hr-online Informationen aus Hessen
ARD.de Hilfe Feedback
 

Leiharbeiter-Skandal

Amazon kündigt Jobreise-Veranstalter

Amazon-Mitarbeiter füllen Päckchen für die Kunden. (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Vergrößern
Amazon-Mitarbeiter füllen Päckchen für die Kunden.
Weitere Konsequenzen bei Amazon: Nach der ARD-Reportage über schlechte Arbeitsbedingungen ausländischer Leiharbeiter hat der Online-Versender einem Jobreise-Veranstalter gekündigt. Der ebenfalls gefeuerte Security-Dienst H.E.S.S. will seinen Namen ändern.
 
"Die Menschen werden zu siebt in eine kleine Hütte gestopft und im Keller des Restaurants abgefüttert wie die Schweine" – so hatte ein Busfahrer hr-Reportern die Lebensbedingungen von ausländischen Leiharbeitern geschildert, die für den Online-Versandhändler Amazon in dessen Logistikzentrum in Bad Hersfeld arbeiten.

Infolge der anhaltenden, bundesweiten Proteste von Kunden und Politikern aufgrund der ARD-Dokumentation "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hat sich das in der Kritik stehende Unternehmen nun von einem weiteren Dienstleister getrennt.

Amazon: Nicht gelungen hohe Standards einzuhalten

Nach der Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma habe man auch die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beendet, das "für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte bei unseren Zeitarbeitskräften verantwortlich war", teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Dabei gesteht Amazon ein, dass es nicht gelungen sei, "die Einhaltung unserer hohen Standards" auch durch den Dienstleister zu gewährleisten.
 

Verantwortlich für "Respekt und Würde"

"Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", hieß es in der auch auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme. Sie führte bis Dienstagvormittag zu mehr als 13.000 "Gefällt mir"-Klicks und über 3.300 Kommentaren. Viele Kunden begrüßten den Schritt, andere kündigten an, trotzdem nicht mehr bei dem Unternehmen bestellen zu wollen.

Eine Bestätigung dafür, dass es sich bei dem nun geschassten Dienstleister um den von Amazon bislang mit dem Mitarbeiter-Transport nach Bad Hersfeld beauftragten Subunternehmer "CoCo" aus Leipzig handelt, gibt es noch nicht. Eine Sprecherin des Dienstleisters sagte am Montag, es liege noch keine Kündigung vor. "CoCo" bezeichnet sich selbst als Unternehmen für "Job Touristik".

In der ARD-Dokumentation hatten Leiharbeiter und die Gewerkschaft Verdi nicht nur falsche Versprechungen über die Höhe des Lohnes und eine mögliche Festanstellung sowie die miese Unterbringung geklagt. Sie hatten auch die Leipziger Firma kritisiert und von unerträglichen Bedingungen in den Unterkünften in leerstehenden Feriendörfern berichtet - und von oft stundenlangen Transporten in überfüllten Bussen nach Bad Hersfeld.
 

H.E.S.S.-Security kündigt neuen Namen an

Unterdessen hat der Chef der von Amazon zuvor ebenfalls gefeuerten Kasseler Sicherheitsfirma H.E.S.S.-Security angekündigt, den Firmennamen zu wechseln. "Wir nehmen den Vorgang zum Anlass, die Firma demnächst umzubenennen, damit künftig Missverständnisse gar nicht erst aufkommen", sagte H.E.S.S.-Chef Patrick Hensel der Zeitung "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (Dienstag). Mitarbeitern seines Unternehmens war nicht nur vorgeworfen worden, die Amazon-Leiharbeiter mit Durchsuchungen der Wohnungen und anderen Schikanen zu drangsalieren.

Einigen Mitarbeiter werden auch Verbindungen zu rechten Szene nachgesagt. Das bestritt Firmenchef Hensel in dem Interview ebenso wie eine Verbindung zwischen dem Firmennamen H.E.S.S. und dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess. Gegen zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda wegen des Anfangsverdachts der Nötigung und Freiheitsberaubung. Sie sollen einen hr-Redakteur an der Abreise aus einem Hotel in Kirchheim (Hersfeld-Rotenburg) gehindert haben.
 
 
Redaktion: wotu / aba
Bild: © picture-alliance/dpa - Archiv
Letzte Aktualisierung: 19.02.2013, 20:30 Uhr
 
 

Jetzt einschalten


 

Redaktion

Haben Sie Themenvorschläge? Oder Fragen?

Die Redaktion freut sich auf Ihre Mail, Brief oder Fax.

Anschrift:
Hessischer Rundfunk
FS Politik und Gesellschaft
Redaktion hessenreporter
60222 Frankfurt
Telefon: 069 15 55 111
Fax: 069 15 55 155
Mail:
 

Newsletter

Immer auf dem Laufenden mit dem Newsletter des hr-fernsehens.
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.