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28.12.2016

Online-Wetterthema des Tages

Sehr kräftiges Hoch – Und nun?

Haben Sie ein Barometer daheim? Dann werden Sie sich beim Blick auf die Messnadel wahrscheinlich sehr wundern...
 
Luft wiegt etwas, und das gar nicht wenig. Auf jeden Quadratmeter der Erdoberfläche lasten etwa 10 Tonnen, Im Tiefdruckgebiet etwas weniger, im Hoch mehr. Dieses Gewicht der Luft, also die Kraft pro Fläche, die die Luft ausübt, wird in der Meteorologie in Hektopascal (hPa) angegeben. Bei uns in Mitteleuropa sind Luftdrücke von 995 bis 1030 hPa normal. Ausreißer nach unten stellen Orkantiefs dar, die vom Atlantik heran rauschen und vor allem Westeuropa treffen. Da kann es schon mal mit dem Luftdruck auf unter 930 hPa gehen. Der Britische Wetterdienst weist beispielsweise 925,6 hPa als den tiefsten jemals gemessen Luftdruck für Großbritannien aus, am 26. Januar 1884 war das. Doch auch die Hochdruckgebiete können deutlich stärker sein als 1030 hPa. Über dem Baltikum lag am 23. Januar 1907 ein mächtiges Kältehoch. In seinem Zentrum zeigten die Barometer einen Druck von 1067,1 hPa an, sowohl in Riga (Litauen) als auch in Pärnu (Estland).

Für jede Station lassen sich aber immer zwei Luftdrücke angeben. Auf der einen Seite den Stations-Luftdruck, den das Barometer auf der Höhe des Ortes misst, beispielsweise auf 600 Meter. Auf der anderen Seite den reduzierten Luftdruck, den man mittels der sog. Standard-Atmosphäre auf das Meeresniveau, also auf 0 Meter, herunterrechnet. Für die meisten Orte auf der Erde gilt dabei: Reduzierter Luftdruck größer gleich ( ≥) Stations-Luftdruck. Beispiel: Aktuell wird in Frankfurt am Main ein Stations-Luftdruck von etwa 1032 hPa registriert. Zeitgleich sind es auf dem nahen Feldberg im Taunus nur 944 hPa. Das sagt erst einmal nicht viel. Reduziert man jedoch die beiden Stationsdrücke auf Meeresniveau, dann erhält man die Luftsäule über den Orten, wie sie wäre, wenn beide auf 0 Meter lägen. Dann sind es in Frankfurt und auf dem Feldberg 1045 hPa. Erst jetzt lassen sich die Werte beider Orte überhaupt miteinander vergleichen. Denn ob der Luftdruck prinzipiell gutes oder schlechtes Wetter bedeutet, das lässt sich erst mittels des reduzierten Luftdruckes sagen. 970 hPa an einer Flachlandstation wie Köln oder Magdeburg bedeuten ein ausgewachsenes Tief, aber 970 hPa auf 600 Meter Höhe sind eher ein mächtiges Hochdruckgebiet. Reduziert man die 970 hPa der 600 Meter hoch gelegenen Station auf NormalNull (NN = 0 Meter), so landet man bei ungefähr 1045 hPa.

Der aktuell reduzierte Luftdruck für Frankfurt am Main ist dabei mit 1045 hPa schon bemerkenswert. Hoch „Yörn“ liegt mit seinem Zentrum im Bereich Luxemburg/ westliches Rheinland-Pfalz. Dort sind es derzeit sage und schreibe 1047 hPa, reduziert auf NN wohlgemerkt. Der höchste jemals gemessene reduzierte Luftdruck lag in Frankfurt am Main bei 1047 hPa. Das war am 16. Januar 1882. Dennoch ist es immer noch weit entfernt vom Deutschland-Rekord: 1907 registrierte das Barometer in Greifswald einen reduzierten Luftdruck von 1060,8 hPa.

Hat es nun wesentliche Auswirkungen auf das Wetter, ob ein Hochdruckgebiet nur 1025 hPa oder doch 1050 hPa zu bieten hat. Die Antwort ist: Eher nein! Denn egal ob 1025 oder 1050 hPa, schöneres Wetter kann auch ein mächtigeres Hoch nicht bieten. Auch dann können sich Nebel und Hochnebel im Winter als sehr zäh erweisen, und im Sommer kann es auch nicht mehr als sonnig werden. Wie steht es mit der Temperatur? Ist die wenigstens deutlich höher, wenn das Hoch mächtig ist? Auch das muss man verneinen. Immer Sommer kann das Mehr an Luft im Hoch über unseren Köpfen nicht für höhere Temperaturen sorgen. 35°C bleiben 35°C, egal wie kräftig das auch Hoch ist. Der Wind ist eine der wenigen meteorologischen Größen, die sich beeinflussen lässt. Ein starkes Hoch bedeutet nämlich einen hohen Luftberg. Von diesem Luftberg geht es rasant hinab in die Lufttäler (= Tiefdruckgebiete) in der Umgebung. Und wenn es rasant bergab geht, dann weht reichlich Wind. Die Atmosphäre mag sehr hohe Luftberge und sehr tiefe Lufttäler nicht und will sie abbauen. Das geschieht mittels Wind vom Berg zum Tal. Deshalb bedeutet ein starkes Hoch, dass an den Rändern ein starkes Gefälle und somit starke Winde herrschen. Genau das hatten wir übrigens am 2. Weihnachtsfeiertag sowie in der Nacht zum gestrigen Dienstag. Ein großer Druckunterschied hatte sich über Europa aufgebaut, 990 hPa über der südlichen Ostsee und 1042 hPa in Paris. Dazwischen gab es Orkanböen bis 130 km/h an der deutschen Nordseeküste, mit 159 km/h peitschte der Wind vor der norwegischen Küste.

Unser starkes Hoch wird in den letzen Tagen des Jahres 2016 für ruhiges und oftmals trockenes Wetter sorgen. An Neujahr schwächt es sich ab und verschwindet schließlich Richtung Mittelmeer. Dann ist der Weg frei für Tiefdruckgebiete und Kaltluft vom Polarmeer. Wie kalt und schneereich dabei die ersten Tage von 2017 verlaufen werden, das ist aktuell noch ziemlich unsicher. Winter im Bergland steht aber auf jeden Fall auf dem Plan.


28. Dezember 2016 Dipl.-Met. Michael Köckritz hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: miko
Letzte Aktualisierung: 29.12.2016, 9:25 Uhr
 
 

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