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Spritze mit Botullinumtoxin sticht in Stirn (Bild:  picture-alliance/dpa)
Das Gift Botullinumtoxin lähmt die Muskeln und glättet Falten. Aber was bewirkt es auf lange Zeit?

13.02.2013: Gift

Schön durch Gift - eine Zeitreise durch die Welt der Kosmetik

Das Geschäft mit der Schönheit boomt. schon seit langem und es ist kein Ende in Sicht. Doch immer öfter kommen auch Skandale ans Licht der Öffentlichkeit. Ist das "Gift", welches oft hinter dem Versprechen von Schönheit lauert, ein neues Phänomen der Kosmetik und Beauty-Industrie.
 

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13.02.2013, 21:00 Uhr
Schon immer haben die Menschen versucht, sich "schöner" zu machen. Doch wer "schön" sein will, muss bekanntlich auch leiden. Dieses Sprichwort birgt viel Wahrheit in sich, denn allzu oft wurde und wird in den "Giftschrank" gegriffen – ob bewusst oder unbewusst.
 

Ägypten ca. 2.700 Jahre vor Christus

Schon vor knapp 5.000 Jahren langten die Damen und Herren der Oberschicht gern in den Farbtopf. Vor allem die typisch geschminkten Augen der Ägypter kennt man. Das Auge war sogar das Symbol für "Schönheit". Was weniger bekannt ist: Die Inhaltsstoffe dieser Schminke waren hochgiftig. Denn vor allem beim charakteristischen Augen-Make up der Ägypter kam pulverisierter Bleiglanz zum Einsatz. Blei bzw. Bleiglanz, auch bekannt als Galenit ist allerdings gesundheitsschädlich.

Dr. Maja Hofmann, Oberärztin und Leiterin der Ästhetischen Medizin an der Charité, Berlin meint dazu: "Blei ist letztendlich ein Schwermetall, was sich lösen kann. Gerade im Bereich der Augen ist das gefährlich, weil sich im Auge Stoffe eher lösen. Hier kann es häufiger zu Kontaktallergien kommen. Das Blei kann auch in das Auge direkt eintreten und dadurch in das Blutgefäßsystem aufgenommen werden und im Körper Vergiftungserscheinungen auslösen."

Doch Blei in Kosmetika und Schminke kommt auch in den nächsten Jahrtausenden immer weiter zum Einsatz. Und zwar nicht nur in dunklem Augen Make up der Ägypter.
 

Antike ab ca. 500 Jahre vor Christus

Im antiken Griechenland und im alten Rom taucht das Schwermetall unter anderem als "Bleiweiß" auf. Die durch eine sehr helle Schminke hergestellte "noble Blässe" symbolisiert Wohlstand. Denn wer so blass ist, hat sicherlich tagsüber nicht in der brennenden Sonne arbeiten müssen, sondern führt ein Leben in Luxus. Blei reichert sich allerdings nach und nach im Nervengewebe und den Knochen an, und es kommt zu einer schleichenden Vergiftung. Folgen sind Magen-Darm und muskuläre Probleme, sowie Nierenschäden.

Laut Frau Dr. Hofmann kann eine durch Schminke verursachte Bleivergiftung sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Bei traditionell geschminkten japanischen Frauen konnte man das feststellen und in der Antike sei das, laut Frau Dr. Hofmann, auch nicht anders gewesen.
 

Renaissance ab ca. 14. Jahrhundert

Fast 2000 Jahre später war "Blass" immer noch "chic". Doch in der Renaissance kam für das "noble" Weiß des Teints, sogar Quecksilber zum Einsatz. Die unter anderem aus Zinnober gewonnene Verbindung ist allerdings eines der giftigsten Metallformen überhaupt. Quecksilber führte auch relativ schnell zu Vergiftungserscheinungen. Es wurde von der Schminke direkt von der Haut aufgenommen. Aus dem Grund geht man davon aus, das das Quecksilber gar nicht so häufig und langfristig angewendet werden konnte.
 

Rokoko von etwa 1730 bis 1780

Im Rokoko galt das "feurige Auge", also geweitete Pupillen, als Inbegriff der Schönheit . Die stehen beim Menschen für sexuelle Erregung. Und für diesen Blick hat Frau gern etwas nachgeholfen. Mit Augentropfen aus "Bella Donna", dem Extrakt der Tollkirsche. Dieser Extrakt ist allerdings keineswegs ungefährlich. Obwohl "Bella Donna" als Atropin heute noch in der Medizin niedrigdosiert verwendet wird. Nur das mit dem Dosieren hat damals noch nicht ganz geklappt und bei höheren Dosen kommt es schnell zu Vergiftungserscheinungen. Beginnend mit Mundtrockenheit, Herzrasen kann es letztendlich durchaus zum Atemstillstand kommen. Der häufige Einsatz von Bella Donna führte auch zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung.
 

Schönheitsideale und Schönheitswahn in der Gegenwart:

 

Gesundheitsrisiko: Tattoo-Farbe?

Das verruchte Image haben sie abgelegt. Im ausklingenden 20. Jahrhundert sind Tätowierungen absolut "in" – jeder 20 Deutsche hat inzwischen eins. Doch auch dieses Ansinnen den Körper zu verschönern, hat seine Tücken.

Frau Dr. Hofmann beschreibt das Problem so: "Es sind zwei Tücken, einmal die akute Reaktion, dass man wirklich Rötungen hat, also man allergisch auf die Farbe reagiert hat, das ist dann ein Problem. Das viel schwerwiegendere Problem ist, das in Tätowier-Farben ganz unterschiedliche Dinge enthalten sind. Teilweise Autolacke, teilweise Farben von Druckern. Außerdem gibt es keine einheitlichen Richtlinien, die befolgt werden müssen. Aus diesem Grunde kann man das gesundheitliche Risiko im Endeffekt nicht 100 Prozent abschätzen."

Schon seit längerem fordern Verbraucherschützer endlich sichere Richtlinien für die Inhaltstoffe der Tattoo-Farben zu schaffen. Das Bundesamt für Risikobewertung wird bis März 2012 neue wissenschaftliche Bewertungen vorlegen.
 

Gift gegen Falten

Seit 1992 erliegen die immer älter werdenden Deutschen immer häufiger einer Art Jugendwahn. Mit Botullinumtoxin wird gegen die Zeichen des Alters angekämpft: diese Wunderwaffe ist allerdings auch das stärkste Nervengift der Welt. In der Medizin wird es allerdings sogar sehr viel höher dosiert erfolgreich eingesetzt. Doch wie sicher ist sicher?

Denn das Problem ist: Man kennt heute zwar den akuten Effekt, das heißt durch Botullinumtoxin kommt es zu akuten Muskel-Lähmungen. Was man aber tatsächlich nicht weiß, sind die möglichen, langfristigen Nebeneffekte in dreißig oder vierzig Jahren. Grund dafür: es gibt ganz einfach bisher keine Langzeitdaten.
 

Leiden für die Schönheit: Brustimplantate

Und auch der der jüngste Skandal in der Schönheitsindustrie im Winter 2011 zeigt, was viele Menschen bereit sind auf sich zu nehmen um einen "schönen" Schein zu wahren. Im Zeitalter von Modell-Shows soll der ganze Körper optimiert werden. Vor allem Frauen lassen sich dafür operieren. Besonders im Trend: Brustimplantate.

Doch eine französische Firma hatte in den letzten Jahren giftiges Industriesilikon in Brustimplantaten verarbeitet. Das kann laut Dr. Hofmann, fatale Folgen haben: "Das Problem bei diesen Implantaten war, das man festgestellt hat, das sie nicht sehr belastbar waren, das heißt ein hohes Risiko hatten, zu Platzen. Wenn das Silikon austritt, dann weiß man das eine hohe Gefahr besteht, das es krebserzeugende Substanzen enthält, und das ist die akute Gefahr bei diesen minderwertig hergestellten Implantaten."

Rund 500 000 Frauen stehen nun vor der schwerwiegenden Entscheidung, ob sie sich die Implantate wieder entfernen lassen sollen.

Anscheinend opfert der Mensch schon seit Jahrtausenden für das gängige Schönheitsideal sogar die Gesundheit.

Autorin: Sabine Guth
 
Redaktion: nago
Letzte Aktualisierung: 14.02.2013, 10:07 Uhr
 
 

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Sendezeit

Mittwoch, 21:00 Uhr
 

So geht's

Gewinnspiel

Thomas Ranft stellt in der Sendung eine Frage und nennt Ihnen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Schicken Sie die richtige Lösung und ihre Anschrift per SMS an: 0160/4720116 (SMS-Preis Ihres Anbieters) oder per E-Mail an: wissen@hr.de

Am Ende der Sendung wird der Gewinner bekannt gegeben.
 

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