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13.02.2017

Fit und Gesund

Vitamin D – was ist das richtige Maß?

Seit einiger Zeit gibt es einen regelrechten Hype um Vitamin D. Es gilt geradezu als Wundermittel gegen alle möglichen Erkrankungen. Auch ein Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und schweren Erkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose wird erforscht. Aber was weiß die Wissenschaft wirklich über Vitamin D und seine Wirkungen? Darüber haben wir mit Professor Klaus Badenhoop gesprochen und seine Informationen zusammengefasst.
 

Was ist Vitamin D?

Vitamin D ist kein Vitamin im klassischen Sinne, sondern ein Hormon. Es wird zum einen über die Nahrungsaufnahme synthetisiert und zum anderen über die Sonneneinstrahlung auf die Haut. Über Zwischenstufen in Leber und Niere wird aktives Vitamin D geformt, das schließlich in den Zellen seine Wirkung entfaltet. Vitamin D wirkt wie viele andere Hormone über Rezeptoren auf den Zellen, die an vielen Stellen des Körpers vorkommen. Vitamin D ist daher ein essentieller Baustein für das menschliche Leben.
 

Wofür ist Vitamin D wichtig?

Die wichtigste Wirkung entfaltet Vitamin D nach aktuellem Forschungsstand auf das Knochensystem. Es ist entscheidend für die Knochenstabilität. Deshalb ist es wichtig, dass Neugeborene im ersten Jahr für eine gesunde Skelettreifung ausreichend Vitamin D bekommen. Vitamin D ist aber auch für die Muskeln, das Immunsystem, das Herz oder das Gehirn wichtig. Daher ist es entscheidend, dass überall, wo Vitamin D-Rezeptoren vorkommen, auch eine ausreichende Konzentration vorhanden ist, damit das Vitamin D an der Zielzelle seine Wirkung erreichen kann.
 

Welche Symptome zeigen sich bei Vitamin D-Mangel?

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Podcast

Weitere Informationen zum Stand der Forschung im Bezug auf Wechselbeziehungen zwischen Vitamin D und schweren Erkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose können Sie hier im Podcast nachhören.
Schwerer Vitamin D-Mangel kann sich zum Beispiel über eine Muskelschwäche äußern, oder darin, dass andere Blutparameter nicht stimmen, wie ein zu niedriger Calcium-Spiegel. Allerdings zeigt nicht jeder Mensch mit Vitamin D-Mangel auch Symptome. Vereinzelt hat sich gezeigt, dass Patienten, die Vitamin D-Präparate zu sich genommen haben, sich wacher und fitter gefühlt haben. Es sei aber eher die Ausnahme, dass jemand solche Beschwerden hat und der Arzt einen Vitamin D-Mangel findet, so Badenhoop. Das bedeute aber nicht, dass ein Vitamin D-Mangel unbedenklich sei. Derzeit laufen einige Studien, die die Wechselwirkungen zwischen Vitamin D-Mangel und Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Multiple Sklerose erforschen.
 

Wie kommt es zu einem Vitamin D-Mangel?

Rund 60 Prozent der Deutschen sollen an Vitamin D-Mangel leiden. Ursachen dafür liegen in unserer heutigen Lebensweise, zum Beispiel verbringt man viel weniger Zeit in der Sonne und viel mehr im Büro. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Sonnenschein-Dauer und dem jeweiligen Vitamin D-Spiegel von Patienten zu dieser Zeit besteht. So fand man heraus, dass Sommerperioden, die sonnenarm waren, mit einem niedrigen Vitamin D-Spiegel einhergingen. Auch die Umwelt spielt dabei eine Rolle. Zum Beispiel sorgen in Großstädten Staubpartikel in den Wolkenschichten dafür, dass weniger UV-Strahlung ankommt – selbst im Sommer. Weitere Faktoren, die Vitamin D-Mangel verursachen können, sind falsche Ernährung und Übergewicht.
 

Wann habe ich einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat den Referenzwert auf 20 Nanogramm pro Milliliter Blut festgelegt. Dieser Wert richtet sich laut Badenhoop nach der Funktion der Nebenschilddrüsen. Ein ausgeprägter Vitamin D-Mangel führt dazu, dass das Nebenschilddrüsensystem mit vermehrter Nebenschilddrüsenhormonsekretion reagiert. Der Schwellenwert, ab dem die Nebenschilddrüsen für das Vitamin D gesättigt sind, liegt bei 30 Nanogramm pro Milliliter Blut. Deswegen geht man davon aus, dass unter 20 Nanogramm der Schwellenwert für einen Mangel besteht, ein schwerer Mangel bei einem Wert unter 10 Nanogramm. Im Übergangsbereich zwischen 20 und 30 Nanogramm spricht man von einer Vitamin D-Insuffizienz. Ein idealer Vitamin D-Spiegel liegt daher bei einem Wert über 30 Nanogramm.
 

Kann der Körper Vitamin D speichern und in Mangelzeiten freisetzen?

Grundsätzlich ja. Dafür müssten die Depots aber ausreichend gefüllt sein. Es zeigt sich aber, dass viele Menschen selbst im Sommer noch einen Vitamin D-Mangel fortbestehen haben. Um einem Vitamin D-Mangel im Winter vorzubeugen, müsste der Vitamin D-Spiegel schon vor den Sommermonaten ausreichend hoch sein und man müsste über den Sommer weiter Vitamin D synthetisieren, den der Körper dann nutzen könnte.
 

Wie sollte man Vitamin D-Mangel behandeln?

Auch wenn mangelnde Sonnenexposition eine Ursache für Vitamin D-Mangel sein kann, ist es nicht ratsam, sich deshalb besonders viel ungeschützt in der Sonne aufzuhalten. Vitamin-Mangel entgegensteuern kann man auch über die richtige Ernährung. In Lebensmittels wie Fisch (z.B. geräucherter Aal, Lachs oder Forelle), Champignons, Avocado oder Eiern steckt viel Vitamin D. Abseits der Ernährung kann auch auf richtig dosierte Vitamin D-Tabletten oder -Tropfen aus der Apotheke zurückgegriffen werden. Um einem Mangel vorzubeugen, empfehlen britische Wissenschaftler wiederum selbst Menschen ohne Erkrankung, Vitamin D-Präparate zu nehmen, vor allem in den Herbst- und Wintermonaten. Tagdesdosen von 1000-2000 Einheiten Vitamin D gelten dabei als nicht gefährlich und es sind keine Nebenwirkungen wie überhöhter Calcium-Spiegel zu erwarten. Trotzdem rät der Experte: "Das richtige Maß für den individuellen Patienten zu finden, das ist die Kunst", sagt Klaus Badenhoop. "Ich halte nichts davon, unkritisch hohe Dosen einzunehmen. Am besten misst man den Spiegel und nur im Fall eines Mangels nimmt man eine Dosierung ein, die den Mangel ausgleicht. Alles andere ist momentan nur im Rahmen von klinischen Studien zu rechtfertigen."
 
Alle Informationen von Professor Klaus Badenhoop, Leiter des Schwerpunkts Diabetologie und Endokrinologie der Uni Frankfurt.
 

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Redaktion: samu
Letzte Aktualisierung: 13.02.2017, 15:52 Uhr
 
 

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