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10.02.2017

Restaurant "Robin Hood" in Madrid

3-Gänge-Menüs für Obdachlose

In Madrid hat im November ein ganz besonderes Restaurant eröffnet. Es nimmt von den Reichen und gibt den Armen eine kostenlose Mahlzeit. Bis nachmittags herrscht im Restaurant normaler Betrieb, abends öffnet es dann ausschließlich für Menschen, die sich einen Restaurant-Besuch nicht leisten können: Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Obdachlose. Unsere Reporterin war vor Ort.
 

Von Bianca von der Au, ARD-Studio Madrid

Schon kurz vor 19 Uhr bildet sich eine kleine Schlange im Eingangsbereich des Lokals. Männer und Frauen mit strähnigen Haaren, zum Teil fehlenden Zähnen und dicken Rucksäcken, in denen sie wahrscheinlich ihr ganzes Hab und Gut verstaut haben, wollen rein. Am Tresen steht Jesús im Anzug mit Krawatte, begrüßt jeden einzelnen und weist jedem einen Platz am gedeckten Tisch zu. Etwa 50 Gäste passen in den langen, fensterlosen Raum, gut die Hälfte der Tische ist schon besetzt. "Wir machen jeden Tag zwei Durchgänge: von sieben bis acht und von acht bis neun. Gestern zum Beispiel kamen 95 Menschen zum Essen, vergangenen Freitag waren es 101 und am Sonntag 89", sagt Jesús.


In der Küche des "Robin Hood"
 

"Wie ein Traum"

Das "Robin Hood" ist ein typisch spanisches Lokal, mit Metalltresen, Steinfußboden und einfachen Tischen mit Papiertischdecken. Tagsüber bestellen zahlende Gäste ein "Menú del día" für elf Euro oder nehmen einen Kaffee an der Bar. Abends ist das Drei-Gänge-Menü kostenlos – für alle, die sich ein Essen im Restaurant normalerweise nicht leisten können. Zum Beispiel Juan, der seit vielen Jahren obdachlos ist: "Ich komme jetzt seit vier oder fünf Tagen zum Abendessen hierher. Ich habe in der Kirche San Antón davon erfahren. An den anderen Stellen für Obdachlose geben sie einem Brötchen und Brühe – das dreht Dir den Magen um. Und das hier ist ein Traum, es ist wie ein Traum."
 

Menschen sollen ihre Würde behalten

 (Bild: privat)
Initiator Padre Àngel
Die Idee zu dem Lokal mit dem programmatischen Namen "Robin Hood" stammt von Padre Àngel, einem sozial engagierten Pfarrer, der schon seine Kirche San Antón zu einem rund um die Uhr geöffneten Zentrum für Bedürftige umgewandelt hat. Auch das Lokal hat ein außergewöhnliches Konzept: "In dieses Restaurant kommen tagsüber Menschen, die Geld haben und sie lassen ein Trinkgeld oder eine kleine Spende da für diejenigen, die nichts haben. Und am Abend kommen die Mittellosen, sie können hier am gedeckten Tisch zu Abend essen von richtigen Tellern und Gläsern und nicht aus Plastikschalen. Papst Franziskus hat es viele Male gesagt: Es ist wichtig, dass sie ihre Würde behalten." Wenn Padre Àngel das Restaurant betritt, wird er begrüßt wie ein Heiliger. Der kleine, ältere Herr mit weißen Haaren strahlt und lacht die ganze Zeit, zu jedem geht er an den Tisch und hat ein paar warme Worte übrig.
 

Expansion schon in Planung

Essen darf hier, wer sich zuvor eine Stempel-Karte in der Kirche abgeholt hat – jeder, der bedürftig ist, bekommt so eine Karte und kann damit jeden Tag kostenlos im "Robin Hood" zu Abend essen. Durch die Einnahmen des Tages und Spenden von Gästen, die etwa ein Menü doppelt zahlen, finanziert sich das Gratis-Menü am Abend.
Außerdem helfen viele Freiwillige mit, so wie heute Abend Isabel. Sie drapiert Salat und ein Stück Tortilla auf Porzellanteller, zwei weitere Helferinnen bedienen die Obdachlosen und Sozialhilfeempfänger - eben wie in einem Restaurant üblich.

"Ich denke, es ist meine Bürgerpflicht, denen zu helfen, denen es schlechter geht", sagt Isabel. "Außerdem verfolge ich seit einiger Zeit die Projekte von Padre Àngel und seiner Organisation "Mensajeros de la Paz". Und ich denke, das hier ist eine sehr einfache Art zu helfen." Die Nachfrage ist offenbar so groß, dass Padre Àngel schon plant, zwei weitere Lokale nach diesem Konzept zu eröffnen. Der Platz im "Robin Hood" reicht längst nicht, um alle Bedürftigen in der Stadt satt zu bekommen.
 

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Redaktion: chsi
Letzte Aktualisierung: 10.02.2017, 16:42 Uhr
 
 

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