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Zillertaler Alpen (Bild: hr/Filmproduktion Mainz Friedrich Bach)

Tauender Permafrost

Gefährdet der Klimawandel Alpenbesucher?

Felsstürze, Murenabgänge, Lawinen und Hochwasser. Solche Extremereignisse hat es in den Alpen immer gegeben. Doch durch den Klimawandel nehmen sie zu. Die Alpenbewohner müssen sich darauf einstellen.
 

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11.07.2012, 21:00 Uhr
Aber was bedeutet das für die Alpenbesucher, womit müssen sie rechnen? Wir sind an der Gießener Hütte in den Hohen Tauern in Österreich. Die hessische Sektion des Deutschen Alpenvereins betreibt die Hütte seit 1913. Mehrere Mitglieder sind gerade hier.
 

Gletscher schrumpft

Hütte mit Gletscher im Hintergrund (Bild: )
Der Gletscher oberhalb der Hütte wird jedes Jahr kleiner.
Gemeinsam wollen wir bei einer Wanderung herausfinden, mit welchen Veränderungen man hier kämpfen muss. Das Auffälligste - der Gletscher oberhalb der Hütte wird jedes Jahr kleiner. Besonders deutlich wird das durch ein Foto von 1987, das in der Hütte an der Wand hängt. Der Gletscher scheint seit damals zwei Drittel an Fläche verloren zu haben.

Hüttenwirt Otmar Baier spürt solch Auswirkungen ganz konkret. Denn je mehr der Gletscher schmilzt, desto weniger Wasser kommt im kleinen E-Kraftwerk an, das zur Hütte gehört und den Strom produziert. An trockenen Herbsttagen kommt es bisweilen zu Strommangel, weil dem wasserbetriebenen Generator schlicht der Antrieb fehlt.

Dabei ist die Gletscherschmelze nur ein Teil einer unsichtbaren und unheimlichen Veränderung. Denn die Berge selbst tauen auf. Der gefrorene Fels in den Regionen über 2500 Metern. Dauergefrorenes Gestein, so genannter Permafrost reicht oft hunderte Meter tief in den Berg. Taut er, wird der Berg instabil, Gestein bricht ab.
 

Felsabbruch

Deshalb und wegen der üblichen Geröllbewegungen überprüfen die Besucher von der Gießener Sektion regelmäßig den Zustand von Wegen und Steigen rund um die Hütte. Wir begleiten sie auf solch einer Wanderung. Bereits nach zehn Minuten Gehzeit weist uns der Hüttenwirt auf einen Felsabbruch hin, der mehrere hundert Meter oberhalb am Berg zu sehen ist.

Die frische Abbruchkante leuchtet gelblich zerklüftet in der Sonne. „Dort an der Abbruchstelle sind wir früher als Kinder rumgeturnt, ohne uns was dabei zu denken“, erzählt Otmar Baier und blickt auf den Fels an dem die riesige Abbruchkante zu sehen ist. Er ist hier aufgewachsen. Schon seine Eltern und Großeltern waren Wirte auf der Gießener Hütte. Rund um die Hütte kennt er jeden Stein.

Als Hüttenwirt ist man ausgebildeter Bergführer, Ersthelfer und Allroundtalent. Die Gästebetreuung ist nur ein Teilgebiet der Aufgaben, die die Familie Baier hier während der Sommermonate übernimmt. Von Anfang Juli bis Ende September dauert die Saison. Danach wird die 2215 Meter hoch gelegene Hütte geschlossen.
 

Zweiter See entstanden

 (Bild: )
Dort wo früher nur ein Gletschersee war, haben sich mittlerweile zwei Seen gebildet.
Eine dreiviertel Stunde später erreichen wir den Gletschersee. Auch hier sieht man gravierende Veränderungen. Dort wo früher nur ein Gletschersee war, haben sich mittlerweile zwei Seen gebildet. „Auch in der Landkarte war stets nur einer eingezeichnet,“ meint Otmar Baier im Interview. „Man erkennt ganz genau, so wie der zweite See jetzt entstanden ist, ist auch der Permafrost immer mehr aufgetaut.“

Doch der vergangene Winter war hart und lang – zum ersten Mal seit vielen Jahren stoppte das Schmelzen. Man sieht sogar neue Schneefelder, die den Gletscher wieder wachsen lassen. Gibt es vielleicht doch noch eine Trendwende?
 

Permafrostfund im Bergwerk?

 (Bild: )
Ob unter dem gefrorenen Kondenswasser Permafrost ist, kann man nicht genau erkennen.
Wir wollen es genau wissen und treffen Manfred Scheuerman. Er sichtet für den Deutschen Alpenverein Permafrostgebiete, sammelt Informationen über die Sicherheit hochalpiner Routen. Hier in einem seit 1945 verlassenen Bergwerk in den westlichen Zillertaler Alpen soll es Permafrost geben. Der 17-jährige René Lanthaler entdeckte vor kurzem einen kaum zugänglichen Eingang des Stollens. Wir betreten wahrscheinlich zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten die alten Gänge.

Wir gelangen immer tiefer in den Berg und finden tatsächlich Eis. Bizarre, wunderschöne Eisformationen bedecken die Stollenwände. Es sieht aus als sei man im Palast der Schneekönigin zu Besuch. Doch das was wir sehen ist gefrorenes Kondenswasser. Ob das Gestein darunter Permafrost ist, kann Manfred Scheuermann nicht genau erkennen, das Eis verdeckt die Sicht. Nur eine Bohrung könnte das klären.
 

Permafrost könnte abtauen

Unzweifelhaft taut es jedoch. Denn gerade als wir uns aus dem engen Kriechgang, der ins Bergwerk führte, ins Freie gekämpft haben, hören wir lauten Steinschlag. Manfred Scheuermann wendet sich irritiert um. Wir hören das Grollen der Steinlawine, können sie jedoch nicht entdecken.
Dafür werden wir den Rest des Tages immer wieder Abbrüche und Steinschlag hören.

Die Sonne taut das gefrorene Felsgestein auf. Immer wieder lösen sich große Stücke von den Bergwänden ringsum. Dass es hier in über 3000 Meter ganz gewaltig bröckelt wird unüberseh- und unüberhörbar. „Man kann ungefähr davon ausgehen, mit einem Grad Temperaturanstieg wandert die Permafrostuntergrenze so circa 100 bis 300 Höhenmeter nach oben“, erklärt Manfred Scheuermann bei Alles Wissen.

In den Bergen wirkt sich die Klimaerwärmung doppelt so stark aus wie im Tal. Wissenschaftler nehmen einen Temperaturanstieg von 3 bis 6 Grad an. Das hieße womöglich, dass in den nächsten Jahrzehnten auch der Permafrost komplett abtauen könnte.
 

Loses Gestein

Zurück an der Gießener Hütte. Die Wanderwege und Steige sind bis auf kleine Hindernisse in einem sehr guten Zustand. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Besonders Bergsteiger und Kletterer sind dann viel stärker gefährdet als früher, erzählt uns Heinz Pfeffer, er ist Ausbildungsleiter für Klettern und Bergsteigen im Deutschen Alpenverein, Sektion Gießen: „Es wird einfach gefährlicher da oben zu laufen, (…) auf der einen Seite gibt es Wege, die verschüttet sind, auf der anderen Seite erschließen sich natürlich ganz neue Möglichkeiten, weil durch den Rückgang des Gletschers können Wanderer weiter aufsteigen.“

Eine verlockende Vorstellung für Ungeübte, dass sie leichter in höhere Lagen gelangen können. Doch sollten sie dann unbedingt umsichtig sein, denn die Gefahr des losen Gesteins bleibt. Außerdem wird es in Zukunft noch wichtiger, sich beim Hüttenwirt zu informieren.

Seine Kenntnisse und Erfahrungen schützen zusätzlich vor gefährlichen Situationen. Umsichtiges Handeln und das ‚Augen offen Halten‘ sind zudem ein Muss, damit hochalpine Ausflüge sicher bewältigt werden können.


Autor: Wolfgang Zündel
 
 
Redaktion: anma / almu
Letzte Aktualisierung: 12.07.2012, 9:39 Uhr
 
 

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Mittwoch, 21:00 Uhr
 

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Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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