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6.01.2017

Online-Wetterthema des Tages

Wetterlagen

Den Begriff der Wetterlage dürfte jeder schon einmal gehört haben. Die Kenntnis der Wetterlage erlaubt bereits grobe Aussagen über das zu erwartende Wetter und mit ihrer Hilfe kann man das Wetter erklären. Was sind die wichtigsten Wetterlagen für uns?
 
Unsere Grafik zeigt die relative Häufigkeit der Wetterlagen mit Warmluftzufuhr für die Jahre seit 1881. Für den Fachmann sei verraten, dass die Lagen „Südwest zyklonal“, „Südwest antizyklonal“, „Süd zyklonal“, „Süd antizyklonal“, „Südost zyklonal“, „Südost antizyklonal“, „Trog Westeuropa“ und „Tief Britische Inseln“ berücksichtigt wurden, klassifiziert nach Hess und Brezovsky.

Das Wetter wiederholt sich niemals exakt, aber trotzdem gibt es immer wieder ähnliche Muster im Ablauf des Wettergeschehens und in der Druckverteilung. Deshalb ist es sinnvoll, Tage mit ähnlicher Druckverteilung zusammenzufassen. Im Laufe der Zeit wurden für verschiedene Länder unterschiedliche Klassifikationen entwickelt. Für Mitteleuropa und somit auch für Deutschland ist die Einteilung nach Hess und Brezowsky sinnvoll. Deren erster Katalog der Großwetterlagen Europas kam im Jahre 1952 heraus. Diese Einteilung erfolgt nach der Lage der steuernden Hochs und Tiefs und berücksichtigt dabei, ob in Mitteleuropa der Hochdruck- oder der Tiefdruckeinfluss überwiegt. Unterschieden werden hierbei 29 Großwetterlagen. Das Wetter selbst kann während einer Großwetterlage wechseln, der Charakter der jeweiligen Witterung bleibt aber erhalten. Die Wetterlagen dauern typischerweise 3 Tage bis mehrere Wochen an.

Von den 29 verschiedenen Lagen seien nur die wichtigsten genannt. Für unser Klima typisch ist die Lage „West zyklonal“, wie wir sie an 16 Prozent aller Tage erleben. Über Nordeuropa liegt tiefer Druck, über dem Mittelmeer hoher. Dazwischen ziehen immer wieder atlantische Tiefs mit ihren Ausläufern von West nach Ost über Deutschland. Das Wetter gestaltet sich in so einem Falle sehr wechselhaft. Ähnlich verlaufen auch die Lagen „Südwest zyklonal“ und „Nordwest zyklonal“, nur mit dem Unterschied, dass erstere wärmer und letztere kälter als die Lage „West zyklonal“ ist. Sehr markant sind im Winter die Nordostlagen. Sie bringen Kaltluft aus Nordosteuropa zu uns und damit auch im Flachland Dauerfrost. Recht häufig kommt auch die Lage „Hoch Mitteleuropa“ vor, nämlich an 9 Prozent aller Tage.

Wenn man nun alle Wetterlagen addiert, die Warmluft nach Deutschland lenken, ergibt sich ein interessantes Ergebnis (siehe oben). Während sie um das Jahr 1900 an 12 bis 13 Prozent aller Tage vorherrschten, machte ihr Anteil in den letzten 20 Jahren erstaunliche 23 Prozent aus. Diese Zunahme erfolgte vor allem auf Kosten der Lagen mit Kaltluftzufuhr und nur zu einem kleineren Teil auf Kosten neutraler Lagen. Die globale Mitteltemperatur ist im oben dargestellten Zeitraum um etwa 0,8 Grad angestiegen, in Deutschland zugleich um 1,6 Grad. Dieser Unterschied könnte sich damit erklären. Ein Teil der Erwärmung hierzulande ist offensichtlich einer Umverteilung der Wetterlagen zu schulden. An dieser Stelle böte es sich an, noch sehr viel genauer nachzuforschen, was im Rahmen dieses Wetterthemas nicht möglich war. Man könnte die Südostwetterlagen im Winter unberücksichtigt lassen, da selbige zu dieser Jahreszeit nicht sonderlich warm sind. Interessant wäre es auch, die Erwärmung durch die geänderten Wetterlagen genauer zu quantifizieren. Dazu wäre es sinnvoll, Gebietsmittel der Temperatur in Deutschland für die verschiedenen Wetterlagen auszurechnen, in Abhängigkeit der Jahreszeit, und mit diesen Daten dann zu schauen, wie groß der Einfluss der geänderten Häufigkeiten tatsächlich ist. Interessant wäre auch zu wissen, warum sich die Häufigkeitsverteilung der Wetterlagen gewandelt hat. Das bisher wärmste Jahr in Deutschland war 2014. Es war auch das Jahr mit den meisten wärmebegünstigenden Wetterlagen (siehe Abbildung). An 37 Prozent aller Tage wurde damals Warmluft nach Deutschland gelenkt.

Freitag, 6. Januar 2017

Dr. Ingo Bertram hr-Wetterredaktion
 

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Redaktion: inbe
Letzte Aktualisierung: 6.01.2017, 13:29 Uhr
 
 

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