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18.11.2016

Online-Wetterthema des Tages

Arktis unter Hitze, Sibirien eiskalt

Deutlich zu mild ist es derzeit in Deutschland, daran ändert auch die kleine Abkühlung am Samstag nichts. Nächste Woche wird es sogar frühlingshaft. Und viel zu warm ist es aktuell auch in der Arktis, während man andernorts unter Eiseskälte ächzt...
 
Die Neubildung von arktischem Meereis ist im November mächtig ins Stocken geraten. Noch nie, seit Beginn der Meereisflächenbestimmung mittels Satellitenmessungen im Jahr 1979, war Mitte/ Ende November so wenig Meereis in der Arktis vorhanden. Auch nicht im bisher schlechtesten Jahr 2012. Das verwundert bei einem Blick auf die derzeitigen Abweichungen der Lufttemperatur auch kaum, in unserer Abbildung links. Bis zu 20 Grad zu warm ist es derzeit rund um Spitzbergen. Eigentlich sollten dort jetzt Temperaturen von -8°C tagsüber und -14°C nachts herrschen. Doch davon ist man weit entfernt. Stattdessen gibt es Freitag Tiefstwerte von +2°C und Höchstwerte von +4°C. Es ist also auf Spitzbergen selbst rund 12°C zu warm. Damit geht auch die Entwicklung des Meereises einher. Seit Mitte Oktober gab es auf Spitzbergen am 3. November mit -3,9°C die kälteste Nacht, was viel zu mild ist, denn viele andere Nächte schafften es nicht einmal überhaupt Frost zu bringen. Und diese geringen Fröste reichen auch gar nicht aus, um das Meerwasser Gefrieren zu lassen. Der Salzgehalt verhindert dies. Noch unwinterlicher sieht es auf dem zu Russland gehörenden Franz-Josef-Land aus. Temperaturabweichungen von +20°C werden dort registriert. Langjährigen November-Temperaturen von -18/ -19°C stehen aktuellen Werten um den Gefrierpunkt gegenüber. Auch hier klafft ein riesiges Loch in der Eisdecke. Bis weit nach Osten vor die russische Küste ist das Eismeer derzeit offen, die türkise Linie rechts in der Abbildung zeigt, wie weit die Eisausdehnung eigentlich sein sollte.

Auf der anderen Seite hat sich über Sibirien ein riesiger Kältepol gebildet. Temperaturen von -40 bis -45°C in den Nächten und um -30°C tagsüber ließen ungewöhnlich früh im Jahr alles erstarren. Viele Flüsse sind bereits zugefroren. In Nowosibirsk beispielsweise sanken die Temperaturen schon Anfang Oktober in den Frostbereich. Selbst tagsüber kamen die Werte seitdem nur noch an wenigen Tagen über die 0°C-Grenze hinaus und seit rund einer Woche herrschen eisige Werte. Am gestrigen Donnerstag gab es Höchstwerte von -25°C (normal wären jetzt -4°C). Dennoch warnen die Behörden dort vor dem Betreten des Ob, der Fluss, der durch Nowosibirsk fließt. Die Eisdecke sei noch nicht stabil genug, um mit dem so beliebten Eisfischen zu beginnen.

In Sibirien zeigt sich also das andere Extrem: Temperaturabweichungen bis -20°C und eine ungewöhnlich frühe und hohe Schneedecke, selbst für die kälteliebenden Russen eine Herausforderung.

Für uns in Deutschland kann diese ungewöhnliche Kälte in Sibirien und dem europäischen Teil Russlands einen frühen Wintereinbruch und auch einen kalten Winter bedeuten, muss sie aber nicht. Eine üppige Meereisbedeckung in der Arktis ist nämlich ebenso wenig ein Garant für einen harten Winter, wie die derzeit ausgezeichnete (natürlich nur für Winterliebhaber) Schnee- und Kältesituation in Sibirien. Die Atmosphäre ist es, die uns die Kälte bringen kann. Ob sich letztlich die Eisluft auch Richtung Europa in Gang setzt, das lässt sich Wochen oder gar Monate im Voraus nicht sagen.


18. November 2016 Dipl.-Met. Michael Köckritz hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: miko
Letzte Aktualisierung: 18.11.2016, 15:30 Uhr
 
 

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