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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

Lkw-Ruhezeiten

Der Preiskampf der Spediteure

Jedes Wochenende dasselbe Bild: Hessische Autobahn-Raststätten sind komplett überfüllt mit tausenden Lkw. mex zeigt wie die meisten Fahrer monatelang auf den Autobahnen leben und wie ein neues Gesetz jetzt helfen soll.
 

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14.06.2017, 20:15 Uhr
Video: Der Preiskampf der Spediteure 5:53 Min
(© hr | mex, 14.06.2017)
mex besucht am Sonntagmorgen den Rastplatz Weiskirchen an der A3. In allen Lastwagen hier hat ein Fahrer die Nacht verbracht. Das Fahrverbot am Wochenende nutzen sie für die vorgeschriebene Ruhezeit: alle zwei Wochen 45 Stunden am Stück. Fahrer wie Angel Detchev bekommen einen Hungerlohn. Inklusive Spesen sind das 800 Euro im Monat. Für die Übernachtung hat er kein Geld. In der Fahrerkabine gibt es die gratis.

Für deutsche Brummifahrer ist das undenkbar. Wir sind bei der Spedition Schmelz in Kassel. 280 Mitarbeiter, davon 100 Fahrer, Karl-Heinz Schmelz führt das mittelständische Unternehmen. Wie hart der Preiskampf bei den Spediteuren ist, zeigt seine einfache Rechnung:

Für die Strecke von Frankfurt Hamburg muss er pro Fuhre mit 800 Euro kalkulieren. Die polnische Konkurrenz macht das für 650 Euro. Das bedeutet, pro Lkw und Tag ist die Konkurrenz aus Osteuropa 20 Prozent günstiger: „Hier in unserem Raum Kassel kann ich Ihnen zwei Hände voll Unternehmer nennen, die sich lieber heute als morgen davon trennen würden, wenn es überhaupt einen Käufer gäbe. Wer heute noch damit anfängt, der müsste…ich schlucke es jetzt runter.“

Immer mehr Unternehmen bleiben in diesem ungleichen Wettbewerb auf der Strecke. Die Zahl der deutschen Spediteure lag 2005 noch bei 56.000. Zehn Jahre später sind es noch 45.000. 11.000 haben aufgegeben. Der Anteil osteuropäischer Lastwagen auf deutschen Straßen steigt hingegen rasant. 2007 waren es 18 Prozent. 2017 liegt der Anteil bei über 33 Prozent. Jeder dritte LKW kommt aus dem Osten.
 

Unschlagbar billige Konkurrenz

Wer da überleben will, braucht ein gutes Geschäftsmodell. Wie der Spediteur Daniel Hensel aus Mainz. Er hat das klassische Speditionsgeschäft dicht gemacht. Keine eigenen Fahrer und Lkw mehr. Hensel stellt nur noch die Anhänger. Zugmaschine mit Fahrer kauft er in Osteuropa ein. Das Modell rechnet sich, weil die Fahrer so viel weniger verdienen, erzählt Hensel: „Ich bezahle für meinen Fahrer so um die 5.000 Euro im Monat. Mein Kollege aus Osteuropa fährt im Optimalfall für unter 1.000 Euro. Das heißt, im Monat reden wir über eine Differenz von 4.000 Euro.“

Jetzt soll ein neues Gesetz den deutschen Spediteuren helfen. Seit Ende Mai gilt, die Fernfahrer dürfen die vorgeschriebene Ruhezeit nicht mehr im Lkw verbringen. Eine richtige Unterkunft statt Pritsche in der Kabine – wir treffen viele, die da nicht mitmachen wollen. Und ohne Kontrollen wird sich da wohl wenig ändern.
 

Höhere Kontrolldichte gefordert

mex ist unterwegs mit Ingo Nippe und Uwe Dassler von der Lkw-Kontrollgruppe der Autobahnpolizei. Sie sollen die neue Regelung durchsetzen. Ingo Nippe, Polizeihauptkommissar, erzählt: „Das ist Camping auf der Autobahn sozusagen. Ich finde es gut, dass die neue Verordnung das regelt. Bis jetzt sind wir da nicht richtig rangekommen, denn wenn die Ruhezeitnachweise da waren, war die Sache erledigt.“

Wen sie erwischen, der wird kräftig zur Kasse gebeten. 1.500 Euro muss eine Spedition Strafe zahlen. Wie häufig aber wird tatsächlich kontrolliert? Das Team um Nippe und Dassler schafft gerade 50 Lkw pro Tag. Das Bundesamt für Güterverkehr hat in ganz Deutschland zudem gerade mal 240 Beamte.

Das ist viel zu wenig, sagt Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr mit Sitz in Frankfurt: „Worüber wir nicht glücklich sind, das ist die derzeitige Kontrolldichte. Unser Verband und unsere Mitgliedsunternehmen verlangen dort eine höhere Kontrolldichte, damit das Ganze umsetzbar wird.“
 

Dann eben ab nach Italien

Wie wichtig Kontrollen sind, zeigt Belgien. An einem Tag mit Fahrverbot stehen auf den Parkplätzen kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze nur wenige Lastwagen. In Belgien wie in den Niederlanden und Frankreich gilt bei der langen Pause von 45 Stunden ein Übernachtungsverbot im LKW bereits seit 2014.

Stattdessen platzen unsere Raststätten aus allen Nähten. Lastwagen parken alles zu, auch und gerade in Hessen. Und sollte das neue Gesetz in Deutschland ab diesem Sommer wirklich greifen, dann haben die osteuropäischen Fahrer eine einfache Lösung: „Dann flüchten wir eben nach Österreich. Oder nach Italien oder in die Slowakei.“

Fazit: Wirkt das Übernachtungsverbot, zieht die Lastwagen-Karawane an Wochenenden zu den Nachbarn. Im ungleichen Wettbewerb in der knallharten Speditionsbranche hilft dieses Gesetz nicht wirklich weiter.

Autor: Moritz Zimmermann
 

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Redaktion: thsp
Letzte Aktualisierung: 14.06.2017, 22:06 Uhr
 
 

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