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Reaktionen auf ARD-Doku

Amazon nach Reportage im Kreuzfeuer

Arbeiter im Amazon-Logistikzentrum  (Bild:  picture-alliance/dpa)
Arbeiter im Amazon-Logistikzentrum
Der Umgang von Amazon in Bad Hersfeld mit seinen Leiharbeitern hat für Empörung gesorgt - sei es auf Facebook, Twitter oder im Landtag. Der Online-Händler will den in der ARD-Doku "Ausgeliefert!" gezeigten Vorgängen nachgehen.
 
Die ARD-Dokumentation "Ausgeliefert!" über die miserablen Bedingungen für Leiharbeiter bei Amazon in Bad Hersfeld hat einen regelrechten "Shitstorm" ausgelöst: Seit der Ausstrahlung am Mittwochabend kommentierten hunderte Menschen bei Facebook und Twitter die Reportage der beiden hr-Reporter Diana Löbl und Peter Onneken über den weltweit größten Online-Versandhändler.

Amazon: "Prüfen Vorwürfe"

In der Dokumentation wurde gezeigt, dass die Leiharbeiter aus dem Ausland dort nahezu rechtlos leben - eingepfercht in Ferienanlagen, mies bezahlt und dazu noch rund um die Uhr bewacht durch dubiose Sicherheitsleute.

Amazon reagierte am Donnerstag auf die Reportage. "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten", so der Versandhändler.
 

"Moderner Sklavenhandel"

Video: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon 6:43 Min
(© hr | hessenschau, 13.02.2013)
Die Netzwelt sieht dagegen Amazon sehr wohl in der Pflicht. "Bitte an Amazon dranbleiben! Da stinkt noch mehr...", kommentierte Nutzer "Alex Schi" auf der Facebook-Seite von hr-online. Ein anderer bezeichnete die Geschäftsgebaren von Amazon als "modernen Sklavenhandel". User "Toni Giudice" merkte dagegen an: "Aber letztendlich sind wir alle schuld daran. Wir wollen es bequem und vor allem billig haben."

Der Nutzer "Andreas Thon" verteidigte in seinem Facebook-Post die Betreiber der Hotels und Ferienanlagen, in denen die Leiharbeiter untergebracht werden. Diese seien durch die ARD-Reportage "besonders hart in die Mangel genommen" worden, obwohl sie das schwächste Glied in der Kette seien. "Teilweise mussten die Hotels vor Gericht gehen um ihr Geld zu bekommen", schrieb er.

Auch auf der Facebook-Seite der ARD ("Das Erste") diskutierten die User kontrovers über die Reportage und das Thema Leiharbeiter. Während die einen von "übler Ausbeute" sprachen, meinte Nutzer "Jürgen Naser": "Was Amazon macht, ist doch legitim. Jedes Unternehmen, das eine saisonal stark schwankende Belegschaft hat, arbeitet mit Leiharbeitern. Dass diese schlecht behandelt werden, hat jedoch die Verleihfirma zu verantworten, da diese sich einen hohen Gewinn erwartet."
 

User: "Neonazis schikanieren Arbeitskräfte"

In den umsatzstarken Wochen vor Weihnachten beschäftigt Amazon nach den ARD-Recherchen tausende von Leiharbeitern in seinen deutschen Logistikzentren. Wie die hr-Reporter aufdeckten, werden die Leiharbeiter, die vor allem aus Osteuropa und Krisenländern wie Spanien kommen, von Mitarbeitern des Sicherheitsdiensts H.E.S.S. Security rund um die Uhr bewacht. Bei den Dreharbeiten wurde auch das hr-Filmteam von den bulligen Security-Männern bedrängt. Besonders heikel: Die Sicherheitsleute sollen Verbindungen zur Neonazi-Szene haben.

User Jens "Karsten Carl" schrieb dazu: "Einige hier scheinen nicht begriffen zu haben, dass hier ein amerikanisches Unternehmen Neonazis Freiraum zum handeln und agieren gibt. Neonazis bewachen und schikanieren ausländische Arbeitskräfte auf deutschem Boden. Aber die Konsumgeilheit scheint einigen wichtiger zu sein." Andere appellierten dazu, statt bei Amazon wieder in Läden in den Innenstädten einzukaufen.

Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter ging es rund. Stundenlang war das Thema #Amazon in den Top-Themen des Kurznachrichtendienstes. Viele Nutzer äußerten sich empört. User "0x4342" twitterte: "Die Reportage hat primär dokumentiert, dass Gewerbeaufsichtsämter, Steuerfahndung und Zoll ihren Job nicht richtig machen." User "Christian Berg" machte gleich Nägel mit Köpfen: "#Amazon Konto gekündigt."
 

Opposition: Landesregierung muss handeln

Scharfe Kritik auch von Politikern der Opposition im Hessischen Landtag. SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel nannte den Bericht auf Twitter "ungeheuerlich", die gezeigten Arbeitsbedingungen der Leiharbeitnehmer bei Amazon seien "unsäglich", fügte der Abgeordnete Wolfang Decker hinzu. "Wenn dies alles zutrifft, dann werden offenbar jegliche Arbeitnehmerrechte auf das gröbste missachtet."

Als "vollkommen indiskutabel" bezeichneten die Grünen im Landtag die Bedingungen der ausländischen Saison- und Leiharbeiter bei Amazon. Der Abgeordnete Kai Klose forderte das Unternehmen auf, zu allen Vorwürfen umfassend Auskunft zu geben. Die Linksfraktion nannte die hr-Doku "schockierend". Leiharbeit sei eine "moderne Form der Sklaverei" und nicht akzeptabel, sagte der Abgeordnete Hermann Schaus.

Alle Oppositionsfraktionen sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund forderten die Landesregierung auf, den Hinweisen der ARD-Doku nachzugehen und die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Bad Hersfeld zu prüfen. Sowohl das Wirtschafts- als auch das Sozialministerium verwiesen auf hr-online-Nachfrage am Donnerstag auf die Bundesagentur für Arbeit. Sie erteile Unternehmen die Erlaubnis, Leiharbeiter zu vermitteln.
 
 
Redaktion: suma / aba
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 14.02.2013, 19:09 Uhr
 
 

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