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15.11.2016

Online-Wetterthema des Tages

2016 wird wohl wärmstes Jahr

Heute eröffnet der marrokanische König Mohammed VI. die Gespräche zur UN-Klimakonferenz in Marrakesch. Wie dringlich eine klimaneutrale Zukunft aller Staaten der Welt wäre, zeigt ein aktueller WMO-Klimabericht.
 
Erleichtert reagierte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks, als sich die Bundesregierung nach langem Streit und dem Eingriff von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf den Klimaschutzplan Deutschlands einigte. Zwar werde Deutschland, so formulierte es Hendricks am Montag in Marrakesch, von vielen teilnehmenden Staaten als derjenige wahrgenommen, der schon am weitesten mit dem ist, was alle Staaten gemeinsam machen müssen, doch wird das für’s Klima reichen? Eine richtungsweisende Vorreiterrolle Deutschlands ist kaum erkennbar. Hendricks hatte in ihrem Plan u. a. eigentlich vorgesehen den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verbieten. Dieser Punkt wurde gestrichen und das obwohl die Verstromung von Kohle in Deutschland einen hohen Anteil an den CO2-Emissionen hat. Doch CO2 ist eines der wichtigsten Treibhausgase, das es gilt deutlich zu reduzieren. Dafür wären feste Vorgaben beispielsweise in Bezug auf den CO2-Ausstoß notwendig, dazu müsste man nicht langfristig, sondern viel kurzfristiger sich von den fossilen Energieträgern abwenden. Das ist unbequem und kostet Arbeitsplätze, die jedoch in anderen Bereichen neu entstehen. Dann würde Deutschland einer Vorreiterrolle auch gerecht.

Wie bedeutsam eine kräftige Reduktion des CO2-Ausstosses ist, zeigt denn auch die Entwicklung der Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Erdatmosphäre. Gemessen wird dieser Wert auf Hawaii, auf dem Vulkan Mauna Loa. Seit 1958 registriert man dort den CO2-Gehalt der Atmosphäre und im Jahr 2015 überschritt diese Konzentration erstmals den Wert von 400 ppm. Zum Vergleich: Vor der Industrialisierung lag der CO2-Gehalt der Atmosphäre recht stabil für rund 10.000 Jahre zwischen 260 und 280 ppm. In den Jahren 2000 bis 2009 stieg der CO2-Gehalt der Atmosphäre jedes Jahr um 2 ppm an und dieser Anstieg war gänzlich menschlichem Handeln zuzuschreiben. Und auch der CO2-Anstieg seit der Industrialisierung ist zu einem Großteil dem Menschen zuzuschreiben.

Und Rekorde verzeichnet man auch bei den Globaltemperaturen. Unsere Abbildung zeigt die Entwicklung der Abweichung der Global-Temperatur von 1880 bis 2015. Während sich der moderate CO2-Ausstoß zu Beginn der Industrialisierung noch relativ wenig auf die Globaltemperatur auswirkte, nahm ihr Anstieg seit den 1960er Jahren rasant an Fahrt auf. Er gipfelte schließlich im Jahr 2015, als die Abweichung erstmals auf etwa 1°C gegenüber dem vorindustriellen Wert kletterte. Dazu beigetragen hatte einerseits die seit Jahren andauernde Erderwärmung, aber auch der extrem starke El Niño 2015.
Doch es kommt noch schlimmer. Sehr wahrscheinlich, so zeigen es erste Auswertungen der World Meteorological Organization (WMO) in Genf, wird dieser Rekord vom bald endenden Jahr 2016 übertroffen.

Die Abweichung der Globaltemperatur steuert auf einen Wert von 1,1°C für 2016 zu und kommt damit dem auf der Klimakonferenz in Paris 2015 gesetzten 1,5°-Ziel sehr nahe. Wie ambitioniert das 1,5°-Ziel überhaupt ist, zeigen Untersuchungen von Joeri Rogelj und seiner Kollegen vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) aus dem vergangenen Jahr. Demnach muss sich die Weltgemeinschaft bis etwa 2050 gänzlich von den Emissionen zusätzlichen Kohlendioxids lossagen, um die Erderwärmung auf unter 1,5°C halten zu können. Ohne den Einsatz der sog. CCS-Technik, dem Speichern und Abscheiden von CO2 aus den Abgasen, und der anschließenden dauerhaften Einlagerung des CO2 in Lagerstätten, nur sehr schwer zu schaffen. Die Welt müsste ihren Energiebedarf bis 2050 komplett aus den erneuerbaren Energien decken, ein Ziel, das angesichts der immer rasanteren CO2-Emissionen wohl nicht einzuhalten ist. Für die UN-Klimakonferenz in Marrakesch ist also schnelles Handeln angesagt.

Hier der Bericht der WMO:


15. November 2016
Dipl.-Met. Michael Köckritz
hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: miko
Letzte Aktualisierung: 18.11.2016, 15:37 Uhr
 
 

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