sie von einer Steuer auf ungesunde Lebensmittel???

Biller am 13.06.2012 07:42
Finde ich zum KOTZEN !!!
Jetzt reichts!
Noch mehr Bevormundung in diesem Staat!?
wann darf man was noch selbst entscheiden??? ... [+]
Manu am 12.06.2012 13:17
Ich halte davon gar nichts, weil es doch am Ende wieder nur die Armen trifft, denn immer dann wenn irgendetwas über das Geld gelöst werde... [+]
elke herter am 11.06.2012 18:45
ich halte nichts davon hier geht es doch nur um abzocke und was wollen die uns denn noch vorschreiben es ist doch jeder für sich selbst verant... [+]
Alberta am 11.06.2012 17:27
Bevor hochwertige Grundnahrungsmittel mit einer Steuer belegt werden, sodass sie für manche Mitbürger noch unerschwinglicher werden, soll... [+]
 
 
 

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Mittwoch, 21:00 Uhr
 

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Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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