hr-online Informationen aus Hessen
hrInfo.de
24.02.2016

Trotz Verbotsankündigung

Massives Kükentöten in Hessen

 (Bild:  picture-alliance/dpa)
Vergrößern
In Hessen werden jedes Jahr immer noch rund 12 Millionen männliche Küken direkt nach der Geburt getötet und an andere Tiere verfüttert. Diese Zahl hat das Umweltmini-sterium in Wiesbaden dem hr genannt. Dabei hatte Ministerin Hinz Ende 2014 ein Verbot dieser Praxis angekündigt - die Umsetzung aber lässt auf sich warten.
 

Von Aydogan Makasci

In Dieburg bei Darmstadt gibt es mit der LSL Rhein-Main die größte Brüterei in Deutschland. Hier werden bundesweit laut den Tierschützern von Peta die meisten männlichen Küken getötet. Der Betrieb beruft sich aber darauf, sich an geltendes Recht zu halten und nichts Falsches zu tun. Schriftlich teilt die LSL Rhein-Main dazu mit: "Das Vorgehen von LSL Rhein-Main entspricht dabei in allen Belangen dem gelten Recht. In Abstimmung und unter der ständigen Kontrolle der zuständigen Behörden, die das angewendete Verfahren auch genehmigt haben, werden die männlichen Eintagsküken bei LSL Rhein-Main ausschließlich durch CO2 getötet."
 

Tötung mit "akzeptablem Zweck": Tierfutter

Ende 2014 war die hessische Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen an die Medien gegangen. "Hessen untersagt die Tötung männlicher Eintagsküken" – so lautet der Titel der Pressemitteilung von damals. An der Praxis aber hat sich nicht viel geändert, die Zahl der getöteten Tiere liegt in Millionenhöhe. Das Ministerium hält dazu schriftlich fest: "In Hessen werden inzwischen sämtliche männliche Küken nicht mehr geschreddert und entsorgt, sondern mit Gas getötet und als Tierfutter genutzt. So können die Küken noch einem akzeptablen Zweck dienen."
 

Tierschützer erhoben Anklage gegen Brütereien

Darum geht es nämlich rein rechtlich. Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes sagt: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Ein getötetes Küken als Futter für ein anderes Tier – für das Umweltministerium vertretbar: ein vernünftiger Grund also für die Tötung. Anders lesen die Tierschützer der Organisation Peta das Gesetz. Darin sei eindeutig davon die Rede, dass eine solche Ersatzverwertung nicht als vernünftiger Grund anzuerkennen sei, sagt Peta-Justiziar Krishna Singh. Denn der "vorrangige Grund, und auf den allein kommt es an, das ist hier die Überflüssigkeit der Tiere", so Singh.

Überflüssigkeit der Tiere heißt: Sie bringen der Brüterei kein Geld. Denn die Tiere können weder einmal Eier legen, noch setzen sie viel Fleisch an – aus Gründen der Zuchtweise. Und deshalb gehe es ihnen auch massenhaft an den Kragen. Peta Deutschland hat inzwischen Anzeigen gegen alle Brütereien in Deutschland erstattet – auch gegen LSL Rhein-Main in Dieburg. Die Staatsanwaltschaft hat die Anzeige abgewiesen, inzwischen liegt sie bei der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und wird geprüft.
 

Ein Ende scheint in Sicht

Immerhin: Ein Ende scheint in Sicht. Mit einer neuen Methode soll das Geschlecht des Kükens schon im Ei erkannt werden, die wissenschaftliche Forschung ist abgeschlossen, nur serienfertig für die Betriebe ist das Gerät noch nicht. Auch Hessen und die LSL Rhein-Main waren an der Entwicklung beteiligt. Erwarteter Einsatzbeginn: nächstes oder übernächstes Jahr.
 

Teilen

Redaktion: chsi / samu
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 24.02.2016, 18:21 Uhr
 
 

Service

 

Funkkolleg 2017

Das Funkkolleg Sicherheit analysiert subjektive Ängste und objektive Gefahren [mehr]

Unsere Buch-Empfehlungen

Kooperation mit hessischen Buchhandlungen
[mehr]
 

Abonnieren

hr-iNFO-Podcasts

Sendungen als mp3. [mehr]
 

Empfang

hr-iNFO-Frequenzen

So können Sie hr-iNFO hören. [mehr]
 

Wissen & Bildung

Das hr-Portal für Themen aus Wissen und Bildung
[mehr]
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.
SZM-Daten dieser Seite