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Lars Ruppel (Bild: hr-iNFO / Lukas Gedziorowski)
Lars Ruppel
18.01.2017

"Das Interview" mit Lars Ruppel, Poetry-Slammer

Ein "Miet-Poet" gegen Hass im Netz

Lars Ruppel ist einer der besten Poetry-Slammer im Land. 2014 wurde er Deutscher Meister in dieser Disziplin, bei der meist Amateure mit selbstgeschriebenen Texten einen Dichterwettstreit auf der Bühne austragen. Aber Lars Ruppel macht mehr als das: Mit seinem Projekt "Weckworte" wendet er sich an Demenzkranke, ihre Angehörigen und Pflegekräfte.
 

Von Mariela Milkowa

Information

Sendetermine:

Mi (18.1.), 19:35 und 21:35 Uhr
Sa (21.1.), 14:05 Uhr
So (22.1.), 10:05 und 18:35 Uhr
Lars Ruppels Job ist alles andere als romantisch und er ist auch nicht der Typ Dichter, wie man ihn sich oft vorstellt. Er sitzt nicht im stillen Kämmerlein und dichtet vor sich hin, weil etwas aus ihm raus muss. Er sei ein "Miet-Poet – egal, wo man mich hinstellt, ich trage dort irgendetwas mit Worten vor", sagt Ruppel über sich.

Er führt ein bewegtes Leben, reist von einer Veranstaltung zur nächsten, lebt aus dem Rucksack und schafft es nach eigenen Angaben auf 300 Bühnen im Jahr. Dazu kommen Schulungen zum Thema Kreativität und Sprachfreude, Workshops in Altenheimen, die sich an Demenzkranke wenden und Auftragsarbeiten für verschiedenste Unternehmen. Ruppels Maxime: "Man muss unterwegs sein, man muss raus zu den Leuten hin, verfügbar sein für alle."

Lars Ruppel bei den Deutschen Poetry Slam Meisterschaften 2014
 

Aktion "Hass hilft": Hasskommentare in Spenden für Flüchtlinge umwandeln

Lars Ruppel, der 1985 im hessischen Gambach geboren wurde, versteht sich als Dienstleister, schließlich lebt er hauptberuflich von seiner Kunst. Schon mit 16 tauchte er in die Poetry-Slam-Szene ein, da war er noch Punker. Punk und Dichtung - das geht doch gar nicht zusammen, oder? "Oh doch", sagt der 32-Jährige. "Die Ausdruckskraft des Punk sieht man fast häufiger auf Slam-Bühnen als die Todessehnsucht des Barock."


Lars Ruppel mit hr-iNFO-Redakteurin Mariela Milkowa

Nach dem Abitur blieb Ruppel der Poetry-Szene treu und tingelte von Event zu Event, sammelte jede Menge Bühnenerfahrung und Auszeichnungen und entwickelte sich zum professionellen Schreiber und Wortkünstler. Seine Markenzeichen sind Redewendungen wie "Holla, die Waldfee" oder "Alter Schwede", die er zu Poesie umformt. Er steht aber heute weniger als Performer auf der Bühne, sondern moderiert und veranstaltet Poetry-Slams. Lars Ruppel, der sich als politischer Dichter versteht, beteiligt sich auch mit der Aktion #SlamHilft an der aktuellen politischen Debatte. Dabei unterstützen namhafte deutsche Poetry-Slam-Stars den Start des Kinofilms "Die Blumen von gestern", in dem es um die Aufarbeitung deutscher Nazi-Vergangenheit und um den Holocaust geht. Durch Live-Performances bei Kinopremieren generierten sie im Rahmen der Aktion Spenden für die Organisation "Hass hilft". Das ist ein Internetportal, das Hasskommentare im Netz aufspürt und sie zur unfreiwilligen Spende für Flüchtlinge und gegen Rechts umwandelt. Wie das geht, können Sie hier nachlesen: Hass hilft.

Tweet der Aktion "Hass hilft"

 

"Punk" für Demenzkranke

Ein Herzensanliegen ganz anderer Art ist Lars Ruppel das Projekt "Weckworte", das er 2009 ins Leben rief. Dabei zeigt er Angehörigen und Pflegekräften von Demenzkranken in Workshops, wie sie Gedichte performen und in den Pflege-Alltag einbauen können. Aus seiner Sicht sei das schon "Punk" im Gegensatz zu dem, was in den Heimen sonst als Kultur für die Alten angeboten werde. Es ist zwar bislang nicht wissenschaftlich untersucht worden, ob Poesie gegen das Vergessen hilft oder einen therapeutischen Effekt hat. Doch Lars Ruppel sieht sich auch hier wieder als Dienstleister, der Menschen mit Demenzerkrankungen eine kulturelle Bereicherung bieten möchte: "Es ist eine tolle Erweiterung meines Arbeitsspektrums als Dichter, die mir unglaublich Spaß macht. Was ich sehen kann, ist das Lachen und das Weinen in den Gesichtern der Leute und das tolle Feedback, das ich von den Pflegekräften bekomme."
 

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Redaktion: chsi
Letzte Aktualisierung: 18.01.2017, 17:59 Uhr
 
 

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