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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

Kupfergeld adé

Wenn die Hessen aufs Kleingeld verzichten

mex zeigt, wer sich in Hessen von krummen Preisen verabschiedet. Wir wollen wissen: Was bedeutet der Kleingeld-Verzicht für Kunden und Händler? Und für wen wird es billiger, für wen teurer?
 

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14.06.2017, 20:15 Uhr
Video: Wenn die Hessen auf Kleingeld verzichten 6:37 Min
(© hr | mex, 14.06.2017)
Das ständige Kramen im Portemonnaie nach Kleingeld nervt viele Hessen. Und am meisten stören die vielen 1- und 2-Cent-Münzen. So geht es auch einigen Händlern in Hessen. Sie nehmen das Kupfergeld deshalb gar nicht mehr an oder stellen ihre Preise glatt.

Im Edeka-Markt in Friedberg sind die Preise noch so, wie sie jeder kennt: nämlich krumm. Marktleiter Lars Koch muss in der Kasse immer genügend Kleingeld parat haben, doch das ist teuer. Denn die Banken verkaufen die Münzrollen nur mit einem satten Aufschlag: „Also für diese zwei Münzrollen, die haben einen Wert von einem Euro und ich muss bei der Bank zwei Euro dafür bezahlen, um das dann als Wechselgeld an die Kundschaft auszugeben.“

Pro Monat fallen so Kosten von rund 25 Euro an allein für die Beschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen. Und das Kupfer-Geld überflutet die Portemonnaies, weil die Notenbanken immer mehr davon prägen müssen.

Allein von den 1-Cent-Münzen sind europaweit inzwischen 33 Milliarden Stück im Umlauf. Von den 2-Cent-Stücken mehr als 25 Milliarden. Zum Vergleich: Von den 5-Cent-Stücken gibt es weniger als 20 Milliarden.
 

Aufrunden oder abrunden?

Trotzdem will Lars Koch nicht auf das Kleingeld und die krummen Preise verzichten. Denn die Gewinnmargen im Lebensmittelhandel sind gering. Mit ein paar Wurstscheiben von der Frischetheke zum Beispiel lässt sich kaum Geld verdienen: „Die kosten vielleicht 66 Cent oder sagen wir mal 64 Cent, ich würde dann 4 Cent abrunden, das wären ja 8 Prozent Rabatt, die wir geben. Das verdienen wir gar nicht an der Ware.“

Und wie wäre es mit Aufrunden? 80 statt 79, 70 statt 69 Cent? Die Kunden würden sogar mitmachen, wie unsere kleine Umfrage ergeben hat.

Was passiert, wenn die Händler aufrunden, die 1- und 2-Cent-Münzen also verschwinden? Um wie viel wird dann etwa ein Wocheneinkauf über 100 Euro teurer?

Die mex-Rechnung basiert auf Daten von Handelsexperten und der Bundesbank:

Unser Beispiel: Ein Wocheneinkauf über 100 Euro. Wenn die Händler ihre Preise aufrunden – statt 1,99 Euro etwa 2 Euro – dann zahlt der Kunde im Durchschnitt 14 Cent mehr. Runden die Händler ihre Preise ab – zum Beispiel statt 1,99 1,95 – dann spart der Kunde 17 Cent ein. Der Kunde gewinnt oder verliert also nur wenig.
 

Das Runden ist eine Entlastung

Hintergrund

mex: Wo man in Hessen nur bar bezahlen kann

Es gibt sie noch in Hessen, die Bargeld-Bewahrer. Und es sind gar nicht so wenige. Und in vielen Geschäften und Restaurants geht es nicht ohne Bares. mex ist bei den Bargeld- Bewahrern. Hier erfahren Sie, warum so mancher auf das Bargeld einfach nicht verzichten will.
Anders als im Supermarkt braucht bei Apotheker Klaus Ohlendorf in Hünfeld keiner mehr nach den kleinen Münzen zu kramen. Ohlendorf hat alle Preise abgerundet, und hält sich so die 1- und 2-Cent-Münzen vom Hals: „Viele merken es gar nicht, weil wir nicht jedem sagen: Sie haben jetzt drei Cent gespart. Das wäre auch albern. Es geht mehr um eine Vereinfachung, nicht um einen großen Vorteil für den Kunden.“

Durch das Abrunden, so schätzt er, verdient er täglich einen Euro weniger. Aber das ist es ihm wert. Dafür hat er keine Arbeit mit dem Kleingeld mehr.

Nicht nur einzelne Apotheken, sondern auch große Ketten satteln um. mex besucht die dm-Filiale in Wiesbaden. Der Drogerie-Riese ist der Vorreiter wenn es ums Runden geht. Alle Preise enden hier auf 5 oder 0. Das macht dm überall in Deutschland so. Für Filialleiterin Marion Bendel ist das eine große Entlastung, denn seit der Umstellung fällt viel weniger Kupfergeld an.
 

Kein Kleingeld mehr in Belgien…

Reuschling, die älteste Bäckerei in der Stadt. Inhaberin Sissy Reuschling hat schon im vergangenen Jahr entschieden, die die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Damit können die Kunden hier nicht mehr zahlen. Juristisch geht das, dank eines Hinweis- Schildes. Die Kunden machen bei der Kleingeld-Abschaffung gerne mit. Hier vermisst niemand die 1- und 2-Cent-Münzen.

Deutsche zahlen gerne bar

Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor überwiegend bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Eine neuere Studie der Bundesbank ist derzeit in Arbeit.

Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt. Im Durchschnitt führen Privatpersonen 103 Euro bar mit sich, davon 5,73 Euro in Münzen. Damit ist der Bargeldbestand im Portemonnaie gegenüber 2011 gleich geblieben. Mehr zur Bundesbank-Studie finden Sie hier.

Die Bäckerei in Wetzlar ist da in guter europäischer Gesellschaft. Denn einzelne EU-Länder prägen gar keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr. Stattdessen wird gerundet, etwa in den Niederlanden, in Belgien, Finnland, Irland und ab 2018 auch in Italien.

Fazit: Andere EU-Länder machen es vor – und Deutschland könnte nachziehen. Viele Hessen jedenfalls finden die Vorstellung reizvoll: Die Händler runden die Preise meistens ab. Und die lästigen 1- und 2-Cent-Münzen sind Geschichte.

Autor: Daniel Hoh, Barbara Berner
 

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Redaktion: thsp
Letzte Aktualisierung: 14.06.2017, 22:09 Uhr
 
 

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