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Grapefruit (Bild:  colourbox.de)

19.04.2017: Nebenwirkungen

Wechselwirkungen von Medikamenten und Nahrungsmitteln

Wie ein Medikament wirkt, das haben wir zum Teil selbst in der Hand, nämlich durch die Art, wie wir es einnehmen. Morgens oder mittags, vor oder zum Essen, all das spielt eine Rolle. Welche Lebensmittel wir dazu essen, hat ebenfalls einen Einfluss auf die Wirkung. Darauf sollten Sie achten.
 

Milch, Käse, Quark und Joghurt

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19.04.2017, 21:00 Uhr
Video: Wechselwirkungen zwischen Lebensmitteln und Medikamenten 2:04 Min
(© hr | alles wissen, 19.04.2017)
Hier ist besondere Vorsicht mit verschiedenen Antibiotika und auch mit Medikamenten gegen Knochenschwund angesagt. Denn das Kalzium in der Milch bildet im Magen-Darm-Trakt mit diesen Medikamenten Klümpchen, die nicht mehr ins Blut aufgenommen werden können. Das schwächt die Wirkung der Medikamente, schlimmstenfalls wirken sie gar nicht. Das kann schon durch ganz kleine Milchmengen, wie etwa in einer Tasse Kaffee mit Milch, ausgelöst werden. Deshalb sollten Sie zwei Stunden Pause einhalten zwischen Antibiotika beziehungsweise Mitteln gegen Knochenschwund und Milchprodukten. Das gleiche gilt natürlich auch für Kalziumpräparate.
 

Grapefruit

Mit der Grapefruit müssen Sie gleich bei einer Reihe von Medikamenten aufpassen. Bestimmte Inhaltsstoffe der Grapefruit verändern den Abbau von Medikamenten und den Transport von Arzneistoffen im Körper. Manche dieser Medikamente – zum Beispiel solche gegen erhöhte Blutfette oder Herzrhythmusstörungen, herzfrequenzsenkende Medikamente und Immunsuppressiva – wirken durch Grapefruit stärker. Daher kommt es öfter zu Nebenwirkungen. Andere Medikamente – Bluthochdruckmedikamente, Betablocker, Antihistaminika – werden durch Grapefruit abgeschwächt. Am besten verzichten Sie ganz auf Grapefruit und Grapefruitprodukte, wenn Sie Medikamente einnehmen.
 

Käse, Salami, Rotweine, Brathering, Suppenwürfel, Schokolade, Bananen

Durch lange Lagerung und Trocknen, Räuchern oder Pökeln entsteht aus Eiweißbausteinen die Substanz Tyramin. Die hat eine Wechselwirkung mit verschiedenen Medikamenten gegen Depressionen oder die Parkinson-Krankheit. Diese Medikamente hemmen ein Enzym, das für den Abbau des Tyramins verantwortlich ist. Dadurch bleibt mehr Tyramin im Körper. Tyramin kann zusammen mit den Medikamenten indirekt den Blutdruck steigern. Das kann zu Kopfschmerzen, Fieber und schlimmstenfalls zu Organschäden und Hirnblutungen führen. Diese Symptome werden auch "Cheese-Effekt" genannt. Deshalb sollten Sie von diesen Lebensmitteln nur kleine Mengen essen oder ganz verzichten, wenn Sie die genannten Medikamente einnehmen.
 

Brokkoli, Spinat, Salat (grüne Gemüse)

Brokkoli, Spinat, Salat (grüne Gemüse)
Grüne Gemüse enthalten viel Vitamin K. Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, zum Beispiel Marcumar, sind sogenannte Vitamin-K-Antagonisten. Sie werden von vielen Menschen zur Vorbeugung gegen Schlaganfall eingenommen. Und genau diese Kombination aus Vitamin K und Vitamin-K-Antagonisten kann zum Problem werden.

Damit das Blut gerinnen kann, bildet der Körper Gerinnungsfaktoren. Die Medikamente hemmen die Bildung dieser Gerinnungsfaktoren und damit die Bildung von Blutgerinnseln, die einen Schlaganfall auslösen können. Das Vitamin K aus dem grünen Gemüse wirkt als Gegenspieler der Medikamente und fördert den Aufbau der Eiweiße zur Blutgerinnung. Isst ein Patient eine größere Menge grünes Gemüse, können seine Medikamente schwächer wirken und es entstehen schlimmstenfalls Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können. Deshalb sollten Patienten regelmäßig vergleichbare Mengen an grünem Gemüse essen, das Ziel ist eine konstante Menge an Vitamin K in der Nahrung. Das Medikament wird in seiner Dosierung vom Arzt darauf eingestellt.
 

Lakritze

Blutdrucksenker und Diuretika, die die Flüssigkeitsausscheidung aus dem Körper fördern, werden hier beeinträchtigt, da Lakritz Auszüge der Süßholzwurzel enthält. Diese enthält Stoffe, die den Blutdruck erhöhen können. Die Medikamente wirken deshalb schwächer, der Blutdruck wird nicht so stark gesenkt wie nötig. Deshalb sollten Sie bei hohem Blutdruck auch besser nicht zu viel Lakritz essen.

Darüber hinaus wird durch Lakritz vermehrt Kalium über die Nieren ausgeschieden, das verstärkt die Wirkung von Medikamenten, die ebenfalls die Kaliumausscheidung fördert. Zu wenig Kalium aber kann eine Muskelschwäche verursachen.
 

Alkohol

Dass bei Alkohol und Medikamenten besondere Vorsicht geboten ist, dürfte allgemein bekannt sein. In der Tat gibt es hier auch viele Wechselwirkungen. Zum Beispiel verstärkt Alkohol die Wirkung verschiedener Medikamente wie von Schlafmitteln, Schmerzmitteln und auch von Diabetes-Medikamenten. Einige Herz-Kreislaufmedikamente und Tuberkulosemittel hemmen den Abbau von Alkohol. Dadurch kommt es zu Unverträglichkeiten mit Übelkeit, Durchfall oder auch Atemnot. Das heißt: Generell Finger weg vom Alkohol, wenn Sie Medikamente nehmen.
 
 
 

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Redaktion: jumi / fasc
Letzte Aktualisierung: 12.06.2017, 17:07 Uhr
 
 

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