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Biene auf Honigwaben (Bild:  picture-alliance/dpa)

14.12.2016: Süße Weihnachtszeit

Manuka-Honig gegen Krankenhauskeime?

Wir Deutschen sind mit gut 1,2 Kilogramm pro Kopf und Jahr Weltmeister im Honig-Verbrauch. Aber Honig ist nicht nur eine Süßigkeit, es steckt mehr in dem "flüssigem Gold". Honig könnte offenbar helfen, multiresistente Keime zu bekämpfen.
 

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14.12.2016, 21:00 Uhr
Video: Honig auf Rezept? 6:16 Min
(© hr | alles wissen, 14.12.2016)
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Nach Schätzungen sterben an multiresistenten Keimen, wie zum Beispiel dem MRSA-Keim europaweit jährlich 50.000 Menschen. Das Problem: Antibiotika wirken gegen sie nicht mehr. Doch nun scheint ein neues Wundermittel in Sicht. Glaubt man den Schlagzeilen, soll Manuka-Honig die lebensgefährlichen Keime bekämpfen können.

Dr. Anke Görgner ist leitende Oberärztin für Naturheilkunde des SANA Klinikums in Leipzig. Sie ist von den Eigenschaften dieses besonderen Honig fasziniert: "Es ist in der Tat ein erfolgsversprechendes Präparat, weil es zwei Eigenschaften vereint. Einmal die desinfizierende Wirkung des Manuka-Strauchs, zum anderen die antimikrobiellen Eigenschaften des Honigs, der ja seit der Antike bekannt ist."
 

Aus dem Nektar der Südseemyrthe

Gewonnen wird der Manuka-Honig in Neuseeland aus dem Nektar der Südseemyrte, einer Verwandten des australischen Teebaums. Er besteht wie jeder andere Honig auch aus verschiedenen Zuckern. Die entziehen Bakterien das Wasser und können so deren Vermehrung verhindern. Darüber hinaus steckt in Honig aber noch ein ganzes Arsenal verschiedener Waffen gegen Bakterien und Keime, wie Säuren und Wasserstoffperoxid. Warum der Manuka-Honig aber um so viel wirksamer ist, als unser heimischer Honig, war lange unklar.
 

Manuka-Honig wirkt stark antibakteriell

An der Technischen Universität Dresden haben Lebensmittelchemiker Prof. Thomas Henle und sein Team das Geheimnis um den Honig gelüftet: "Wir haben verschiedene Honige untersucht, Reaktionen die bei der Lagerung auftreten beispielsweise. Wir haben auch einige neuseeländische Manuka-Honige untersucht und dann eher durch Zufall entdeckt, dass diese Honige eine ganz spezielle Verbindung enthalten." Die Forscher haben eine Art Substanz gefunden, die erst beim Reifen des Honigs als Zuckerabbauprodukt im Bienenstock gebildet wird.

"Manuka-Honig enthält Methylglyoxal (MGO), diese Verbindung ist verantwortlich für das antibakterielle Wirken des Honigs. MGO findet man in keinem anderen Lebensmittel, zumindest nicht in dieser Konzentration wie man sie im Manuka-Honig findet", sagt Prof. Thomas Henle. Die gesamte Pflanze enthält ätherische Öle, die antientzündlich und antibakteriell wirken. Doch MGO findet sich nur in dem gereiften Manuka-Honig. In Spuren ist dieses auch in einheimischen Honig enthalten, aber viel zu wenig, um medizinisch wirksam zu sein.
 

Der entscheidende Wirkstoff: Methylglyoxal (MGO)

Studien zeigen, dass MGO selbst gegen Erreger wirkt, die schwere Erkrankungen, wie Magen-Darm Geschwüre, auslösen. "Bei der Behandlung von Darmkeimen verspricht Manuka große Erfolge, ich selbst habe schon gute Anwendungsbeobachtungen sehen können. Bei Patienten mit Infektionen verursacht durch Helicobacter pylori oder auch durch Escherichia coli", bestätigt Dr. Anke Görgner.

Gegen diese gefährlichen Bakterien wird oft Antibiotika eingesetzt. Sie wirken über den Dickdarm. Dort machen sie aber keinen Unterschied zwischen "guten" und "bösen" Bakterien und können großen Schaden anrichten, indem sie das Immunsystem schwächen. Manuka-Honig hingegen wird schon im Dünndarm aufgenommen und schadet den "guten" Darm- Bakterien nicht. Er könnte mitunter also eine viel sanftere Alternative zu den so schlecht verträglichen Antibiotika sein.
 

Eine Alternative zu Antibiotika?

Laut Dr. Anke Görgner werden diese viel zu oft verschrieben: "Es werden teilweise noch sehr viele Antibiotika für banale Infekte verabreicht. Das ist etwas, mit dem ich als Ärztin für Naturheilverfahren gar nicht einverstanden bin. Weil es gar keinen Sinn macht, in diesem Bereich sofort mit Antibiotika zu therapieren." Vor allem nicht bei Atemwegsinfektionen, die rund 80 Prozent aller Antibiotika Verschreibungen ausmachen. Dabei können die Antibiotika oft gar nicht zu den von einer Schleimschicht umgebenen Bakterien vordringen.

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika fördert die Ausbreitung von Resistenzen. Honig könnte dem entgegen wirken. Vieles weist darauf hin, das sogar bereits resistente Erreger, wie der MRSA-Keim, durch Manuka-Honig wieder behandelbar werden. Wie genau der Honig auf die Bakterien einwirkt, ist bisher aber noch nicht bekannt. Es könnte möglicherweise die Ansprechbarkeit auf Antibiotika wieder erhöhen, der Resistenzentwicklung entgegenwirken. Und es könnte eine sehr einfache Möglichkeit sein, um auch die Widerstandskraft der Patienten zu stärken.
 

Echten Manuka-Honig erkennen

Dr. Anke Görgner warnt allerdings vor einer Selbstmedikation. "Es geht nicht darum, dass der Honig ein gefährliches Präparat ist. Es geht darum, dass eine Erkrankung in die Hand des Arztes gehört." Als Hausmittel ist Manuka-Honig bei leichten Erkrankungen wie einer Erkältung oder zur Stärkung des Immunsystems durchaus einsetzbar.

Achtung: Echt ist der Honig nur mit ausgewiesener Methylglyoxal-Menge. Je höher diese ist, desto höher der Preis. Echter Manuka-Honig kostet zwischen 10 und 60 Euro. Denn in ganz Neuseeland werden nur 1.700 Tonnen hergestellt, im Verkauf sind aber 20.000 Tonnen. Meistens belaufen sich die Werte zwischen MGO 100 und MGO 550. Ein MGO von über 400 bezeichnet dabei schon Spitzenqualität.

Filmautorin: Sabine Guth
 

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Redaktion: anfi / erag
Letzte Aktualisierung: 14.12.2016, 18:21 Uhr
 
 

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