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30.12.2016

Online-Wetterthema des Tages

Der Jahresrückblick

Welches Wetter haben Sie noch in Erinnerung, wenn sie an das zu Ende gehende Jahr 2016 denken? Vielleicht den dritten milden Winter in Folge? Oder irgendein Unwetter? Wir wollen die Besonderheiten der vergangenen 12 Monate unter die Lupe nehmen.
 
Unsere Grafik zeigt die Abweichung der Monatsmitteltemperaturen des Jahres 2016 von den langjährigen Mitteln, bezogen auf die Fläche von ganz Deutschland (Datenquelle: Deutscher Wetterdienst). Dabei liegen diesem Jahresrückblick erstmals nicht mehr die langjährigen Mittelwerte der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 zugrunde, sondern die aus dem Zeitraum 1981 bis 2010.

Das Jahr 2016 brachte es bundesweit auf eine Mitteltemperatur von 9,6 Grad und war damit um 1,4 Grad wärmer als zwischen 1961 und 1990 üblich. Im Vergleich zu den Jahren 1981 bis 2010 machte die Abweichung noch 0,8 Grad aus. Für eine Jahrestemperatur ist diese Abweichung groß. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es in Deutschland lediglich 7 wärmere Jahre, die man alle in den letzten 25 Jahren findet. Über ganz Deutschland gemittelt gab es in den vergangenen 12 Monaten eine Regensumme von 736 l/m². Das sind 90 Prozent des langjährigen Mittelwerts von 818 l/m² aus den Jahren 1981 bis 2010. Die Sonnenscheinsumme von nicht ganz 1600 Stunden entsprach beinahe dem Mittelwert. Somit kann man das Jahr 2016 als deutlich zu warm, in Sachen Regen und Sonnenschein hingegen, zumindest von den Mittelwerten her, als recht normal einstufen. Einzelne Monate zeigten hingegen deutliche Abweichungen von der Norm, doch dazu später noch mehr. Die hier genannten Werte für 2016 enthalten eine Prognose der letzten zwei Tage des Jahres, die endgültigen Werte können also noch geringfügig davon abweichen.

Das Jahr 2016 begann in der Nordosthälfte hochwinterlich, zum Teil herrschte dort in der ersten Januarwoche strenger Dauerfrost mit Höchstwerten von -10 Grad. Eine ähnliche Lage hatte es auch in der zweiten Januarhälfte 2014 gegeben. Wie schon damals erreichte die Kaltluft den Südwesten nicht. Besonders am Oberrhein gab es damit den dritten Winter in Folge keine wirklich winterliche Witterung. Daran änderte auch ein in ganz Deutschland etwas kälterer Witterungsabschnitt Mitte Januar 2016 nichts. In Mannheim gab es dabei zwei Eistage (Höchstwert unter Null Grad), die einzigen beiden des Winters 2015/16. In der letzten Januardekade und im Februar war es dann in ganz Deutschland sehr mild. Dazu sorgten atlantische Tiefausläufer im Februar für viele Wolken und Regen. Zum Teil war es auch recht windig, vor allem zur Fastnacht.

Die beiden Frühlingsmonate März und April verliefen recht normal. Dabei wechselten sich tiefdruckgeprägte Abschnitte und kürzere Hochdrucklagen ab. Angenehme Frühlingstage mit Sonnenschein gab es Mitte März und immer wieder auch mal in den ersten beiden Aprildekaden. Ende April sorgte eine Nordlage für das klassische Aprilwetter mit Schauern, wie es in den letzten Jahren fast schon außer Mode gekommen war. Dabei gab es auch verbreitet nochmals Nachtfröste. Im Mai setzte sich der recht normale Wechsel von Hoch- und Tiefdruck fort, wobei der Monat etwa 1 Grad zu warm ausfiel. Fast durchweg sonnig war es dabei vom 5. bis zum 9. Mai, die anderen Hochdrucklagen waren kürzer.

Außergewöhnlich war sicher die Häufung von Unwettern zwischen dem 27. Mai und 8. Juni dieses Jahres. In diesen 13 Tagen gab es jeden Tag irgendwo in Deutschland Unwetter. Das Besondere daran war, dass die Gewitter bei nur schwachen Winden sehr langsam zogen und deshalb lokal begrenzt extreme Regenmengen hinterließen. Besonders heftig getroffen wurde Braunsbach im Nordosten von Baden-Württemberg und die Region um die niederbayerische Kleinstadt Simbach/Inn. Der Sommer als Ganzes betrachtet zeigte hingegen keine außergewöhnlich hohe Gewitteraktivität. Im August gab es nur sehr wenige Gewitter.

Der Sommer 2016 wandelte sich in seinem Verlauf massiv. Im Juni waren 27 Tage von Tiefdruckgebieten geprägt. Das andauernde Tiefdruckwetter sorgte für wenig Sonnenschein und viel Regen. So wurden im deutschlandweiten Mittel 150 Prozent des üblichen Regens beobachtet. Auch im Juli und in der ersten Augusthälfte überwog noch der Tiefdruckeinfluss, dennoch verlief dieser Zeitraum relativ normal. Ende August drehte der Sommer dann richtig auf. Unter Hochdruck gab es einige Sonnentage und es wurde für den Spätsommer ungewöhnlich heiß. Und dann kam der September, welcher für die Meteorologen eigentlich schon zum Herbst gehört. Doch dieses Jahr handelte es sich von den Temperaturen her um einen zusätzlichen geschenkten Hochsommermonat. Und dieser war darüber hinaus Dank andauernder Hochdrucklagen noch ausgesprochen sonnig und trocken. Der Sommer 2016 handelte sich durch seinen nassen Start einen schlechten Ruf ein, den er nur schwer wieder ablegen konnte. Er war jedoch recht normal, und wenn man den September noch mitzählt, sogar deutlich überdurchschnittlich.

Herbst wurde es dann im Oktober. Dieser war sogar nach den neuen Mittelwerten (1981 bis 2010) etwa 1 Grad kälter als üblich und sonnenscheinarm. Der November schaffte ebenfalls eine negative Temperaturanomalie. Er zeigte sich in seiner ersten Hälfte relativ kalt und vor allem in Teilen Norddeutschlands sogar schon richtig winterlich. Milder und wechselhaft war es ab der Monatsmitte. Der Dezember zeigte sich, wie schon im Vorjahr, ungewöhnlich sonnig und trocken, allerdings lange nicht so mild wie damals.

In der ersten Januarwoche wird es nun im Bergland winterlicher. Ob es in der weiteren Folge vielleicht mal wieder für einen richtigen Wintereinbruch ausreicht, der erstmals nach 2013 auch die südwestlichen Niederungen erreicht, ist noch offen.

Freitag, 30. Dezember 2016

Dr. Ingo Bertram hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: inbe
Letzte Aktualisierung: 30.12.2016, 14:26 Uhr
 
 

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