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Frag Glaeske

Säureblocker – harmlos oder nicht?

Säureblocker sind hochwirksame Medikamente, aber sie werden eingenommen wie Bonbons, sagen viele Experten. Sind sie wirklich ungefährlich? Ob eine Dauertherapie mit ihnen gravierende Nebenwirkungen haben könnte, fragen wir den Gesundheitsexperten Gerd Glaeske.
 

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19.04.2017, 20:15 Uhr
Video: Säureblocker - harmlos oder nicht? 5:20 Min
(© hr | mex, 19.04.2017)
Säureblocker sind in aller Munde: Eben mal eine Pille einwerfen gegen das Sodbrennen ist heute eine weit verbreitete Methode. Säureblocker verhindern die Bildung von Säure im Magen, und wirken so gegen Beschwerden, die durch eben diese Magensäure entstehen. Sie heißen Protonenpumpeninhibitoren, meist abgekürzt PPI.

Jürgen Fennekold hat schlechte Erfahrungen damit gemacht und lange PPI genommen gegen sein Sodbrennen: „Der Anfang war sogar sehr gut, ich habe sie gut vertragen. Aber nach einiger Zeit, nach circa drei, dreieinhalb Jahren, hatte ich Probleme mit dem Darm, Magen-Darm-Probleme.“

Was Sie selbst tun können

Widerstehen Sie "brennenden" Reizen. Säfte aus Zitrusfrüchten, Nikotin und koffeinhaltige Getränke heizen die Produktion von Magensäure an, das gilt auch für Alkohol, Süßigkeiten und scharfe Gewürze.

Weniger ist mehr. Ist der Magen sehr voll, drückt die Säure in die Speiseröhre. Also weniger fettreiche und kleinere Portionen essen. Vor allem aber nicht zu spät am Abend essen. Damit der Magen zur Ruhe kommt, sollten Sie abends etwa drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen essen.

Balsam für die Speiseröhre. Wer unter Sodbrennen leidet, sollte Wasser ohne Kohlensäure trinken. Wohltuend sind auch Tees mit Kamille, Kümmel oder Fenchel.

Schwerkraft nutzen. Von Sodbrennen geplagte Menschen sollten besser mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen. Das erschwert der Magensäure das Aufsteigen und verhilft Ihnen zu einer guten Nacht.

Mehr dazu bei service:gesundheit!

Peter Grunert dagegen verträgt sie gut. Er nimmt wegen Schleimhautveränderungen der Speiseröhre die Blocker schon lange regelmäßig ein: „Ich nehme die PPI jetzt seit zwölf Jahren, und das Leben hat sich dadurch für mich total verbessert, weil ich kein Sodbrennen mehr habe. Und zwar konstant und verlässlich.“

Aufruhr in Magen und Darm

Sodbrennen, saures Aufstoßen, Appetitlosigkeit und Oberbauchschmerzen – dahinter kann eine Magenschleimhautentzündung oder gar ein Magengeschwür stecken. Bei service:gesundheit erfahren Sie alles über unser Verdauuungssystem.
 

Pillen werden massenweise verschrieben

Vor allem schwere Kost fordert die Verdauung, auch alles Süße und Wein. Der Magen reagiert mit der Produktion von Verdauungssäften, hochkonzentrierte Salzsäure. Wenn die in die Speiseröhre hochsteigt, beginnt es zu brennen. Das ist unangenehm und kann sogar auf Dauer zu Speiseröhrenkrebs führen. PPI blockieren effektiv die säurebildenden Zellen im Magen und damit die Säureproduktion.

hr: Das hilft gegen Sodbrennen

Vorwiegend wird die Refluxerkrankung neben dem Verzicht auf auslösende Stoffe und Lebensmittel medikamentös behandelt, schreiben die Kollegen von service:gesundheit: Die größte Wirksamkeit zeigen dabei so genannte Protonenpumpenhemmer (medizinisch abgekürzt: PPI), die im Magen die Bildung der Magensäure verringern. Diese Medikamente gibt es rezeptfrei in der Apotheke, allerdings darf nur eine 14-Tagespackung ohne Rezept abgegeben werden. Besteht das Sodbrennen dann immer noch, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Durch die Medikamente verschwindet das Sodbrennen in der Regel, kehrt allerdings nach Absetzen der Medikamente oft wieder. Mehr dazu bei service:gesundheit.

Die Folge ist, dass die Pillen massenweise verschrieben und eingenommen werden. Vermeintlich eine ganz harmlose Therapie. Doch durch die fehlende Magensäure kommt es auch zu unerwünschten Wirkungen. So sind wahrscheinlich Osteoporose und damit Knochenbrüche eine Folge, ebenso wie Darminfektionen und Durchfall. Und auch für Herzerkrankungen und sogar Demenz sollen PPI verantwortlich sein.

Der Pharmakologe Dr. Thomas Eschenhagen erklärt: „Die Risiken Osteoporose, Vitamin B 12-Mangel und schwere Darminfektionen sind relativ gut belegt und machen auch Sinn, weil sie direkte Folge dieser geringeren Magensäure im Magen sind. Alles andere ist nicht gut belegt und ist auch schwer zu erklären.“
 

Alles wird zur Krankheit erklärt

Jürgen Fennekold hat seine Pillen selbst abgesetzt und bändigt jetzt seine Magensäure über die Ernährung. Die Fennekolds kaufen heute bewusster ein als früher: „Die Tafel Schokolade gibt es nicht mehr. Ich esse jetzt mehr frisches Obst und Gemüse zu Mittag.“ Viele, die Säureblocker regelmäßig schlucken, haben davon gar keinen Nutzen. Dennoch werden die Medikamente immer häufiger von Ärzten verordnet oder selbst gekauft, weiß Eschenhagen: „Dem zu Grunde liegt, glaube ich, ein Trend zur Medikalisierung. Alles wird zur Krankheit erklärt. Bauchdrücken ist eigentlich was ganz Normales und braucht kein Medikament.“

Säureblocker sind Pillen mit Risiken und Nebenwirkungen, und keine harmlosen Bonbons.

Im beigefügten Videobeitrag sehen Sie, wie unser Gesundheitsexperte Gerd Glaeske die Gefahren der Säureblocker einschätzt
 

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Redaktion: thsp / juvo
Letzte Aktualisierung: 19.04.2017, 21:32 Uhr
 
 

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