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14.12.2016

Online-Wetterthema des Tages

Die Polarfront

In etwa 10 km Höhe befindet sich ein Starkwindband, welches kühle Polarluft von subtropischer Warmluft trennt.
 
Die stärksten Winde auf diesem Planeten wehen an der Grenze zwischen der Tropo- und der Stratosphäre. Dort können im Bereich des sogenannten Strahlstroms maximale Windgeschwindigkeiten über 600 km/h erreicht werden. Diese kleinräumigen Starkwindgebiete sind nicht nur ein Problem für die Luftfahrt, sondern beeinflussen die Entstehung und Zugbahn von Tiefdruckgebieten.

Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges amerikanische Langstreckenbomber vom Typ B-29 über den Pazifik nach Japan in für damalige Zeiten ungewöhnlichen Flughöhen um 10 km flogen, wunderten sich die Piloten, dass sie zeitweise mit extrem starken Gegenwinden zu kämpfen hatten und kaum noch vorankamen. Sie waren auf den Jetstream, zu Deutsch Strahlstrom oder auch Polarfront, gestoßen, dessen Existenz von dem schwedischen Meteorologen Carl-Gustaf Arvid Rossby theoretisch vorausgesagt wurde.

In den Tropen gelangt sehr viel mehr Sonnenenergie in die Atmosphäre, als an den Polen. Somit steigt rund um den Äquator feuchtwarme Luft in bis zu 18 Kilometer Höhe, wo dadurch der Luftdruck ansteigt und ein sogenanntes Höhenhoch entsteht. An den Polen ist die Situation genau umgekehrt: Die kalte Luft ist sehr schwer und sammelt sich in niedrigeren Luftschichten, am Oberrand der Troposphäre, die dort nur etwa 8 Kilometer mächtig ist entsteht somit ein Höhentief.

Da nun die Luft immer vom hohen zum tiefen Druck strömt, möchte diese sich vom Äquator zum Pol bewegen. Da macht ihr jedoch die Erdrotation einen Strich durch die Rechnung, denn diese lenkt die Luftströmung auf der Nordhalbkugel nach rechts ab. Schließlich entstehen so Starkwindgebiete, die im Mittel von West nach Ost ausgerichtet sind. Es gibt insgesamt vier solcher Gebiete, den Subtropenjet in etwa 35 Grad nördlicher bzw. südlicher Breite und die noch stärkeren Polarfrontjets, die sich in jeweils etwa 60 Grad um den Globus schlängeln.

Die Polarfront wirkt wie eine natürliche Barriere für den Austausch wärmerer Luftmassen aus den Tropen und kälterer Polarluft. Jedoch entstehen gerade im Bereich des Jetstreams die Tiefdruckgebiete der mittleren Breiten, die diese Barriere in tieferen Luftschichten aufbrechen und somit einen großräumigen Temperaturausgleich zwischen Äquator und Pol erwirken. Aus diesem Grund ist die Lage des Jetstreams für die Wetterentwicklung der mittleren Breiten von großer Bedeutung, steuert er doch in etwa die Verlagerung der wetterwirksamen Tiefs.

Aktuell ist die Polarfront über Europa weit nach Norden ausgebuchtet. Über Mitteleuropa hat sich ein Hochdruckgebiet eingenistet, welches auch in den kommenden Tagen wetterbestimmend bleibt. Atlantische Tiefs mit ihren Niederschlagsgebieten werden dadurch abgeblockt oder müssen entlang der Polarfront weit nach Norden ausweichen. Bei uns bleibt es also trocken und es stellt sich mitunter freundliches, oft aber auch neblig-trübes Wetter ein. Ob diese blockierte und die Chancen auf Neuschnee deutlich verringernde Wetterlage auch bis über Weihnachten Bestand hat, muss aber noch abgewartet werden.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Tim Staeger
 

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Redaktion: tist
Letzte Aktualisierung: 14.12.2016, 14:09 Uhr
 
 

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