Der nächste Teil des mx-Renten-Checks. Wir haben wieder zusammen mit dem Rentenexperten Stefan Schießer einige Fälle exemplarisch durchgerechnet. Hier sind die Ergebnisse.
Familie Koch will wissen, wie sie ohne Geldsorgen später leben kann. Der mx-Rentencheck schreckt sie auf: "Knapp 2.000 Euro im Monat aufzubringen ist schlichtweg unmöglich. Dann müsste ich hungern."
Ähnlich geht es den Rupperts aus Lohra. Ganz schließen können sie die Lücke nicht: "Dann könnten wir das Haus nicht halten."
Die Ausgangslage von Michael und Tanja Koch: Ihr Einkommen liegt bei 5.300 Euro im Monat. Die errechnete Rentenlücke beträgt 1.366 Euro. Der Familie von Michael Koch aus Steffenberg in Mittelhessen geht es finanziell richtig gut. Das Haus ist abbezahlt, der Elektrotechniker verdient gut, dazu der Teilzeitjob seiner Frau. Aber wie viel müssen die Kochs ab sofort zusätzlich sparen, um ihre Rentenlücke zu schließen? mx-Finanzexperte Stefan Schießer gibt die Antwort: Wenn beide 2042 in Rente sind, klafft eine monatliche Lücke von 1.366 Euro. Sie müssten jeden Monat 1.900 Euro sparen, um dieses Loch zu schließen.
"Es geht auch eine Nummer kleiner"
Hintergrund
Rentenlücke
Mit Rentenlücke wird die Differenz bezeichnet, um den das letzte monatliche Netto-Einkommen vor Renteneintritt die gesetzliche Altersversorgung übersteigt. Als grobe Richtlinie gilt, dass 80 Prozent des letzten Nettogehaltes bei der Altersvorsorge ausreichend sind.
Michael Koch stellt fest: "1.900 Euro, das ist gar nicht machbar. Da bleibt ja fast nichts mehr übrig von meinem Nettogehalt, nur ein paar hundert Euro. Da könnte ich dann auf der Bank schlafen." Aber die Kochs wollen zumindest anfangen, ihre Finanzen für das Alter in den Griff zu kriegen. Die erste Einsparmöglichkeit: Das geliebte Gokart. Den Motorsport hat sich Michael Koch bisher einiges kosten lassen. Allein die Reifen kosten einige hundert Euro. Klar, hier gibts Sparmöglichkeiten: "Wenn es für die Altersvorsorge wichtig ist, dann könnte ich auf das Hobby verzichten. Zwar natürlich schweren Herzens, aber es geht. Und da sind 1.000 bis 2.000 Euro sicher eingespart, die ich für eine Altersvorsorge reinstecken könnte."
Wenn der Ehemann mit gutem Beispiel vorangeht, muss auch Gattin Tanja ihren Beitrag leisten: "Wir hatten überlegt, in der nächsten Zeit mal die Türen auszutauschen. Die sind jetzt 38 Jahre alt. Wenn wir jetzt aber gehört haben, wie viel wir für die Altersvorsorge noch zurücklegen müssen, dann müssen wir das erst einmal lassen." Reicht immer noch nicht. Also muss nochmals der Mann ran. Autos haben es ihm eigentlich angetan: "Nächstes Jahr habe ich geplant, ein anderes Auto zu kaufen. Und da bin ich wirklich der Meinung, dass es auch eine Nummer kleiner geht. Es muss kein 5er sein, es reicht dann auch ein 3er." Insgesamt sind so Einsparungen von 400 Euro monatlich drin. Und damit sinkt die Lücke zu Rentenbeginn von 1.366 Euro auf 800 Euro.
Nebenjobs für die Rente
Information
Rentenlücke und Private Altersvorsorge
Verbraucherschützern warnen, dass Produkte der privaten Anbieter oft versteckte Kosten enthalten, die staatlichen Zulagen teilweise wieder auffressen würden. Die schwere
Vergleichbarkeit und Intransparenz der Produkte schreckt zudem viele vom Abschluss einer Privatvorsorge ab.
Bei Ilona und Horst Ruppert sieht es besser aus: Ein Einkommen von 4.200 Euro brutto, die Lücke bei Rentenbeginn beträgt gerade mal 82 Euro im Monat. Ein neues iPhone für Tochter Isabell dafür muss die 18Jährige schon selbst sparen. Mutter Ilona arbeitet Teilzeit, Vater Horst in der Boschfabrik. Die Eltern haben beide richtig gute Betriebsrenten. Ihr Problem: Wenig Zeit bis zum Rentenbeginn, also muss es jetzt umso schneller gehen. Laut mx-Experten Stefan Schießer "müssten Sie aktuell 933 Euro ansparen." Tatsächlich: Erst mit 933 Euro Sparbeitrag ist die Rentenlücke verschwunden.
Noch mehr sparen ist für sie kaum möglich, zahlen sie doch noch das Haus ab. Bleibt der Nebenjob: Schon jetzt verdienen die Rupperts durch das Austragen von Werbeprospekten dazu. Da können weitere 50 Euro im Monat reinkommen. Ilona Ruppert erzählt: "Nochmal ein Zusatzgebiet könnten wir nehmen, damit wir dann auch mehr Zeitungen am Sonntag austragen können. Dann haben wir dann auch ein bisschen mehr Geld zur Verfügung."
Malle statt Malediven
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Riester-Flop?
Derzeit gibt es 15,5 Millionen Riester-Verträge, förderungsberechtigt sind aber 38 Millionen Menschen.
Die Bundesregierung klagt, dass besonders Bezieher niedriger Einkommen zu wenig Zusatzvorsorge betrieben. Rund 42 Prozent der Geringverdiener und damit 1,8 Millionen Beschäftigte mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro pro Monat hätten keine private oder betriebliche Vorsorge. Gut zwei Drittel davon seien Frauen.
Anders ist dagegen die Lage von Christian Schimack, geschieden. Bruttoeinkommen 4.200 Euro. Seine Rentenlücke: 697 Euro. Trübe Aussichten für später. Erst wenn er jeden Monat 1.200 Euro in seine Altersvorsorge steckt, verschwindet die Lücke von 697 Euro komplett. Ein solcher Sparbetrag ist absolut unrealistisch. Immerhin
200 Euro könnte er zur Seite legen. So kann es bei ihm klappen: Für seine Urlaube hat der Alleinerziehende in den vergangenen Jahren viel Geld ausgegeben. Künftig werden die Reisen eine Nummer kleiner ausfallen: "Ich war in Amerika, kreuz und quer in den USA, war auf den Malediven vor zwei Jahren. Daran könnte ich mit Sicherheit sparen, um eben diese Rentenlücke zu schließen."
Das ergibt folgende Rechnung: Wenn Christian Schimack nur 200 Euro spart, schrumpft die Lücke von 697 Euro auf 400 Euro. Auch ihm wird also Geld im Alter fehlen. Finanzprofi Schießer hat da noch eine Idee: "Aber es gibt natürlich im Alter auch noch eine Möglichkeit, um zu reagieren. Entweder eben durch eine Reduzierung der Ausgaben oder eben durch zusätzlichen Verdienst." "Ich bin derzeit schon als Laienschauspieler bzw. als Statist am Staatstheater", erzählt Schimack. "Und ich könnte mir vorstellen, so meine Rente aufzubessern."
Das können wir also machen: Sparen, jetzt für Zusatzeinnahmen sorgen oder später als Rentner. Und am Ende müssen sich die allermeisten dennoch einschränken.