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Gefährliche Zwerge

Silberionen unter der Lupe

Nano-Etikett (Bild:  hr)
Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters oder ein millionstel Millimeter. Nanosilber ist heute schon in über 200 verbrauchernahen Produkten zu finden. Aber wie sicher sind solche Produkte?
 

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10.02.2010, 21:00 Uhr
Video: Silberionen unter der Lupe 5:50 Min
(© hr | alles wissen, 29.08.2012)
Nanosilber ist heute schon in 30 Prozent aller sogenannten "Nano"-Artikel verarbeitet. Nanosilber soll Produkte als "antibakteriell" auszeichnen. Es soll ganz besonders gut sein für die Wundheilung. Es bekämpft angeblich aktiv krankmachende oder übel riechende Keime. Doch in genau diesen Gebrauchsprodukten könnte auch eine Gefahr für den Menschen lauern – ein unkalkulierbares Risiko.
 
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Heftpflaster in Hand (Bild:  hr)
Nanosilber eingearbeitet in Heftplaster.
Der Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat 2009 eine Studie veröffentlicht, die ausdrücklich vor den Silberzwergen warnt. Der Leiter der Studie geht sogar soweit, die Verbraucher als "Versuchskaninchen der Industrie" zu bezeichnen, denn niemand könne absehen, was Nanosilber in der Umwelt macht und was es für die Gesundheit bedeutet.

Dabei findet man solche Produkte immer häufiger in den Regalen. Nanosilber eingearbeitet in Schneidbrettchen, Kosmetika, sogar Socken. Sie sind mehr als 1000 fach kleiner als der Durchmesser eines menschliches Haars und sollen ganz alltägliche Gebrauchsprodukte "keimfrei" machen.

Eine keimfreie Umgebung zu schaffen ist allerdings Unsinn, weder gesund noch wünschenswert. Die Hersteller solcher Produkte benutzen die Angst der Menschen vor Bakterien, um relativ unsinnige Produkte auf den Markt zu bringen.
 

Silber bekämpft Bakterien

Grafik - Silberpartikel dringen in ein Bakterium ein. (Bild:  hr)
Silberpartikel dringen in ein Bakterium ein.
Schon vor Hunderten von Jahren wusste man, dass Silber Bakterien bekämpft. Damals warf man eine Silbermünze in Milch, damit sie länger haltbar bleibt. So ähnlich sollen die modernen Produkte auch funktionieren. Der Wischlappen, eigentlich als Bakterienschleuder verschrien, wird dank eingearbeiteten Nanosilber plötzlich von selbst keimfrei.

Das geht so: man glaubt, dass die kleinen Silberpartikel direkt in ein Bakterium eindringen und sich an dessen Wänden anlagern können. Sie können deren Hülle zerstören, das Erbgut schädigen und so eine Vermehrung verhindern. Nanosilber soll sogar gegen Viren, zum Beispiel gegen den Hepatitis B. Virus eingesetzt werden können. Es greift die Viren an und zerstört sie.

Nanosilber ist oft ein letzter Ausweg für Menschen mit Infektionen, die auf übliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Eine Art Wunderwaffe gegen schwer zu bekämpfende Bakterien oder Viren – betreibt der BUND eine übertriebene Panikmache?
 

Resistenzgefahr gegen Silber

Grafik Mensch (Bild:  hr)
Über die Haut oder durch bloßes Einatmen kann Nanosilber in das Innere des Körpers gelangen.
Im Gegenteil: Silber ist ein Breitbandantibiotikum. Wenn jetzt Silber in einer großen Zahl von Alltagsprodukten eingesetzt wird, dann steht zu befürchten, dass man damit auch Resistenzen gegen Silber erzeugt. Das würde bedeuten: eine der letzten scharfen Waffen, die die Medizin heute noch hat, wird wirkungslos.

Ein hoher Preis für Produkte, deren neuartige Inhaltsstoffe im menschlichen Körper nichts zu suchen haben. Doch über die Haut oder durch bloßes Einatmen kann Nanosilber ganz einfach in das Innere des Körpers gelangen. Dort kann es sich in den Organen, in der Lunge und der Leber ablagern und Krankheiten auslösen. Vermutlich sogar Krebs.

Forscher gehen davon aus, dass Nanosilber auch die Blut-Hirnschranke im menschlichen Körper überwinden kann, die das Gehirn vor im Blut zirkulierenden Krankheitserregern, Giften und Botenstoffen schützen soll. Wäre es da nicht sinnvoll, Nanosilber in Alltagsprodukten schlicht weg zu verbieten?
 

Verbot in Alltagsprodukten?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin ist für Gesetzesregulierungen und Gefahrenbewertung bei eben solch neuen Produkten zuständig. Und dem BfR ist durchaus klar, dass diese "Nano"- Produkte neu und andersartig sind. Allerdings sieht das BfR im Moment keine Gesundheitsgefährdung für den Menschen. Auch wenn der BUND ein Verbot von Nanosilber in Alltagsprodukten fordert.

Das BfR weist allerdings daraufhin, dass es ein Irrglaube der Verbraucher sei zu glauben, dass etwas grundsätzlich geprüft wird, bevor es auf den Markt kommt. Auch Lebensmittel werden nicht geprüft, wenn sie auf den Markt kommen. Der jeweilige Hersteller ist in der Verantwortung, und muss dafür geradestehen, dass ein Produkt sicher ist. Das gleiche gilt für die Nanopartikel, die in bestimmte Produkte eingearbeitet sind. Auch hier ist der Hersteller in der Pflicht, sichere Produkte anzubieten.

Das heißt im Klartext: Produkte mit Nanosilber werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus unseren Regalen verschwinden. Und dem Verbraucher wird weiterhin vorgegaukelt, dass eine keim- und bakterienfreie Umwelt erstrebenswert sei.

Autorin: Sabine Guth
 
Redaktion: anma / anwa
Bilder: © hr (4)
Letzte Aktualisierung: 29.08.2012, 22:00 Uhr
 
 

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Sendezeit

Mittwoch, 21:00 Uhr
 

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Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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