hr-online Informationen aus Hessen
ARD.de Hilfe Feedback
 
15.02.2013

Arbeitsagentur über Amazon

"Ansehen Deutschlands zutiefst beschädigt"

Auch die Arbeitsagentur sorgt sich um die Leiharbeiter bei Amazon (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Vergrößern
Auch die Arbeitsagentur sorgt sich um die Leiharbeiter bei Amazon
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat sich die hessische Arbeitsagentur am Freitag zu den Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern bei Amazon in Bad Hersfeld geäußert. Die in einer hr-Reportage gezeigten Verhältnisse beschädigten das Ansehen Deutschlands, so Agenturchef Frank Martin.
 
"Die geäußerten Vorwürfe wiegen schwer und machen mich sehr betroffen", erklärte Martin in einer Mitteilung am Freitag. Er erhoffe sich im Sinne einer weiteren guten Zusammenarbeit eine schnellstmögliche Aufklärung "der derzeit nicht transparenten Sachverhalte".

Die ARD-Dokumentation "Ausgeliefert!" hatte am Montag über die miserablen Bedingungen für Leiharbeiter bei Amazon in Bad Hersfeld berichtet und damit eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Die Reportage zeigte auch, wie die Menschen von einem privaten Sicherheitsdienst schikaniert wurden.

Die Vorwürfe stellten auch Aktivitäten infrage, im Ausland Arbeitnehmer anzuwerben und somit den Bedarf an Fachkräften für die deutsche Wirtschaft zu sichern, erklärte Martin. Aktuell werbe die Regionaldirektion zusammen mit der Landesregierung intensiv in Spanien, "um die in unseren Alten- und Pflegeheimen dringend benötigten Pflegefachkräfte zu akquirieren".
 

"Abgeschlagen beim Wettbewerb um gute Fachkräfte"

"Die in der Fernsehdokumentation geschilderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der spanischen Saison-Arbeitskräfte beschädigen das Ansehen Deutschlands zutiefst", so Martin. Er habe große Sorge, "dass wir, wenn sich solche Beispiele häufen, beim Wettbewerb um gute Fachkräfte abgeschlagen werden".

Auch die Arbeitsagentur Bayern beschäftigt sich mit den Bedingungen bei Amazon. Das für den Münchener Personaldienstleister Trenkwalder zuständige Team in Nürnberg beobachtet die aktuellen Ereignisse sehr kritisch. "Wenn es Beschwerden gibt, wird ihnen nachgegangen", sagte Sprecherin Sindy Heyn gegenüber hr-online. Dazu gehörten auch kritische Berichterstattungen und anonyme Beschwerden.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfe sie zu konkreten Fällen nichts sagen, sagte Heyn weiter. Der Prüfdienst der Bundesagentur dürfe ausschließlich zur Zeitarbeitsfirma, für weitere Kontrollen kooperiere sie mit dem Zoll.
 

Opposition sieht Landesregierung in Pflicht

Die Opposition mahnte erneut ein Einschreiten der Landesregierung an. "Wer jahrelang die Zukunft Nordhessens als Logistik-Standort beschwört, darf sich angesichts der vom Hessischen Rundfunk dokumentierten Arbeitsbedingungen bei Amazon keinen schlanken Fuß machen", kritisierte der Grünen-Abgeordnete Kai Klose am Freitag.

Es gehe nicht an, zuwandernde Arbeiter aus der EU unter großem Pomp am Flughafen zu begrüßen, sich aber nicht für die Arbeitsbedingungen ihrer Landesleute hier in Hessen zu interessieren. Der erste in Spanien angeworbene Altenpfleger war Ende Januar von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Flughafen empfangen worden.
 

"Unfassbare Auswüchse und Rechtsverletzungen"

Hermann Schaus von der Linksfraktion sagte, eine Landesregierung, die einerseits solchen Unternehmen den roten Teppich ausrolle, die fortlaufend Anreize zu ihrer Ansiedlung und dem "flexiblem Zugriff" auf Arbeitnehmer schaffe, sich dann aber andererseits gegenüber unfassbaren Auswüchsen und Rechtsverletzungen als nicht zuständig erkläre, mache sich massiv mitschuldig.
 
Redaktion: clwo / suma
Bild: © picture-alliance/dpa - Archiv
Letzte Aktualisierung: 16.02.2013, 11:53 Uhr
 
 

Jetzt einschalten


 

Redaktion

Haben Sie Themenvorschläge? Oder Fragen?

Die Redaktion freut sich auf Ihre Mail, Brief oder Fax.

Anschrift:
Hessischer Rundfunk
FS Politik und Gesellschaft
Redaktion hessenreporter
60222 Frankfurt
Telefon: 069 15 55 111
Fax: 069 15 55 155
Mail:
 

Newsletter

Immer auf dem Laufenden mit dem Newsletter des hr-fernsehens.
hr fernsehen
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.