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Filmplakat (Ausschnitt) (Bild: collider.com)
Filmplakat (Ausschnitt)
15.02.2017

hr-iNFO-Filmcheck vom 15.02.2017

Filmcheck: "Elle"

Mit Paul Verhoevens Film "Elle" kommt ein Film zu uns in die Kinos, der unter die Haut geht. Michèle, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, wird vergewaltigt und beschließt, sich an ihrem Peiniger zu rächen. Ein spannendes Filmcomeback, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleibt, meint unser hr-iNFO-Filmchecker Jan Tussing.
Bewertung
******
 

Worum geht es?

Beim Diner mit Freunden offenbart die erfolgreiche Geschäftsfrau Michèle, dass sie neulich von einem Einbrecher vergewaltigt worden sei. Sehr zum Erstaunen der Freunde geht sie aber nicht zur Polizei. Kurze Zeit später beginnt der Täter, ihr anzügliche Nachrichten aufs Handy zu schicken. Michèle bewaffnet sich und entschließt sich, auf eigene Faust die Spuren ihres Peinigers zu verfolgen, um sich an ihm zu rächen. Ihr Plan gerät aber schon bald außer Kontrolle.

 

Die Schauspieler

Isabelle Huppert steht seit über 40 Jahren vor der Kamera und gehört zu den Grandes Dames des französischen Kinos. In "Elle" übertrifft sie sich wieder einmal selbst. Die Rolle einer Geschäftsfrau, die Rache an ihrem Vergewaltiger nimmt, verlangt Isabelle Huppert einiges ab.

Der Film geht gleich in der ersten Minute mit einer harten Vergewaltigungsszene los. Huppert, als berechnende Geschäftsfrau mit dem Wunsch nach Rache, baut eine Spannung auf, die einen sofort an den Kinosessel fesselt. Ihr gelingt es, auf geradezu erschreckende Weise, Sex als Machtmittel darzustellen. Sie zwinkert ihren jungen Angestellten zu, hat eine Affäre mit dem Mann ihrer besten Freundin und masturbiert, während sie heimlich ihren Nachbarn beobachtet. Wie so oft bringt Huppert die leisen Untertöne menschlicher Beziehungen ans Licht.
 

Der Regisseur

Jahrelang war es still um den niederländischen Regisseur Paul Verhoeven, aber mit "Elle" ist ihm ein fulminantes Comeback gelungen. Der inzwischen 77-jährige Macher von Kultfilmen wie "Basic Instinct" und "Total Recall" hat einen Thriller geschaffen, der unter die Haut geht und noch lange nachhallt. Wie kaum ein anderer repräsentiert Verhoeven ein Kino der dunklen Obsessionen, das so verführerisch provokativ wie beißend sarkastisch ist.

Er stellt die vergewaltigte Geschäftsfrau nie als Opfer dar, sondern ganz konsequent als selbstbewusste, schlagfertige, zum Teil auch abgebrühte Frau, die ihren männlichen Gegenübern intellektuell überlegen ist – und immer weiß, wie sie sich durchsetzt. Verhoeven, der übrigens auch in der Jury der Berlinale sitzt, ist mit "Elle" ein kleines Meisterwerk gelungen, das zu Recht euphorische Jubelstürme ausgelöst hat.
 

Sehenswert

"Elle" ist Thriller und Gesellschaftskomödie in einem. Spannend, boshaft und einfach unglaublich provokativ. Eine große Stärke des Films ist, dass man nie weiß, wie es weitergeht. Wenn nach kurzer Zeit die Identität des Vergewaltigers bekannt wird, schaltet der Film drei Gänge hoch. Wir werden bei "Elle" so richtig in den Kinosessel gepresst. Und sicherlich kommen bei den weiblichen Zuschauern andere Gefühle auf als bei den männlichen. Komischerweise haben vor allem männliche Kritiker dem Film Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Gleichzeitig bekommen wir einen amüsanten Einblick in die Verlogenheit der französischen Upperclass mit viel Doppelmoral und manipulativer Energie.

"Elle" ist das wuchtige Comeback von Paul Verhoeven, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleibt - nicht zuletzt wegen einer fantastischen Isabelle Huppert darf sich niemand den Film entgehen lassen.
 
Redaktion: jsh / samu
Letzte Aktualisierung: 15.02.2017, 16:17 Uhr
 
 

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