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6.12.2016

Online-Wetterthema des Tages

Industrieschnee

Einige Städte hatten bereits ihre weiße Überraschung. Nun hat es auch in Frankfurt am Main und Kassel geschneit und das, obwohl die Wetterlage Schnee eigentlich gar nicht hergibt? Aus welchem Himmel kommt dann aber das Weiß?
 
Heute Morgen gab es in den südwestlichen Stadtteilen Frankfurts am Main eine weiße Überraschung. Etwa 1 bis 3 cm Schnee waren über Nacht gefallen. Allerdings nicht überall. Während man in einigen Straßenzügen leicht angezuckert wurde, blieb es ein paar Häuserblocks weiter grün oder braun. Doch der Schnee, der da vom Himmel kam, ist menschengemacht. Es handelt sich um Industrieschnee, der gern in der Nähe von Industrieanlagen mit Schornsteinen niedergeht. Feine Eisnadeln lagern sich an Autos, Bäumen und Sträuchern ab und hüllen die Umgebung in eine ganz besondere Atmosphäre. Aus vielen dieser Schornsteine werden nicht nur Abgase, sondern auch ein erheblicher Anteil Wasserdampf abgegeben.

Die Voraussetzungen für die Entstehung von Industrieschnee sind: Ruhiges Hochdruckwetter, eine Inversion (aktuell zwischen 500 und 800 Metern zu finden), dazu Hochnebel bzw. Nebel, Minusgrade in den unteren Luftschichten und am besten mehrere qualmende Schornsteine in der Nähe. Der Eintrag von Wasserdampf und Kondensationskeimen sorgt dann dafür, dass die ohnehin schon sehr feuchte Grundschicht die zusätzliche Feuchtigkeit nicht mehr halten kann. Die Kondensationskeime aus den Industrieanlagen, sog. Aerosole, spielen eine wichtige Rolle. Ganz allgemein spielen diese Keime bei der Tropfen- und Schneebildung die zentrale Rolle überhaupt. Denn ohne sie, es handelt sich um Teilchen mit einer Größe von etwa einem Nanometer (= millionstel Millimeter), würden erst gar keine Wolken entstehen. Zusammen mit dem Wasserdampf führen die Aerosole aus den Industrieanlagen zu einer Sättigung, so dass es Niederschläge gibt. Bei Plusgraden würde es nieseln, der Norddeutsche sagt auch gern fisseln, doch wenn es kalt genug ist, dann schneit es.

Wer den Industrieschnee mal näher unter die Lupe nimmt, der wird feststellen, dass ihm die Anmut seines natürlichen Verwandten fehlt. Einfache Plättchen oder Nadeln haben sich auf Bäume und Autos gelegt. Keine Spur ist zu sehen von den sechseckigen, filigranen Schneekristallen der Natur. Der Industrieschnee hatte einfach nicht die Zeit. Denn während dem Naturschnee während seines Fallens aus 1000 bis 2000 Metern genug Zeit eingeräumt wird, um an den ersten Eisnadeln und Plättchen sechseckige Schneeflocken (Dendriten) von einigen Zentimetern auszubilden, ist dies dem Industrieschnee nicht vergönnt. Seine Fallhöhen reichen bestenfalls bis auf 200 Meter hinauf. Meistens sind die Fallhöhen des Industrieschnees aber noch geringer, denn die Emissionen der Industrieanlagen finden in den unteren 50 bis 100 Metern statt. Eine zu kurze Wegstrecke und somit zu wenig Zeit, um wunderschöne Schneeflocken ausbilden zu können. Für eine kleine Winterimpression reicht es aber dennoch, wenngleich es ein eng begrenztes Phänomen bleibt.

Industrieschnee ist stärker mit Luftschadstoffen angereichert als Naturschnee, denn er enthält ja die Rückstände aus den Industrieanlagen wie Ruß, Salze oder Kohlenstoffpartikel. Daher sollte man ihn natürlich nicht in den Mund nehmen, vor allem Kinder gilt es davon abzuhalten. Allerdings ist auch der Naturschnee nicht sauber: Durch die zunehmende Luftverschmutzung ist auch er immer häufiger durch Rückstände aus der Industrie, dem Verkehr oder auch der Landwirtschaft belastet.


6. Dezember 2016 Dipl.-Met. Michael Köckritz hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: miko
Letzte Aktualisierung: 6.12.2016, 14:04 Uhr
 
 

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