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4.01.2017

Online-Wetterthema des Tages

Kontinentale Polarluft

In den kommenden Tagen erfolgt in Teilen Europas ein Vorstoß sehr kalter Luft. Auch in Deutschland wird man davon etwas spüren. Doch über welche Regionen streicht die kälteste Luft und wie lange dauert dieses Wintergastspiel?
 
Die kältest mögliche Luftmasse, die es im europäischen Winter gibt, ist die kontinentale Polarluft. Sie stammt in der Regel aus dem Nordwesten Russlands. Dort kann sich die Luft über einer Schneedecke im Winter stark abkühlen. Somit unterscheidet sich diese Luftmasse deutlich von maritimer Polarluft, die aus Nordwesten zu uns strömt. Denn letztere erreicht uns nur in sehr abgeschwächter Form, sie wird auf dem Weg über die Nordsee deutlich erwärmt. So kommt es, dass man richtiges Winterwetter mit Schneedecke und Dauerfrost in den westlichen Niederungen meistens nur dann erleben kann, wenn kontinentale Polarluft im Spiel ist. Und die erreicht uns nicht sehr oft. Wir leben in einer Zone mit vorherrschenden Westwinden. Aus Nordosten weht der Wind hingegen selten.

Aktuell hat sich die sehr kalte Luft über Nordeuropa gesammelt, ihre vordere Grenze befindet sich am heutigen Mittwoch über Südschweden und dem Baltikum (siehe Abbildung). In Lappland und im Nordwesten Russlands lagen die Tiefstwerte am Mittwoch zwischen -30 und -40 Grad. Bis Donnerstagmittag strömt die sehr kalte Luft über die Ostsee bis nach Polen und in den Nordosten Deutschlands. Damit wird es auch dort frostig, allerdings lange nicht so kalt wie im Ursprungsgebiet der Luftmasse. Auch die Ostsee erwärmt die Luftmasse etwas und außerdem liegt im Nordosten Deutschlands und in Polen meist nur wenig Schnee.

Am Freitag hat die sehr kalte Luft dann weite Teile des östlichen Mitteleuropas überflutet und auch am Samstag liegt sie dort noch. Somit werden diese beiden Tage vom Südosten Deutschlands bis nach Polen und auf dem Balkan sehr kalt mit Höchstwerten von -5 bis -10 Grad. Nachts geht es dort verbreitet auf -10 Grad, über Schnee zum Teil auch unter -20 Grad zurück. Noch kälter wird es in den Gebirgen. In den Bayerischen Alpentälern sind Werte um -25 Grad zu erwarten, in höher gelegenen Tälern von Österreich auch Werte um -30 Grad. Aber auch in den Gebirgen des Balkans wird es zum Teil deutlich unter -20 Grad geben.

Am Sonntag schließlich liegt die kälteste Luft über Bulgarien. Selbst in Sofia sind dann am Tage Werte um -10 und in der Nacht um -20 Grad zu erwarten. In der kommenden Woche schwächt sich der Frost auch in Südosteuropa langsam wieder ab.

In Deutschland wird es schon am Sonntag von Nordwesten her milder. Aus Sicht der westlichen Landesteile kann man hierzulande ohnehin nur von einem kurzen Streifschuss kalter Luft reden. So wird es am Niederrhein auch in der kältesten Nacht keinen strengen Frost, also unter -10 Grad, geben. Diese Marke wurde hier letztmals am 13.3.2013 unterschritten. In Mannheim muss man sogar bis in den Februar 2012 zurück schauen, um den letzten strengen Frost zu finden. Und auch hier ist es nicht sicher, ob es jetzt überhaupt so kalt wird. In richtig strengen Wintern erreicht kontinentale Kaltluft Deutschland zentral und für längere Zeit. Dann sind auch in den westlichen Niederungen Höchstwerte um -10 Grad und Tiefstwerte um -20 Grad drin. Eine solche Wetterlage wäre jetzt möglich gewesen, wenn nur kleine Details anders gelaufen wären.

Mittwoch, 4. Januar 2017

Dr. Ingo Bertram hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: inbe
Letzte Aktualisierung: 4.01.2017, 13:54 Uhr
 
 

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