hr-online Informationen aus Hessen
 
Alles Wissen
Kurkumapulver (Bild:  colourbox.de)

19.04.2017: Nebenwirkungen

Kurkuma in der Forschung

Auf den ersten Blick sieht sie ihrem Verwandten dem Ingwer sehr ähnlich. Doch unter der unscheinbaren Schale der Kurkuma steckt etwas ganz Besonderes, das offenbar nirgendwo anders von Natur aus vorkommt: Der orange-gelb leuchtende Farbstoff Curcumin, der zwei bis fünf Prozent des Gewürzes ausmacht.
 

Supergesunde Knolle

Thema in

Sendungslogo
19.04.2017, 21:00 Uhr
Video: Kurkuma in der Forschung 6:02 Min
(© hr | alles wissen, 19.04.2017)
Was in fernöstlichen Heilkünsten schon lange bekannt ist, hat jetzt auch die westliche Wissenschaft für sich entdeckt: Curcumin ist gesund – in vielfacher Hinsicht. Es unterstützt etwa die menschliche Verdauung. Denn es regt die Leber dazu an, vermehrt Gallensäure zu produzieren. Die wiederum hilft im Darm dabei, Fette zu verarbeiten – und beugt so Verdauungsproblemen vor.

Außerdem hat Curcumin entzündungshemmende Eigenschaften. Forscher hoffen daher, dass es etwa bei Entzündungen des Darms und der Haut helfen kann – oder bei rheumatischen Erkrankungen der Gelenke, wo es zusätzlich schmerzlindernd wirken soll.

Eine Studie an Menschen hat sogar gezeigt: Curcumin kann Risikogruppen davor bewahren, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln
 

Kurkuma gegen Krebs und Alzheimer?

Doch Kurkuma kann noch mehr. Ein Netzwerk von Forschern verschiedener Universitäten will dem Curcumin weitere Geheimnisse entlocken. In Frankfurt fand Dr. Jakob Weißenberger heraus, dass an Hirntumoren erkrankte Mäuse mithilfe von Curcumin deutlich länger überleben.

Dr. Gunter Eckert beschäftigt sich mit dem alternden Gehirn und der Nervenkrankheit Alzheimer. Er hat sich dem Netzwerk der Kurkuma-Forscher aus einem bestimmten Grund angeschlossen: "Wir sind auf der Suche nach Lebensmitteln und Lebensmittelinhaltsstoffen, die das Gehirn positiv beeinflussen, vor allen Dingen das alternde Gehirn, mit dem Ziel, neurodegenerative Erkrankungen wie den Alzheimer zu verhindern. Und es gab Berichte in der Literatur, dass Curcumin hier besondere Effekte hat."

Eine der Besonderheiten: Curcumin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, also aus dem Blutkreislauf ins Gehirn gelangen. Dort soll es unter anderem dafür sorgen, dass die Gehirnzellen besser mit Energie versorgt werden. Kann es vielleicht sogar Alzheimer verhindern?
 

Von Mäusen – und Menschen?

Antworten soll ein Versuch mit Mäusen bringen. Nager, die alzheimertypische Veränderungen aufweisen, werden über drei Wochen mit curcuminhaltiger Nahrung gefüttert – und anschließend von den Forschern untersucht.

Das Ergebnis: Im Gehirn der Tiere hat sich etwas getan. Es finden sich weniger alzheimertypische Ablagerungen als bei Mäusen, die Normalfutter bekommen hatten. Und die Zellen wurden tatsächlich besser mit Energie versorgt. "Das weckt natürlich Hoffnung für die Forschung", sagt Eckert, "aber auch für die betroffenen Menschen. Wir hoffen hier einen Beitrag zu leisten für die Prävention, für die Verhinderung der Erkrankung."
 

Wie kommt das Curcumin in den Körper?

Doch die Sache hat einen Haken: Curcumin wird nur sehr schlecht vom menschlichen Körper aufgenommen. Genau dieses Problem will der Ernährungsforscher Prof. Jan Frank lösen. Er ist der Koordinator des Forschungsnetzwerkes. Seine Herausforderung: Curcumin ist in Reinform nur sehr schlecht wasserlöslich.

"Bei Curcumin ist das Problem", erklärt Frank, "dass von dem, was mit der Nahrung aufgenommen wird, nur ein kleiner Bruchteil wirklich im Magen-Darm-Trakt absorbiert, also vom Körper aufgenommen wird. Ein Großteil wird direkt wieder über den Darm ausgeschieden."

Jan Frank macht sich daher auf die Suche nach Transportmöglichkeiten, über die sich Curcumin vom menschlichen Körper besser aufnehmen lässt. Dafür testet er verschiedene Arten von Transportvehikeln für das Curcumin: Eine Variante: winzige poröse Körnchen, sogenannte Mikronisate, auf die das Curcumin aufgesprüht wird.
 

Winzige Ballons als Transportvehikel

Variante zwei: künstliche sogenannte Mizellen. Das Curcumin wird von mikrofeinen Ballons eingeschlossen, die Fett mit Wasser verbinden. Solche Kügelchen kommen auch in natürlicher Form im Darm vor, um dort Nährstoffe zu transportieren.

Auf ihnen ruht die größte Hoffnung der Forscher, denn in Mizellen eingeschlossen ist Curcumin viel besser wasserlöslich als in Reinform. Ob es so auch besser vom Körper aufgenommen wird, testen die Forscher in einer Studie an Menschen. Die Probanden bekommen reines Curcumin oder eine der beiden entwickelten Varianten. Anschließend werden ihre Blutproben auf enthaltenes Curcumin untersucht.

Das Ergebnis: Im Vergleich zum naturbelassenen Curcumin war bei den Mikronisaten 9-mal mehr Curcumin im Blut nachweisbar. Bei den Mizellen sage und schreibe 185-mal mehr.

Prof. Frank freut sich darüber, auch wenn die Forschung noch nicht abgeschlossen ist: "Das ist ein sehr schönes Ergebnis, zu sehen, wir haben eine erfolgreiche Strategie entwickelt. Ob das Ganze dann dazu führt, dass die biologische Wirkung auch um ein Vielfaches hoch geht oder nicht, ist damit natürlich noch nicht gezeigt. Erst einmal haben wir gesehen: Es kommt mehr an. Die nachfolgenden Schritte in der Forschung wären jetzt, zu zeigen, dass die verbesserte Aufnahme in den Körper dann auch zu einer stärkeren Wirkung führt."
 

Kurkuma in der Küche

Doch was ist mit der Kurkumawurzel im Essen – ob frisch, getrocknet oder als Pulver? Kann das Gewürz seine gesunden Eigenschaften in der Küche überhaupt entfalten? Frank zeigt sich optimistisch: "Man muss davon ausgehen, dass Kurkuma in der Küche trotz größerer Mengen zwar nur wenig Curcumin enthält, aber die stetige Verwendung in der Ernährung durchaus auch präventive Wirkungen haben kann."

Noch sind die Geheimnisse der Kurkuma nicht alle entschlüsselt. Aber die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass an den Erfahrungen der fernöstlichen Heilkünste offenbar viel Wahres ist.

Autor: Carsten Schollmann
 

Teilen

Redaktion: jumi / fasc
Letzte Aktualisierung: 12.06.2017, 17:06 Uhr
 
 

hr-fernsehen live


 

Sendezeit

Mittwoch, 21:00 Uhr
 

Moderator

Für alle, die mehr wissen wollen

Das Angebot des hr zu Wissens- und Bildungsthemen. [mehr]
hr fernsehen
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.
SZM-Daten dieser Seite