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August Diehl als Karl Marx (Bild:  picture-alliance/dpa)
August Diehl als Karl Marx
17.02.2017

"Das Interview" mit August Diehl, Schauspieler

"Der Bart ist ab, Marx ist wieder aktuell"

"Der junge Karl Marx" mit August Diehl in der Hauptrolle lief als viel beachtetes Special bei der Berlinale. Der Film erzählt von der Freundschaft zwischen Marx und Engels als junge Männer, die die Welt verändern wollten. Mit Blick auf die Krise des Kapitalismus komme er genau zum richtigen Zeitpunkt, meint Diehl.
 

Von Mariela Milkowa

Am Vorabend der industriellen Revolution

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"Der junge Karl Marx"

Der Film von Regisseur Raoul Peck startet am 2. März bundesweit in den Kinos.
August Diehl kann sich seine Rollen aussuchen. Er gilt als einer der renommiertesten deutschen Theater- und Filmschauspieler und ist auch in Hollywood gefragt. Als er das Angebot bekam, den jungen Karl Marx zu spielen, habe er sich zunächst gewundert: "Ich? Karl Marx? Das ist doch der alte Mann mit dem Rauschebart, war der überhaupt mal jung?" Doch nachdem er sich eingehend mit dem Thema beschäftigt hatte, war er überzeugt von der Aktualität des Stoffs. Denn ähnlich wie Marx 1844 am Vorabend der industriellen Revolution eine Zeit der Umbrüche erlebte und die Krise des Kapitalismus prognostizierte, hätten viele Menschen heute auch das Gefühl, in einer Zeitenwende zu leben, erklärt der Schauspieler: "Ich glaube, das, was 2008 passiert ist - die Wirtschaftskrise -, ist fundamental. Und seitdem ist das kapitalistische System auch ins Wanken geraten, insofern ist Marx doch auch wieder relevant."


August Diehl
 

"Ich habe diese Figur in mich aufgesogen"

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Sendezeiten:

Fr (17.2.), 19:35 Uhr
Sa (18.2.), 10:05 und 18:35 Uhr
So (19.2.), 14:05 Uhr
Ich treffe Diehl in einem Berliner Hotel, wo er schon den ganzen Tag Interviews gibt, das Medieninteresse an dem Film ist groß. Zwischendurch packt er ein Tabaktütchen aus und dreht sich schnell eine Zigarette. Der 41-Jährige sieht ein wenig übernächtigt aus. Er hat dunkle Ringe unter den Augen und erzählt, dass die Berlinale eigentlich "sein Festival" sei und er viel lieber Filme gucken würde als seinen eigenen zu promoten. Aber "Der junge Karl Marx" sei ihm sehr wichtig. Und dann wirkt er plötzlich ganz wach und engagiert, als er erzählt, wie er diese Figur in sich "aufgesogen" und zusammen mit seinem Kollegen Stefan Konarske, der den Friedrich Engels spielt, an den Rollen gefeilt habe. "Es gibt Augenzeugenberichte, wie die beiden auftraten: der schwere Löwenkopf mit dieser riesigen dunklen Mähne und den schwarzen Augen und hinter ihm der hoch gewachsene, blonde und blauäugige Engels mit dem kalten Lächeln. Und dieses Bild war bei mir drin."
 

Von der Entstehung des "Kommunistischen Manifests"

Der Film von Regisseur Raoul Peck spielt in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts und zeigt einen relativ kleinen Ausschnitt aus dem Leben des Denkers im Exil in Paris und Brüssel. Er zeigt die gesellschaftlichen Umbrüche, die industrielle Revolution und Entstehung des Proletariats, die dazu geführt haben, dass Marx sein erstes großes Werk schreibt: das "Kommunistische Manifest". Für seine Rolle musste August Diehl stundenlang in die Maske, vor allem die Perücke, der Bart und die dunklen Kontaktlinsen, die er tragen musste, seien eine Herausforderung gewesen.


August Diehl mit hr-iNFO-Redakteurin Mariela Milkowa
 

Marx als Mensch mit Fehlern und Schwächen

Der Zuschauer erlebt im Film den Denker und Philosophen "mit dem Rauschebart" ganz neu, gezeigt wird Marx nicht als Denkmal, sondern als Mensch mit Fehlern und Schwächen, der beispielsweise nie genügend Geld hat, um seine Familie zu ernähren. August Diehl amüsiert sich:
"Ich finde es eine kleine Nebenpointe, dass der größte Kenner des Kapitalismus dauernd Geldprobleme hatte."

Was der Film schafft: der alte Bart ist ab und Marx plötzlich wieder sehr aktuell. Auch wenn er heute polarisiere - habe er doch den theoretischen Überbau für den Kommunismus geliefert -, hofft Diehl, dass der Film die aktuelle politische Debatte befeuern könne - in Zeiten des kriselnden Kapitalismus und der Globalisierung. "Mehr kann ja ein Film auch gar nicht schaffen", sagt er.
 

Trailer: "Der junge Karl Marx"

 

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Redaktion: chsi
Letzte Aktualisierung: 17.02.2017, 12:57 Uhr
 
 

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