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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

Studie zur Wirkung von Diäten

Jojo-Effekt? Die Darmflora ist schuld!

Donnerstag, 5. Januar 2017, 6:10 Uhr
Viele Diät-Erfahrene kennen es: Kaum isst man nach erfolgreichem Abnehmen wieder "normal", sind die Pfunde wieder drauf - oft sogar noch mehr als vorher. Das liegt am Energiesparmodus, so viel war schon bekannt: Während der reduzierten Kalorienaufnahme schaltet der Körper runter, es wird weniger verbrannt. Und das bleibt leider auch erst mal so, wenn die Diät beendet ist. Warum das so ist, haben Forscher in Israel nun herausgefunden.
 

Von Torsten Teichmann, hr-iNFO-Studio Israel

Mit schwarzen Labormäusen sind Wissenschaftler am Weizman Institut dem Jojo-Effekt auf der Spur. Der Versuch gehört zu einer Doktorarbeit, die der Deutsche Christoph Thaiss gerade in Israel schreibt. Deshalb die erste Frage: Wie geht es den Tieren? "Die sind alle glücklich und übergewichtig", sagt Thaiss.

Und genau da liegt das Problem - bei Mäusen und bei Menschen: Etwa 80 Prozent aller Menschen, die eine Diät machen, nehmen anschließend wieder zu. Häufig zeigt die Waage sogar mehr Kilo an als vor der ganzen Anstrengung. Christoph Thaiss sagt, der Körper habe ein Gedächtnis für Übergewicht. Und mit seinen Mäusen konnte er nachweisen, dass nicht etwa das Gehirn, sondern Bakterien im Darm dafür verantwortlich sind.
 

Darmflora verändert sich beim Zunehmen

Die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert sich beim Zunehmen. Beim Abnehmen aber passiert den Bakterien erst einmal nichts: "Das heißt, jemand der übergewichtig war, behält diese Veränderung der Darmbakterien. Selbst wenn die Diät erfolgreich war und das Gewicht reduziert worden ist, bleibt diese übergewichtige Darmflora bestehen."

Thaiss hatte bei seinen schwarzen Labormäusen die Konzentration von Flavonoiden untersucht. Das sind wichtige, pflanzliche Stoffe, die Tiere und Menschen über die Nahrung zu sich nehmen. Entscheidend sei, ob die Darmbakterien Flavonoide in den Körper lassen oder sie zersetzten und durchreichen: "Die 'übergewichtige' Darmflora baut mehr Flavonoide ab und dementsprechend kommen auch weniger Flavonoide in unseren Körper. Aber die Flavonoide sind jetzt genau das, was es braucht, um das niedrige Gewicht beizubehalten." Die Prinzipien des Stoffwechsels sind bei Mäusen und Menschen nahezu gleich. Das heißt, der Körper will sein einmal gewonnenes Übergewicht nicht hergeben und die Darmflora hilft ihm auch noch dabei.
 

Empfehlung: Nahrung mit viel Flavonoiden

Bei den Labormäusen dauerte es 21 Monate: Erst dann war die veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgekehrt. "In der Maus reden wir über Monate, beim Menschen ist es noch unklar, aber es kann sein, dass es Jahre dauert", sagt Thaiss.

Genau das wird am Weizman Institut jetzt untersucht – mit hunderten menschlichen Probanden und über eine Zeit von zwei bis drei Jahren. In der Zwischenzeit kann Thaiss nur eines Empfehlen: Auf Nahrung achten, die viele Flavonoide enthält. Brokkoli, Kamille oder Orangen enthielten beispielsweise viele Flavonoide. Außerdem scheint es wichtig zu sein, nach einer Diät die neue Ernährung sehr lange beizubehalten. Wie lange? Das wird der Versuch in Israel wohl erst im Jahr 2018 oder 2019 klären.

Schlankmacher unter der Lupe

Alle Jahre wieder - genau nach den Feiertagen beginnt von allen Seiten das Ratgeber-Bombardement in Zeitschriften und in der Werbung: Blitzdiäten, Gesundheitstipps, Abnehmen mit verschiedensten Methoden - und immer gibt es was Neues. Aber was davon ist wirklich sinnvoll? Wir haben uns ein paar beliebte Modelle genauer angeschaut.

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Redaktion: chsi
Letzte Aktualisierung: 9.01.2017, 12:45 Uhr
 
 

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