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Von Polizisten geschlagen

Prügel-Opfer bekräftigt Vorwürfe

Derege Wevelsiep im Interview. (Bild:  hr)
In einem Interview belastet Derege Wevelsiep die Frankfurter Polizei.
Seit der Prügel-Attacke gegen einen Deutschen äthiopischer Herkunft steht die Frankfurter Polizei unter Gewalt-Verdacht. In der hessenschau hat Derege Wevelsiep die Beamten erneut belastet. Am Donnerstagabend kam es wegen des Falls zu Protesten in Frankfurt.
 

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8.11.2012, 19:30 Uhr
Was ist am späten Abend des 17. Oktober 2012 bei einer Fahrkartenkontrolle in der Frankfurter U-Bahn wirklich passiert? Das herauszufinden versucht die Frankfurter Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen aufgenommen hat. In einem Interview mit der hessenschau hat sich das mutmaßliche Opfer, ein Deutscher mit äthiopischen Wurzeln, das erste Mal selbst vor der Kamera geäußert – Derege Wevelsiep hat darin seine kürzlich in der "Frankfurter Rundschau" (FR) erhobenen Prügel-Vorwürfe gegen vier Polizisten bekräftigt.

Nach seiner Schilderung war Wevelsiep, ein Ingenieur, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt, an eben jenem 17. Oktober einem Anruf seiner Freundin zur Frankfurter U-Bahn-Station Bornheim Mitte gefolgt. Diese hatte ihn um Hilfe in einer Auseinandersetzung mit Fahrkartenkontrolleuren gebeten.
 

Mehrere Fausthiebe, Bewusstlosigkeit, Notarzt

Es kam zu einem Wortgefecht - allerdings sei die Lage erst eskaliert, als kurz darauf vier hinzugerufene Polizisten erschienen seien. Diese hätten nach der Überprüfung seiner Personalien ohne große Vorwarnung mit der Faust auf ihn eingeschlagen – ein Treffer sei über seinem Auge gelandet, ein weiterer unterhalb des Magens.

"Mir war schwindelig, aber die Beamten haben sofort meine Hände nach hinten gezogen und mir Handschellen angelegt", schilderte Wevelsiep den Hergang. Die Polizisten hätten ihn in seine Wohnung gebracht, wo sein Personalausweis lag. Dort sei er zusammengebrochen und habe sich übergeben. Ein Notarzt habe ihn ins Krankenhaus gebracht, so Wevelsiep.
 

Rund tausend Menschen demonstrieren

Aus Protest gegen die angeblich rassistisch motivierte Eskalalation sind am Donnerstagabend rund tausend Menschen in Frankfurt auf die Straße gegangen. Die Demonstration startete im Stadtteil Bornheim und führte zur Konstablerwache.

Dort flogen nach Polizeiangaben Flaschen und Feuerwerkskörper gegen das Gebäude der Polizeiwache. Zu dem Protest aufgerufen hatten in dieser Woche mehrere Gruppen, unter anderem auch die Grüne Jugend Frankfurt.

Anwalt: "Bewusstlosigkeit und Hüftprellung"

Dem Anwalt des Opfers liegen die Unterlagen der Klinik vor – in der hessenschau zitiert Johannes Hallenberger aus dem Befund. "Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit, Prellung Thorax rechts, Prellung Knie rechts und Prellung Hüfte rechts" hätten die Ärzte diagnostiziert. Drei Tage lang hatte Wevelsiep demnach im Krankenhaus gelegen. Der Anwalt erstattet Anzeige gegen die Polizei, unter anderem wegen Körperverletzung.
 
Doch hier steht Aussage gegen Aussage. Die Polizei selbst wollte sich aufgrund der laufenden Ermittlungen zu dem Vorfall nicht äußern, bestätigte aber der FR interne Ermittlungen zu den Vorwürfen. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist gegen Wevelsiep ein Verfahren eingeleitet worden.
 

Rhein: "Kein Platz für Rassismus in Hessens Polizei"

Die Opposition im Landtag hatte eine rückhaltlose Aufklärung der Vorwürfe gefordert und den Fall im Innenausschuss auf die Tagesordnung gebracht. Innenminister Boris Rhein (CDU) müsse zu dem Fall Auskunft geben, so SPD und Grüne.

Dieser wollte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen den konkreten Fall zwar nicht bewerten, grundsätzlich stellte Rhein zu den Rassismusvorwürfen gegen die Frankfurter Polizei aber fest: "Rassismus hat in der Hessischen Polizei keinen Platz". Bislang habe es für derartige Verdächtigungen keinen Anlass gegeben, die hessischen Polizisten verfügten im Gegenteil über eine "hohe interkulturelle Kompetenz", so Rhein. Es sei jetzt die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, sämtliche Vorwürfe aufzuklären.

Die Linkspartei sparte nicht mit Kritik an der allgemein gehaltenen Aussage Rheins. "Angesichts der Debatte um NSU-Morde und des Versagens der Sicherheitsbehörden sollte ein Innenminister nicht abtauchen", kritisierte Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linkspartei, im Anschluss an die Sitzung.
 

SPD und Grüne: Einrichtung einer Beschwerdestelle

Die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser forderte darüber hinaus die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle für Vorwürfe gegen Polizisten. Auch der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich zeigte sich "entsetzt" über die Vorwürfe und schloss sich den Forderungen der Sozialdemokraten nach einer neutralen Meldestelle an.

In dieser Hinsicht bestehe jedoch kein Handlungsbedarf, hieß es am Donnerstag aus dem Innenministerium. Bürger könnten sich an das Innenministerium wenden, formell Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen, Strafanzeige erstatten oder eine Petition einreichen.
 
Redaktion: suvo / cka
Bild: © hr
Letzte Aktualisierung: 9.11.2012, 17:18 Uhr
 
 

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