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Biene auf Honigwaben (Bild:  picture-alliance/dpa)

03.02.2016: Süßes (Wh.)

Manuka Honig – Honig auf Rezept?

Wir Deutsche lieben Honig und sind mit gut 1,2 Kilogramm pro Kopf und Jahr Weltmeister im Verbrauch. Vielleicht steckt noch sehr viel mehr in dem "flüssigem Gold": Honig könnte beispielsweise helfen, die gefürchteten Krankenhauskeime zu bekämpfen.
 

Honig gegen Keime

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3.02.2016, 21:00 Uhr
Video: Honig auf Rezept? 6:16 Min
(© hr | alles wissen, 03.02.2016)

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Sie lauern im Krankenhaus und nicht nur dort: multiresistente Keime, wie zum Beispiel der gefürchteten MRSA-Keim. Nach Schätzungen sterben europaweit jährlich 50.000 Menschen an diesem Erreger. Das Problem: Antibiotika wirken gegen sie nicht mehr. Doch nun scheint ein neues Wundermittel in Sicht. Glaubt man den Schlagzeilen soll Manuka-Honig die lebensgefährlichen Keime bekämpfen können.

Dr. Anke Görgner ist Leitende Oberärztin für Naturheilkunde des SANA Klinikums in Leipzig. Sie ist von den Eigenschaften dieses besonderen Honig fasziniert: "Es ist in der Tat ein erfolgsversprechendes Präparat, weil es zwei Eigenschaften vereint: Einmal die desinfizierende Wirkung des Manukastrauchs, zum anderen die antimikrobiellen Eigenschaften des Honigs, der ja seit der Antike bekannt ist."
 
Honig gehört in jede Hausapotheke, klar gegen Erkältungskrankheiten und als Einschlafhilfe. Aber dann wurde die interessierte Ärztin hellhörig: "Ich habe gehört, dass die Maori, die Eingeborenen Neuseelands immer gesagt haben, unser Honig ist etwas ganz anderes, als euer normaler Honig. Aber als dann bekannt wurde, es gibt in der Tat einen Beweis für das "Anderssein" des Honigs, dann bin ich da auch als Ärztin und wissenschaftlich interessierte Ärztin für Naturheilkunde sehr aufmerksam geworden und bin der Sache auf den Grund gegangen."

Gewonnen wird der Manuka Honig aus dem Nektar der Südseemyrte, einer Verwandten des australischen Teebaums. Er besteht wie jeder andere Honig auch im wesentlichen aus verschiedenen Zuckern. Der entzieht Bakterien das Wasser und kann so deren Vermehrung verhindern. Darüber hinaus steckt in Honig aber noch ein ganzes Arsenal verschiedener Waffen gegen Bakterien und Keime, wie Säuren und Wasserstoffperoxid. Warum der Manuka-Honig aber um so viel wirksamer ist, als unser heimischer Honig, war lange unklar.
 

Auf der Suche nach dem magischen Wirkstoff

An der Technischen Universität Dresden ist man dem Geheimnis auf der Spur. Und was die Lebensmittelchemiker um Prof. Thomas Henle da entdeckt haben, war für alle beteiligten überraschend: "Wir haben verschiedene Honige untersucht, Reaktionen die bei der Lagerung auftreten beispielsweise. Wir haben auch einige neuseeländische Manuka Honige untersucht und dann eher durch Zufall entdeckt, dass diese Honige eine ganz spezielle Verbindung enthalten." Gefunden haben sie eine Art Substanz, die erst beim Reifen des Honigs als Zuckerabbauprodukt im Bienenstock gebildet wird.

Prof. Henle erkannte sie: "Manuka Honig enthält Methylglyoxal – abgekürzt MGO, diese Verbindung ist verantwortlich für das antibakterielle Wirken des Honigs. MGO findet man in keinem anderen Lebensmittel, zumindest nicht in dieser Konzentration wie man sie im Manuka Honig findet." Die gesamte Pflanze enthält ätherische Öle, die antientzündlich und antibakteriell wirken. Doch MGO findet sich nur in dem gereiften Manuka-Honig. In Spuren ist dieses auch in einheimischen Honig enthalten, aber viel zu wenig, um medizinisch wirksam zu sein.
 

Methylglyoxal – die geheime Zutat

Studien zeigen, dass MGO selbst gegen Erreger wirkt, die schwere Erkrankungen, wie Magen-Darm Geschwüre, auslösen. Dr. Anke Görgner konnte Positives aus ihrer Studie vermelden: "Bei der Behandlung von Darmkeimen verspricht Manuka große Erfolge. Ich selbst habe schon gute Anwendungsbeobachtungen sehen können. Bei Patienten mit Infektionen verursacht durch Helicobacter pylori oder auch durch Escherichia coli."

Gegen diese gefährlichen Bakterien wird oft Antibiotika eingesetzt. Diese wirken über den Dickdarm. Dort machen sie aber keinen Unterschied zwischen "guten" und "bösen" Bakterien und können großen Schaden anrichten, indem sie das Immunsystem schwächen. Manuka Honig hingegen wird schon im Dünndarm aufgenommen und schadet den "guten" Darm- Bakterien nicht. Er könnte mitunter also eine viel sanftere Alternative zu den so schlecht verträglichen Antibiotika sein.

Laut Dr. Anke Görgner werden diese viel zu oft verschrieben: "Es werden teilweise noch sehr viele Antibiotika verabreicht für banale Infekte. Das ist etwas, mit dem ich als Ärztin für Naturheilverfahren gar nicht einverstanden bin. Weil es gar keinen Sinn macht, in diesem Bereich sofort mit Antibiotika zu therapieren." Vor allem nicht bei Atemwegsinfektionen – die machen gut 80% aller Antibiotika Verschreibungen aus. Dabei können die Antibiotika oft gar nicht zu den von einer Schleimschicht umgebenen Bakterien vordringen.
 

Antbiotika und Antbiotikaresistenzen

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika fördert aber die Ausbreitung von Resistenzen. Honig könnte dem entgegen wirken. Vieles weist darauf hin, das sogar bereits resistente Erreger, wie der MRSA-Keim, durch Manuka-Honig wieder behandelbar werden. Wie genau der Honig auf die Bakterien einwirkt, ist bisher aber noch nicht bekannt. Es könnte möglicherweise die Ansprechbarkeit auf Antibiotika wieder erhöhen, der Resistenzentwicklung entgegenwirken. Und es könnte eine sehr einfache Möglichkeit sein, um auch die Widerstandskraft der Patienten zu stärken. Damit man einfach zur Vorbeugung, damit die Patienten erst gar kein MRAS bekommen, ManukaHonig in Form von Getränken, oder einfach so, wie der Honig ist, appliziert.

Das neue "Wundermittel" könnte also tatsächlich medizinisch wirksam sein. Also weg mit den Tabletten und her mit dem Honig? Dr. Anke Görgner warnt allerdings vor einer Selbstmedikation. "Es geht nicht darum, dass der Honig ein gefährliches Präparat ist. Es geht darum, dass eine Erkrankung in die Hand des Arztes gehört." Als Hausmittel ist Manuka Honig aber bei leichten Erkrankungen, wie einer Erkältung, oder zur Stärkung des Immunsystems durchaus einsetzbar. Aber Achtung: echt ist er nur mit ausgewiesener Methylglyoxalmenge. Allerdings: je höher der ist, desto höher der Preis.

Echter Manuka-Honig kostet einiges. Zwischen 10 und 60 Euro. denn in ganz Neuseeland werden nur 1.700 Tonnen hergestellt, im Verkauf sind aber 20.000 Tonnen. Meistens belaufen sich die Werte zwischen MGO 100 und MGO 550. Ein MGO von über 400 bezeichnet dabei schon Spitzenqualität.

Bericht: Sabine Guth
 

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Redaktion: anfi / juvo
Letzte Aktualisierung: 3.02.2016, 21:58 Uhr
 
 

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