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11.11.2016

Online-Wetterthema des Tages

Die Warmwasserheizung Europas

 (Bild:  hr)
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Wie der Golfstrom das europäische Klima beeinflusst.
 
Bewegt man sich mit dem Finger auf dem Globus von Frankfurt am Main entlang des 50. Breitengrades nach Westen, so gelangt man irgendwann nach Winnipeg in Kanada. Dort beträgt die Jahresmitteltemperatur 2,7 Grad, in Frankfurt dagegen 9,7 Grad. Wie kommt dieser Unterschied zustande.

Der Golfstrom befördert sehr warmes Oberflächenwasser aus dem Golf von Mexiko entlang der Nordamerikanischen Ostküste. Am Cape Hatteras vor North Carolina schwenkt er auf das offene Meer nach Nordosten über den Atlantik, wo er seinen Namen in Nordatlantikstrom ändert. Im weiteren Verlauf zweigen verschiedene Strömungsäste nach Norden bzw. Süden ab. Der Hauptstrom führt nördlich an den Britischen Inseln vorbei entlang der norwegischen Küste bis ins Nordpolarmeer. Mit einer Fördermenge von etwa 150 Millionen Kubikmeter Wasser und einer Fließgeschwindigkeit von 2,5 Metern, beides pro Sekunde wohlgemerkt, ist er eine der stärksten Meeresströmungen der Welt.

Der Golfstrom und der Nordatlantikstrom sind Teil eines weltumspannenden Systems von Meeresströmungen, welches durch Unterschiede in der Wassertemperatur und des Salzgehaltes angetrieben wird. Diese thermohaline Zirkulation wird auch die globales Förderband bezeichnet. Südlich von Grönland sinkt sehr kaltes und salziges Oberflächenwasser aufgrund seiner hohen Dichte wie in einem Fahrstuhl bis in 4 km Tiefe. Aufgrund der Sogwirkung wird oberflächennahes Wasser nachgezogen, wodurch der Golfstrom angetrieben wird. Das abgesunkene Tiefenwasser fließt entlang des Meeresbodens im Atlantik südwärts bis zur Antarktis und weiter in den Indischen und Pazifischen Ozean, wo es an verschiedenen Stellen wieder aufsteigt. Insgesamt bildet sich hierdurch ein globales Strömungssystem aus.

Das relative warme Oberflächenwasser im östlichen Nordatlantik wirkt wie eine Warmwasserheizung für Europa. Hierdurch genießen wir in der Regel milde Winter, da die Luftströmungen aus Westen über das recht milde Meerwasser ziehen und sich dadurch erwärmen. Sogenannte Strengwinter gibt es in Deutschland nur in Verbindung mit einer östlichen Strömung, wenn kalte Kontinentalluft aus Russland nach Mitteleuropa vorstoßen kann.

Somit beträgt die durchschnittliche Temperatur im Januar in Winnipeg minus17,8, in Frankfurt am Main plus 0,7 und in Wolgograd in Russland auf etwa 49 Grad nördlicher Breite wiederum minus13 Grad Celsius.

Freitag, 11. November 2016

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion
 

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Redaktion: tist
Bild: © hr
Letzte Aktualisierung: 11.11.2016, 11:03 Uhr
 
 

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