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Vitamine (Bild:  colourbox.de)
Oft sollten wir sehr genau hinschauen, was in den angeblich so gesunden Lebensmitteln wirklich drin steckt.

05.10.2016: Täuschung

Zusatz-Vitamine in Lebensmitteln

Eine Extraportion Vitamine, das klingt verlockend und viel gesünder. Die Industrie jedenfalls versucht uns damit zu ködern. Aber bringen Produkte mit künstlich zugesetzten Vitaminen tatsächlich einen Vorteil? Die Verbraucher-Organisation Foodwatch hat das überprüft und kommt zu einem klaren Ergebnis.
 

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5.10.2016, 21:00 Uhr
Video: Brauchen wir zusätzliche Vitamine? 5:30 Min
(© hr | alles wissen, 08.03.2017)
Über 200 Lebensmittel mit solchen Vitaminversprechen hat Foodwatch bei einer Stichprobe in deutschen Supermärkten gefunden. Oliver Huizinga ist verantwortlich für solche Kampagnen: "Für die Lebensmittelwirtschaft ist das ein tolles Geschäftsmodell. Sie kann billig Vitamine auf dem Weltmarkt einkaufen und dann in jene Produkte mischen, die sowieso sehr große Profitmargen haben wie Zuckergetränke, Süßwaren und Kekse." Dann suggeriere man noch den Verbraucherinnen und Verbrauchern, dass das gesunde Produkte seien, von denen man viel essen soll.
 

Aber brauchen wir überhaupt zusätzliche Vitamine?

Es gibt insgesamt 13 verschiedene Vitamine. Die meisten von ihnen müssen wir mit pflanzlicher oder tierischer Nahrung aufnehmen, da unser Körper sie nicht ausreichend selbst produzieren kann. Vitamin A zum Beispiel unterstützt das Hell-Dunkel-Sehen des Auges. Vitamin B12 ist wichtig für die Blutbildung und Vitamin E hilft dabei, einen Schutz für die Zellen aufzubauen. Und Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Mineralisierung und Härtung der Knochen. Es ist das einzige Vitamin, das der Mensch durch Sonneneinstrahlung in der Haut selbst bilden kann.
 

Besteht ein Vitamin-Mangel?

Der Frankfurter Ernährungsmediziner Dr. Klaus Winckler sagt, dass bei einer gesunden Ausgangssituation, gesunde Menschen, die sich normal ausgewogen ernähren, keine Vitaminzusätze brauchen. Die Natur liefere alles, was wir brauchen. Doch es gibt Ausnahmen. Manchmal ist es sinnvoll zusätzliche Vitamine einzunehmen. "Das bekannteste ist das Vitamin D. Gerade bei älteren Menschen, die sich wenig dem Sonnenlicht aussetzen auch bei intensiver Verwendung von Sonnenschutzmitteln hat man da möglicherweise ein Problem und wir empfehlen den älteren Menschen dann eine Vitamin D Prophylaxe", sagt Dr. Klaus Winckler. Auch bei veganer Ernährung besteht das Risiko von Vitamin B12 Mangel, weil das vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Ein B 12 Mangel könne zu Blutarmut und Nervenstörungen führen.
 

Ist man mit künstlich zugesetzten Vitaminen genauso gut versorgt, wie mit natürlichen?

Die Frage ist nicht abschließend geklärt. Chemisch sind künstliche Vitamine nicht von natürlichen zu unterscheiden. Beim Vitamin C allerdings zeigen Studien, dass es aus natürlichem Zitronensaft besser im Darm aufgenommen wird als in isolierter Form. Vermutlich, weil sekundäre Pflanzenstoffe der Zitrone bei der Aufnahme eine Rolle spielen.
 

Wie sieht es mit einer möglichen Überdosierung aus? Besteht hier eine Gefahr?

Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K können in den Fettdepots des Körpers gespeichert werden. Das kann tatsächlich zum Problem werden. Beispiel Betakarotin: Rauchern wurden in einer US-amerikanischen Studie eine erhöhte Dosis Betakarotin gespritzt, einer Vorstufe des Vitamin A. Die vermehrte Gabe des Vitamins sollte das Lungenkrebs-Risiko senken. Doch statt weniger Tumore fanden Ärzte bei den Testpersonen 18 Prozent mehr Krebsfälle! Die Studie wurde abgebrochen. Vitamine in hoher Dosis können also tatsächlich schaden. Dr. Klaus Winckler rät deswegen den Bedarf zu überprüfen, bevor man Vitamintabletten einnimmt.
 

Ungesunde Lebensmittel mit Vitaminzusätzen aufgewertet

Oliver Huizinga von Foodwatch kämpft deshalb gegen fragwürdige Gesundheitsversprechen. Sie kritisiert, dass sogar Energiedrinks mit Vitaminen beworben werden. "Das sind im Grunde die ungesündesten Produkte, die man im Supermarktregal finden kann. Da ist nicht nur sehr viel Zucker drin, sondern auch noch sehr viel Koffein. Sie stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen verursachen zu können und werden trotzdem beworben als wären sie gesund. Das ist wirklich ein fatales Signal an Kinder und Jugendliche."

Daher fordert Oliver Huizinga ein Gesetz, das klarmacht, dass nur gesunde Produkte mit Gesundheit werben dürfen: "Die EU wollte das längst geregelt haben. Hat sie nicht und das liegt am Lobbying der Lebensmittelwirtschaft. Das liegt auch daran, dass verschiedene Abgeordnete im europäischen Parlament dagegen halten."

Filmautor: C. Baumgart/B. Petermann
 

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Redaktion: juvo / fasc
Letzte Aktualisierung: 12.06.2017, 16:43 Uhr
 
 

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