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4.11.2016

Online-Wetterthema des Tages

Wie wird der Winter?

 (Bild:  hr)
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Die großräumige Luftdruckverteilung über dem Nordatlantik bestimmt maßgeblich das Europäische Winterwetter.
 
Aktuell ziehen Tiefdruckgebiete vom Atlantik über die Nordsee ostwärts auf das europäische Festland und bescheren uns auch hierzulande wechselhaftes Wetter mit Regen und ab kommender Woche auch mit Schnee bis in immer tiefere Regionen. Diese auch als zonale oder Westwetter bezeichnete Großwetterlage wird von der Luftdruckverteilung über dem Nordatlantik gesteuert.

Normalerweise befindet sich im Bereich der Azoren das gleichnamige Hoch, bei Island herrscht hingegen meist tiefer Luftdruck vor – dort entwickeln sich die bei der Seefahrt berüchtigten Islandtiefs. Zwischen diesen beiden Druckgebilden stellt sich in der Regel eine atmosphärische Strömung vom Atlantik auf das Europäische Festland ein, wodurch die Winter hierzulande häufig recht mild und unbeständig ausfallen. Denn umso größer der Luftdruckunterschied zwischen Azorenhoch und Islandtief ausfällt, also umso kräftiger sowohl das Hoch als auch das Tief ausgeprägt sind, desto stärker wehen die Westwinde auf dem Atlantik, entlang derer dann gerne kleinräumige Tiefs wie auf einer Perlenschnur aufgereiht die feuchte und relativ milde Luft zu uns schaufeln. Man spricht von einer stark zonal, also von Ost nach West ausgerichteten Strömung.

Zu anderen Zeiten kehrt sich die Situation um und im Bereich der Azoren befindet sich dann ein Tief, weiter nördlich entsprechend ein Hoch. In der Folge schläft der Zustrom milder Luft vom Atlantik nach Osten quasi ein und die Luftströmung kann weit in Nord-Süd-Richtung ausgreifen. Sogenannte meridionale Wetterlagen gewinnen die Oberhand, die dann die Luftmassen im großen Stil zwischen polaren und subtropischen Breiten austauschen. Im Mitteleuropäischen Winter kann eine solche auch als blockierte Wetterlage bezeichnete Situation zu Kaltlufteinbrüchen aus Skandinavien oder aus Russland führen, wo sich im fortschreitenden Winter ein gigantisches Kaltluftreservoir aufbaut.

Dieses Wechselspiel der Luftdruckverteilung wird als die Nordatlantische Oszillation oder kurz als NAO bezeichnet und durch den Unterschied des Luftdrucks zwischen den Azoren und Island beschrieben. Ist diese Differenz, wie aktuell, ausgeprägt positiv, steht also ein starkes Azorenhoch einem kräftigen Islandtief gegenüber, so ist ausgeprägtes Westwetter die Folge. Dieser NAO-Index kann aber auch negative Werte annehmen – in der Folge steigen bei uns die Heizkosten.

In den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der NAO-Index häufig positiv, die Winter bei uns in der Folge überwiegend mild. In den vergangenen Jahren traten jedoch immer wieder blockierte Wetterlagen auf, wie beispielsweise im März 2013 und im Dezember 2010, wo man in ganz Deutschland weiße Weihnachten feiern konnte. Die unterdurchschnittlichen Temperaturen gingen mit einem negativen NAO-Index einher. Leider sind die Zusammenhänge, welche das Verhalten der NAO bestimmen sehr komplex. Eine längerfristige Prognose ist also (noch?) nicht möglich.

Freitag, 4. November 2016

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion
 

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Redaktion: tist
Bild: © hr
Letzte Aktualisierung: 4.11.2016, 11:01 Uhr
 
 

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