Der Online-Händler Amazon gerät immer mehr in die Kritik.
Die Kritik am Online-Händler Amazon wegen des Umgangs mit Leiharbeitern reißt nicht ab: DGB-Vorsitzender Michael Sommer fordert schärfere Gesetze. Im Bundestag hagelte es Kritik.
DGB-Vorsitzender Michael Sommer sprach sich als Konsequenz aus dem Skandal um den Umgang mit Leiharbeitern bei Amazon in Bad Hersfeld für schärfere Gesetze aus. Auch für Leiharbeiter müsse spätestens nach einer kurzen Einarbeitungszeit der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gelten, sagte er am Mittwoch in Frankfurt dem hr.
Sommer kritisiert zudem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie hüpfe nun auf das Thema, habe aber bislang jeden gesetzlichen Fortschritt bei der Gleichstelllung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten verhindert. Das sei werde dem Problem nicht gerecht.
Streit im Bundestag über Konsequenzen
Streit über die nötigen Konsequenzen gab es am Mittwoch im Bundestag. Redner von Union und FDP sprachen von einem skandalösen Einzelfall. Sie warnten aber vor einem Generalverdacht gegen eine ganze Branche. Die Redner der Regierungsfraktionen lobten auch die von der Regierung eingeleitete Überprüfung.
SPD, Linke und Grüne warfen der Regierung dagegen vor, sie sei nicht bereit, Recht und Ordnung auf dem Arbeitsmarkt wieder herzustellen. Über die Vorgänge bei Amazon - die parteiübergreifend verurteilt wurden - diskutierten die Abgeordneten in einer von der SPD beantragten Aktuellen Stunde.
In der nächsten Woche soll auch der Landtag in Wiesbaden über das Thema debattieren.
Verdi: Mangelndes Verantwortungsbewusstsein
Die Gewerkschaft Verdi warf dem Unternehmen mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor. Man habe die Verantwortung mit der Trennung von zwei Dienstleistern nur abgeschoben, sagte der Verdi-Sekretär Heiner Reimann in hr-iNFO. Amazon erklärte dagegen, nur in absoluten Spitzenzeiten werde mit Zeitarbeitsfirmen zusammengearbeitet. In den deutschen Logistikzentren hätten rund 8.000 Menschen einen festen Vertrag.
Auch außerhalb der politischen Arena geriet der Internet-Händler weiter unter Druck. Das Bundeskartellamt kündigte an, die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler zu prüfen, die Waren über Amazon anbieten. Die Untersuchung stehe aber nicht im Zusammenhang mit der Diskussion um die Behandlung von Saisonarbeitern, erklärte das Amt. Der Drogeriekonzern dm kündigte an, die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Kritik an Amazon-Dienstleister
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) warf dem von Amazon beauftragten Personaldienstleister Trenkwalder unterdessen Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vor. Diese seien bei einer Sonderprüfung festgestellt worden, erklärte die Behörde. Trenkwalder hatte am Dienstag Vorwürfe im Zusammenhang mit der Behandlung von Leiharbeitern bei Amazon noch zurückgewiesen.
Der Online-Händler Amazon war Ende vergangener Woche nach einem ARD-Bericht über schlechte Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen hatte daraufhin die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst und einem Dienstleister gekündigt, der für die Unterbringung von ausländischen Saisonarbeitern zuständig war.